Gericht der 2.Panzer-Division

Gericht der 2.Panzer-Division

Im Gebäude Otto-Wagner-Platz 5 bestand ab 1938 ein großes Gericht der Wehrmacht. Als Gerichte der NS-Militärjustiz war sie Teil eines Unrechtsregimes das Deserteure, Selbstverstümmler, Saboteure, Wehrdienstverweigerer, usw. verfolgte.

Inserat Phönix-Versicherung, 1930, mit Anschrift (Quelle: Lehmann)

Inserat Phönix-Versicherung, 1930, mit Anschrift (Q: Lehmann)

Geschichte vor 1938
Das Gebäude wurde 1928/1929 von Ernst Epstein als Hauptsitz der Versicherungs-Gesellschaft Phönix erbaut. Die „Phönix“ war eine der größten österreichischen Versicherungen der Zwischenkriegszeit und durch Sponsoring stark mit der Innenpolitik verknüpft. Anfang 1936 erschütterte der Phönix-Skandal und seine Auswirkungen die Innenpolitik des austrofaschistischen Regimes, die Firma wurde noch 1936 liquidiert.

Übernahme Wehrmachtsjustiz
1938 übernahm gleich nach dem „Anschluss“ Österreichs Kommandantur und Gericht der 2. Panzer-Division das riesige,  siebengeschoßige Gebäude. Die 2. Panzer-Division wurde 1935 in Deutschland aufgestellt und 1938 nach Wien verlegt, im September 1939 verließ sie bedingt durch den Überfall auf Polen die Stadt wieder. Das Gericht der 2. Panzer-Division war eines von vier Divisionsgerichten zwischen März 1938 und September 1939 das in Wien tätig war. Alle befanden sich im örtlichen Nahbereich zum heutigen Landesgericht, das damals als Haftanstalt diente.

Größe und Verfahren
Über die Anzahl an Verfahren des Gerichts in diesen achtzehn Monaten bis Kriegsbeginn ist wenig bekannt, die Delikate waren meist minderschwer, oftmals Bagatellen und selten „politisch“. Am Gericht der 2. Panzer-Division dienten bis 1939 zumindest sechs Richter, darunter Karl Everts, der ab 1944 als Richter am Gericht der Division 177 ein leidenschaftliche Jagd auf Selbstverstümmler veranstaltete. Welche Behörde 1939 bis zur Befreiung das Gebäude nützte ist nicht bekannt.

Blick auf das Gebäude, heute von der Finanzmarktaufsicht benützt. Rechts im Hintergrund das Wiener Landesgericht. (Quelle: Alexander Wallner)

Blick auf das Gebäude, heute von der Finanzmarktaufsicht benützt. Rechts im Hintergrund das Wiener Landesgericht. (Quelle: Alexander Wallner)

Nach 1945
Das Gebäude übernahm die ECA Special Mission (Economic Cooperation Administration), eine US-Berhörde, die den Marshall-Plan umsetzte (Adresse: Frankhplatz 3). Ihr folgte 1958 die Österreichische Mineralverwaltung (später: OMV), ab 2009 die Finanznmarktaufsicht (FMA).

Aktuelle Artikel

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2017

Bei bestem Wetter fand auch heuer wieder eine Gedenkfeier im Donaupark im Andenken an die dort hingerichteten Personen statt. Neben der Einladung geben wir im Folgenden Fotos und Mitschnitte von der Feier wieder.

16. Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz

Das Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« lädt herzlich zur 16. Gedenkveranstaltung »Nie wieder Gleichschritt!« an der ehemaligen Hinrichtungsstätte auf dem Gelände des Militärschießplatzes Kagran ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtsoldaten im Kugelhagel von Exekutionskommandos. Wir treffen uns zum Gedenken an alle ungehorsamen Soldaten und ZivilistInnen, die von Wehrmacht und SS ermordet wurden.

Zeit: Do., 26. Oktober 2017, 11 Uhr

Ort: Gedenktafel im Donaupark

Hinweis: Es wird seitens der VeranstalterInnen heuer keinen Kranz geben. Wir bitten alle Schnittblumen der eigenen Wahl mitzunehmen um diese am Ende der Veranstaltung als Form des Gedenkens beim Denkmal abzulegen.

Es sprechen

  • Thomas Geldmacher / Obmann des Personenkomitees
  • Andrea Stangl / Vorsitzende Kulturkommission Leopoldstadt
  • Albert Dlabaja trug das Lied “Der Deserteur” (v. Rudi Burda) vor [Nachtrag 27.10.]
  • Richard Wadani / Ehrenobmann Personenkomitee [Nachtrag 27.10.]

Anfahrt: U1 bis Alte Donau, Ausgang Arbeiterstrandbadstraße, rechts halten, etwa 400 Meter Richtung Nordwesten, dann in den Donaupark einbiegen. Der Gedenkstein befindet sich auf dem parallel zur Arbeiterstrandbadstraße verlaufenden Parkweg.

Link zur Einladung als PDF: Einladung 2017.

Auch ein Video von der Gedenkfeier gibt es:

video

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