Case Study: the Wehrmacht Detention Center (WUG X) – The Ulsamer Family

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Fallbeispiel zum WUG X: Familie Ulsamer

Bild von Edgar Ulsamer, darunter seine Verfolgungsgründe: „Desertion, amerikanischer Fallschirmagent“ Bildquellen: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands / www.doew.at

Bild von Edgar Ulsamer, darunter seine Verfolgungsgründe: „Desertion, amerikanischer Fallschirmagent“
Bildquelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands / www.doew.at

Edgar Ulsamer was born in Vienna on 23rd August, 1924, to Karl and Herta Ulsamer. He was 13 years old when Austria was annexed by Germany. He attended elementary and secondary school in Vienna, and was active in the Hitler Youth. He graduated from high school during Eastertime 1942. Shortly thereafter he registered at the University of Vienna to study journalism, but was conscripted into military service, first to the Reich Labor Service (Reichsarbeitsdienst or RAD), and then to the Wehrmacht in the fall of 1942, following his 18th birthday. He trained in an investigative unit, and was transferred to the Italian front at the end of 1943. By this time the US Army had largely liberated Italy, and on 7th January, 1944, Edgar and his unit were taken prisoner.

Bild der Mutter von Edgar, Herta Ulsamer.“ Bildquellen: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands / www.doew.at

Bild der Mutter von Edgar, Herta Ulsamer.“
Bildquelle: wie oben

While being held as prisoner-of-war, Edgar Ulsamer volunteered to support the Allies in their fight against Germany. He was taught to parachute, and was familiarized with radio equipment, explosives and American weapons. Other Austrians were trained along with him. In the fall of 1944 he parachuted over Lake Neusiedl with two Austrians and Captain Taylor, an American. The three Austrians had relatives and friends in this area who could be expected to provide them with help and support. Their mission was to collect data for tactical aerial attacks, and, if possible, to establish contact with partisan fighters. Edgar was in touch with his mother, who often visited him in his various hideouts in the Lake Neusiedl area, bringing him food. Edgar‘s father, Karl Ulsamer, also visited his son, but with the goal of convincing him to surrender to the authorities. On the second visit he abandoned these plans, and subsequently supported his son. While acquaintances from Wiener Neustadt initially declared their willingness to conceal the parachutists, they later reported them to the police.

Bild von Karl Ulsamer, darunter sein Urteil: „Zum Tode verurteilt“. Bildquellen: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands / www.doew.at

Bild von Karl Ulsamer, darunter sein Urteil: „Zum Tode verurteilt“.
Bildquelle: wie oben

They were all arrested by the Secret State Police (the ‚Gestapo‘) on 30th November 1944. Only later was it determined, since Edgar was a soldier and Karl an office, that they had to be turned over to the military justice system. Herta Ulsamer was the only one to remain in the district court‘s prison. Edgar was held in the police prison located on Rossauerlände until 1st March 1945, and was then transferred to the Wehrmacht Detention Center. The other three detainees were held in other prisons. On 11th March, 1945, Edgar Ulsamer, his two colleagues and his father were all sentenced to death by the 4th Senate of the Reichs Court-Martials (Vienna, Schwindgasse 8) for the crimes of “military treason, espionage and desertion”. Their execution was scheduled for 4th April, 1945. On 6th April 1945, the Red Army began its liberation of Vienna from the south, forcing the evacuation of the prison two days before the Red Army’s arrival. During the evacuation process, Karl and Edgar successfully escaped. Herta Ulsamer was released from prison on 6th April 1945.

(Many thanks to Peter Rand for the translation.)

Aktuelle Artikel

Nachruf Richard Wadani

Richard Wadani in Wien verstorben – 

Richard Wadani, Ehrenobmann des Personenkomitees „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“, ist in der Nacht von 18. auf 19. April 2020 nach einem Schlaganfall verstorben. Im Oktober wäre er 98 Jahre alt geworden.

Über zwei Jahrzehnte prägte Richard Wadani eine wichtige vergangenheitspolitische Debatte über Beteiligung und Verantwortung von Österreicher*innen in den Jahren von Nationalsozialismus und Krieg. An deren Ende stand die vollständige politische und juristische Rehabilitierung derer, die sich dem verbrecherischen Regime als Soldaten verweigerten – und das zentrale Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Ballhausplatz.

Richard Wadani wurde 1922 in Prag geboren. Dort wuchs er in einem sozialdemokratisch geprägten Milieu auf; jedoch schon früh zog es ihn zur tschechischen kommunistischen Partei hin. Bereits als Zwölfjähriger marschierte er bei großen Demonstrationen der politischen Linken in der Prager Innenstadt mit. 1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und dem „Münchner Abkommen“, galten die aus Österreich stammenden Wadanis als Deutsche und wurden aus Prag ausgewiesen. Ohne politische Kontakte in Wien und unter ständiger Angst vor Verhaftung meldete sich Richard Wadani kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs freiwillig zur Luftwaffe – wie er in Interviews immer wieder betonte, insbesondere deshalb, um als Angehöriger des Bodenpersonals Gelegenheiten zu Widerstandsaktionen zu nutzen. Nachdem ein Versuch, in der Sowjetunion überzulaufen, im März 1942 fehlgeschlagen war, glückte ihm die Desertion im Herbst 1944 an der Westfront: Er erlebte seinen „persönlichen 8. Mai 1945“ (Alfred Andersch) ein gutes halbes Jahr vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Unmittelbar nach seinem Überlaufen schloss er sich Verbänden der tschechischen Exilarmee an.

Richard Wadani hat für seine politischen Ziele hart und ausdauernd gekämpft – und er war es gewohnt, in der Minderheit zu sein und häufig gegen den Zeitgeist anzukämpfen. 1946, zurück in Wien, wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs und arbeitete mit großer Entschlossenheit für seine Überzeugung; sein Geld verdiente er in Vorfeldorganisationen der KPÖ. Zum Bruch kam es wegen der affirmativen KPÖ-Position zur gewaltsamen Niederschlagung des „Prager Frühlings“ 1968. In den folgenden Jahren arbeitete er als Trainer und Sportfunktionär für die Bundesanstalten für Leibeserziehung (BAFL) und den Pensionistenverband der SPÖ.

Schon vor 1968 kämpfte Richard Wadani an dem ihm wichtigsten politischen Projekt: den Kampf gegen die Positionen des Österreichischen Kameradschaftsbundes – und dessen großen Einfluss vor allem in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Das 1946 von der Bundesregierung herausgegebene Rot-Weiß-Rot-Buch stellte zwar noch die Deserteure und Überläufer als positive Beispiele einer Selbstbefreiung Österreichs von der NS-Herrschaft dar; doch währte diese Darstellung nur kurz, und insbesondere die Veteranen der Wehrmacht denunzierten die Männer, die ihre vermeintliche Pflicht für die nationalsozialistische Kriegsführung nicht hatten erfüllen wollen, als „Verräter“ und „Kameradenschweine“. Diese Deutung der historischen Ereignisse dominierte bis in die 1990er Jahre die öffentlichen Diskussionen – oder besser: sie wurde kaum öffentlich diskutiert. Für Richard Wadani ein unerträglicher Zustand. Selbst in der Kommunistischen Partei konnte Wadani vor 1968 keine Verbündeten gewinnen, dort lag der Akzent auf der Würdigung von KZ-Opfern und den politischen Kämpfern gegen den Faschismus – ungehorsame Soldaten gehörten nicht dazu.

Der Schritt aus der politischen Bedeutungslosigkeit gelang erst durch die Allianz mit einem Team junger Studierender aus Politik- und Geschichtswissenschaft an der Wiener Universität. Bis dahin hatte Richard Wadani meist allein oder, seit den 1990er Jahren, in vorübergehenden Bündnissen mit Politiker*nnen der Grünen für seine Agenda gekämpft. Wie wir auf www.deserteursdenkmal.at ausführlich dokumentieren, war es schließlich das breite Bündnis von Akteur*innen aus Wissenschaft, Kunst und Kultur, Politik, Medien und Zivilgesellschaft, mit dem Wadani – seit 2002 auch mit Hilfe des Personenkomitees „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ – seine politischen Ziele erfolgreich durchsetzen konnte.

„Mut, Zivilcourage und ein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn zeichneten Richard Wadani aus. Mit seinem Tod verliert unser Land einen großen Österreicher.“ Mit diesen Worten würdigt Bundespräsident Alexander Van der Bellen den Verstorbenen am Tag nach dessen Tod. Van der Bellen blickt von seinem Amtssitz aus jeden Tag auf das Denkmal im Herzen Wiens, das maßgeblich auf Richard Wadani und seine Initiative zurückgeht. Aus dem Bundeskanzleramt ist der Blick bekanntlich derselbe; von Bundeskanzler Sebastian Kurz war zum Ableben von Richard Wadani leider nichts zu hören.

Nicht nur beim Anblick des Denkmals werden wir an Richard denken: an seinen klaren und scharfen politischen Verstand, an seine unermüdliche Energie, die insbesondere für seine Gegnerinnen und Gegner stets unbequemen war, und an den Menschen, Gefährten und Freund, mit dem wir als Angehörige und Freunde des Personenkomitees viele gute und schöne Erinnerungen verbinden. Wir trauern um Richard, unser Mitgefühl gehört seiner Witwe Linde Wadani und der Familie.

Eine Kurzzusammenfassung der Geschichte Richard Wadanis mit Fotos und Dokumenten finden Sie hier.

  1. Lange Nacht der Museen goes Deserteursdenkmal Kommentare deaktiviert
  2. Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2017 Kommentare deaktiviert
  3. Gedenkfeier beim Deserteursdenkmal Kommentare deaktiviert
  4. 6. Mai 2017: Gedenk- und Befreiungsfeier: Richard Wadani spricht in Greifenburg Kommentare deaktiviert
  5. Demokratiepreis des Parlaments an Personenkomitee verliehen Kommentare deaktiviert
  6. Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2016 Kommentare deaktiviert
  7. Filmpräsentation Filmclub Bozen 19.10.2016 Kommentare deaktiviert
  8. Buchpräsentation Ballhausplatz 23.09.2016 Kommentare deaktiviert
  9. Gedenkveranstaltung Ballhausplatz 03.09.2016 Kommentare deaktiviert
  10. Gespräch mit Richard Wadani Kommentare deaktiviert
  11. Presse 2016 Kommentare deaktiviert
  12. Enthüllung des Deserteurs- und Widerstandsmahnmals in Bregenz Kommentare deaktiviert
  13. Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2015 Kommentare deaktiviert
  14. Neue Materialien: Faltblatt auf English und Deutsch Kommentare deaktiviert
  15. Nie Wieder Gleichschritt! 1. Gedenkfeier für die Opfer der NS-Militärjustiz am Wiener Ballhausplatz Kommentare deaktiviert
  16. Aus aktuellem Anlass: Tod des Wehrmachtsdeserteur David Holzer Kommentare deaktiviert
  17. Enthüllung Gedenktafel am ehemaligen Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Favoriten (WUG X) Kommentare deaktiviert
  18. Mahnwache des KZ-Verbands am Deserteursdenkmal Kommentare deaktiviert
  19. Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2014 Kommentare deaktiviert