{"id":748,"date":"2014-02-18T13:43:40","date_gmt":"2014-02-18T12:43:40","guid":{"rendered":"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/?page_id=748"},"modified":"2017-03-02T10:54:47","modified_gmt":"2017-03-02T09:54:47","slug":"verfolgte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/verfolgte\/","title":{"rendered":"Verfolgte"},"content":{"rendered":"<h1><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/verfolgte-2\/\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-4317\" alt=\"flag_uk\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/flag_uk.jpg\" width=\"27\" height=\"18\" \/><\/a> <img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-4316\" alt=\"flag_at\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/flag_at.jpg\" width=\"27\" height=\"18\" \/><\/h1>\n<p><span style=\"color: #b78847;\"><strong>VERFOLGTE <\/strong><\/span><\/p>\n<p>Hunderttausende Menschen \u2013 Soldaten, Kriegsgefangene und ZivilistInnen \u2013 standen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges vor deutschen Milit\u00e4rgerichten. \u00dcber ihre Lebenswege und Entscheidungsgr\u00fcnde ist bis heute wenig bekannt. So konnten etwa Deserteure von der Sorge um die eigene Familie angetrieben sein oder sich aus Furcht vor drakonischen Strafen entzogen haben; auch politische und weltanschauliche Motive sowie situative Faktoren \u2013 ein pr\u00e4gendes Schl\u00fcsselerlebnis oder einfach eine g\u00fcnstige Gelegenheit \u2013 konnten ausschlaggebend sein. H\u00e4ufig \u00fcberlagerten sich mehrere Beweggr\u00fcnde. Im Folgenden werden 16 Fallgeschichten vor allem von \u00f6sterreichischen Verfolgten der Wehrmachtjustiz dokumentiert. Ohne damit Anspruch auf Repr\u00e4sentativit\u00e4t erheben zu wollen, geht es darum, m\u00f6glichst vielf\u00e4ltige Motivlagen, biografische Hintergr\u00fcnde und Delikte aufzuzeigen. Die Fallauswahl mitbestimmt hat au\u00dferdem der Wunsch, ungehorsame Soldaten aus allen Teilen des Landes zu ber\u00fccksichtigen. Dies ist deshalb wichtig zu erw\u00e4hnen, da aus einigen Regionen (etwa Wien oder Vorarlberg) vergleichsweise viele Verfolgungsgeschichten bekannt sind, solche Forschungen f\u00fcr andere Regionen allerdings noch weitgehend fehlen. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die zuverl\u00e4ssige \u00dcberlieferung von Ereignissen mit entsprechenden Dokumenten oder Fotografien. Quantitativ zuverl\u00e4ssige Aussagen \u00fcber Beweggr\u00fcnde der Verfolgten oder gar den Zusammenhang von Biografie, Handlungssituation und Verweigerungshaltung sind aus den \u00fcberlieferten Quellen generell nicht m\u00f6glich. Gleichwohl zeigen die Fallgeschichten in vielen Facetten den verbrecherischen Charakter einer Verfolgung, die \u00fcber 30.000 Menschen das Leben kostete.<\/p>\n<p>Die ausf\u00fchrlichen Fallgeschichten zu den anschlie\u00dfend vorgestellten Kurzbiografien mit Dokumentenauswahl auch f\u00fcr die p\u00e4dagogische Arbeit finden Sie <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/category\/materialien\/\">hier<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>\u00bbJetzt, da ich wei\u00df, dass wir Slowenen unsere richtige F\u00fchrung haben, wird mich der Hitler nicht mehr sehen!\u00ab<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Franc Pasterk (1912\u20131943)<\/strong> <strong> Jurij Pasterk (1903\u20131943)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1307\" style=\"width: 536px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/pasterks.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1307\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1307 \" title=\"Jurij und Franc Pasterk\" alt=\"Jurij und Franc Pasterk\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/pasterks.png\" width=\"526\" height=\"526\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/pasterks.png 496w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/pasterks-150x150.png 150w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/pasterks-300x300.png 300w\" sizes=\"(max-width: 526px) 100vw, 526px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1307\" class=\"wp-caption-text\">Jurij und Franc Pasterk<br \/>Quelle: Muzej novej\u0161e zgodovine, Ljubljana (li.), Slovenski znanstveni in\u0161titut \/ Slowenisches wissenschaftliches Institut, Klagenfurt \/ Celovec (re.)<\/p><\/div>\n<p>Das k\u00e4rntner-slowenische Br\u00fcderpaar Franc und Jurij Pasterk aus Lobnig \/ Lobnik schloss sich 1942 dem Partisanenwiderstand in K\u00e4rnten an. W\u00e4hrend Jurij von seinem\u00a0 Hof aus aktiv am organisatorischen Aufbau des Widerstandes arbeitete, desertierte Franc aus der Wehrmacht und schloss sich den Partisanentruppen an. Im November 1942 nahm die Gestapo Jurij Pasterk fest; er wurde im April 1943 nach einem Urteil des Volksgerichtshofs in Wien wegen Hochverrats hingerichtet. Franc Pasterk stieg innerhalb weniger Monate zum Kommandanten des I. K\u00e4rntner Bataillons der Befreiungsfront auf. Am 6. April 1943 starb er an einer Verwundung nach einem Partisanenangriff auf Me\u017eica im heutigen Slowenien.<\/p>\n<p>Literaturhinweis<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Rettl-Widerstand-K\u00e4rnten.pdf\">Rettl, Lisa: \u201eJetzt, da ich wei\u00df, da\u00df wir Slowenen unsere richtige F\u00fchrung haben, wird mich der Hitler nicht mehr sehen!\u201c. In: Thomas Geldmacher u.a. (Hg.): \u00bbDa machen wir nicht mehr mit\u00ab. \u00d6sterreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, Wien 2010, S. 94-102.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>\u00bbDa machen wir nicht mehr mit.\u00ab<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>David Holzer (1923-2015)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1510\" style=\"width: 539px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Holzer1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1510\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1510 \" title=\"David Holzer (Privatarchiv Peter Pirker)\" alt=\"David Holzer (Privatarchiv Peter Pirker)\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Holzer1.jpg\" width=\"529\" height=\"675\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Holzer1.jpg 781w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Holzer1-234x300.jpg 234w\" sizes=\"(max-width: 529px) 100vw, 529px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1510\" class=\"wp-caption-text\">David Holzer, Klagenfurt 1942.<br \/>Quelle: Privatarchiv Peter Pirker<\/p><\/div>\n<p>Im Juli und August 1943 quittierten drei Osttiroler Wehrmachtssoldaten, David Holzer, sein Bruder Alois sowie ihr Freund Franz Stolzlechner, den Dienst in der Wehrmacht. Sie kehrten aus dem Heimaturlaub nicht mehr zur Truppe zur\u00fcck, da sie nach den Misserfolgen der Wehrmacht an allen Fronten mit einer raschen Niederlage NS-Deutschlands rechneten. Die drei Bauerns\u00f6hne stammten aus christlich- sozialen, \u00f6sterreichpatriotischen Familien, die dem Nationalsozialismus ablehnend gegen\u00fcberstanden. Fast ein halbes Jahr verbargen sich die M\u00e4nner in einem schwer zug\u00e4nglichen Gebirgsgraben unweit ihres Heimatdorfes. Im J\u00e4nner 1944 flogen die Deserteure auf. David Holzer \u00fcberlebte als Einziger die Verfolgung durch die NS-Milit\u00e4rjustiz.<\/p>\n<p>Literaturhinweis<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/12-Pirker-Osttirol1.pdf\">Pirker, Peter: \u00bb&#8230;Wir gehen gemeinsam in den Untergrund\u00ab. Die Osttiroler Deserteure Alois Holzer, David Holzer und Franz Stolzlechner. In: Thomas Geldmacher u.a. (Hg.): \u00bbDa machen wir nicht mehr mit\u00ab. \u00d6sterreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, Wien 2010, S. 126-137.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>\u00bb\u2026im Caf\u00e9 Weber sah ich viele Kameraden, die den Arm in Gips <\/strong><strong>trugen\u2026\u00ab<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Karl Lauterbach (1924-1945)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3453\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/01_lauterbach.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3453\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3453 \" title=\"Karl Lauterbach, undatiert. Quelle: Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands\" alt=\"Karl Lauterbach, undatiert. Quelle: Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/01_lauterbach-734x1024.jpg\" width=\"584\" height=\"814\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/01_lauterbach-734x1024.jpg 734w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/01_lauterbach-215x300.jpg 215w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3453\" class=\"wp-caption-text\">Karl Lauterbach, undatiert.<br \/>Quelle: Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands<\/p><\/div>\n<p>Am 7. August 1944 wurde der Gefreite Karl Lauterbach verhaftet. Das Feldkriegsgericht der Division 177 in Wien hielt dem Simmeringer vor, er habe sich im Fr\u00fchjahr 1944 zweimal den Arm brechen lassen, um aufgrund dieser Verletzungen nicht wieder an die Front zu m\u00fcssen. Lauterbach zeigte sich gest\u00e4ndig und gab au\u00dferdem zu, in wenigstens drei F\u00e4llen Beihilfe zur Selbstverst\u00fcmmelung geleistet zu haben. Unter den Personen, denen Lauterbach den Arm brach, befand sich auch sein Schulfreund Ernst Stojaspal, nach dem Krieg einer der bekanntesten \u00f6sterreichischen Fu\u00dfballer. Karl Lauterbach wurde am 7. Februar 1945 gemeinsam mit 13 weiteren, wegen Selbstverst\u00fcmmelung zum Tode verurteilten M\u00e4nnern am Milit\u00e4rschie\u00dfplatz Kagran erschossen.<\/p>\n<p>Literaturhinweise<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Thomas-Gelmacher-Im-Caf\u00e9-Weber-sah-ich....pdf\">Geldmacher, Thomas: \u00bbIm Caf\u00e9 Weber sah ich viele Kameraden, die den Arm in Gips trugen.\u00ab Karl Lauterbach und das Simmeringer Netzwerk von Selbstverst\u00fcmmlern, Sommer 1944. In: Ders u.a. (Hg.): \u00bbDa machen wir nicht mehr mit\u00ab. \u00d6sterreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, Wien 2010, S. 188-194.<\/a><\/p>\n<p>Fritsche, Maria: Die Verfolgung von \u00f6sterreichischen Selbstverst\u00fcmmelern in der deutschen Wehrmacht. In: Manoschek, Walter (Hg.): Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz. Urteilspraxis \u2013 Strafvollzug \u2013 Entsch\u00e4digungspolitik in \u00d6sterreich, Wien 2003, S. 195-214.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Falldarstellung von Karl Lauterbach f\u00fcr junge Leute vgl. <a href=\"http:\/\/www.dubistanders.de\/Karl-Lauterbach\/Hitler-und-die-Nationalsozialisten-erobern-Wien\">http:\/\/www.dubistanders.de\/Karl-Lauterbach\/Hitler-und-die-Nationalsozialisten-erobern-Wien<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bbWir standen halt auf der anderen Seite &#8230;<\/i><i>\u00ab<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Richard Wadani (* 1922)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3454\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Richard_Wien_1938.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3454\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3454 \" title=\"Richard Wadani, 1938. Quelle: Privatarchiv Richard Wadani\" alt=\"Richard Wadani, 1938. Quelle: Privat Privatarchiv Richard Wadani\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Richard_Wien_1938-659x1024.jpg\" width=\"584\" height=\"907\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Richard_Wien_1938-659x1024.jpg 659w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Richard_Wien_1938-193x300.jpg 193w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Richard_Wien_1938.jpg 1397w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3454\" class=\"wp-caption-text\">Richard Wadani, 1938.<br \/>Quelle: Privat Privatarchiv Richard Wadani<\/p><\/div>\n<p>Richard Wadani wuchs als Sohn \u00f6sterreichischer Eltern in Prag auf. Schon als Jugendlicher sympathisierte er mit den Kommunisten, deren Jugendverband er sich Mitte der 1930er Jahre anschloss. Infolge des \u00bbM\u00fcnchner Abkommens\u00ab musste die Familie 1938 die Tschechoslowakei Richtung \u00bbOstmark\u00ab verlassen. Richard Wadani r\u00fcckte 1939 zur Wehrmacht ein und verbrachte die Jahre 1941 bis 1944 als Besatzungssoldat in der Sowjetunion. Hier unterst\u00fctze er nach Kr\u00e4ften dortige Partisanenbewegungen und leistete so Widerstand gegen das NS-Regime. Im Oktober 1944 lief er an der Westfront zu den Amerikanern \u00fcber. Hier meldete er sich freiwillig zur tschechischen Exilarmee und kehrte im Dezember 1945 nach Wien zur\u00fcck, wo er wenig sp\u00e4ter in die KP\u00d6 eintrat. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er u. a. als staatlich gepr\u00fcfter Sportlehrer und als Trainer der \u00f6sterreichischen Volleyballnationalmannschaft. Nach der gewaltsamen Niederschlagung des \u00bbPrager Fr\u00fchlings\u00ab verlie\u00df er die KP. Seit den sp\u00e4ten 1990er Jahren gibt er den Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz eine Stimme und ein \u00f6ffentliches Gesicht. 2009 erkannte der Nationalrat die von der deutschen Milit\u00e4rjustiz verfolgten Soldaten und ZivilistInnen als Opfer des Nationalsozialismus an. Das \u00bbAufhebungs- und Rehabilitationsgesetz\u00ab, d. h. die gesetzliche Anerkennung der Deserteure und anderer Verfolgter der NS-Milit\u00e4rjustiz, geht ebenso wie die Errichtung des Denkmals am Wiener Ballhausplatz auf sein starkes politisches Engagement zur\u00fcck. Im Dezember 2016 wurde ihm und seiner Frau Linde f\u00fcr ihr jahrzehntelanges politisches Engagement der Menschenrechtspreis der \u00d6sterreichischen Liga f\u00fcr Menschenrechte verliehen.<\/p>\n<p>Literaturhinweis<\/p>\n<p>Koch, Magnus, Rettl, Lisa: Richard Wadani &#8211; Eine politische Biografie, \u00bb&#8230;und da habe ich gesprochen als Deserteur.\u00ab, Milena Verlag, Wien 2015.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bb\u2026 hat sich meist allein besch\u00e4ftigt und wenig Verbindung zu seinen Kameraden gezeigt.\u00ab<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Erwin Kohout (1909-?)<\/strong><\/p>\n<p>Eine Wehrmachtstreife verhaftete den 1909 in Linz geborenen Schneidergesellen Erwin Kohout am 7. Februar 1942 in der Wohnung seiner Mutter. Als Grund f\u00fcr seine Fahnenflucht gab er an, sich bei seiner in der Ukraine liegenden Einheit nicht mehr wohl gef\u00fchlt zu haben; so sei es unter anderem zu einem Streit mit einem Vorgesetzten gekommen. Obwohl Kohout sich fast drei Monate, also dauerhaft, von seiner Truppe entfernt hatte, verh\u00e4ngte das Kriegsgericht nicht die sonst \u00fcbliche Todesstrafe. Es hielt dem Angeklagten zugute, sich nicht versteckt gehalten und w\u00e4hrend seiner Abwesenheit nicht kriminell bet\u00e4tigt zu haben. Kohout wurde in die Emslandlager im Nordwesten des \u00bbGro\u00dfdeutschen Reiches\u00ab, um dort zehn Jahre schwere Zwangsarbeit zu verrichten. Diese Strafe setzten die Beh\u00f6rden zur Frontbew\u00e4hrung aus. Erwin Kohout gilt heute als verschollen; Ort und Zeitpunkt seines Todes konnte auch nach dem Krieg nicht ermittelt werden. Ein letztes Lebenszeichen sendete er am 22. Oktober 1944 aus Russland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bbWenn jeder anst\u00e4ndige Christ auch nur einen einzigen Juden retten w\u00fcrde &#8230;\u00ab<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong><i> <\/i><\/strong> <strong>Anton Schmid (1900\u20131941)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3455\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Anton_Schmid-_id.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3455\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3455 \" title=\"Anton Schmid, undatiert. Quelle: wikipedia.org\" alt=\"Anton Schmid, undatiert. Quelle: wikipedia.org\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Anton_Schmid-_id.jpg\" width=\"340\" height=\"488\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3455\" class=\"wp-caption-text\">Anton Schmid, undatiert. Quelle: wikipedia.org<\/p><\/div>\n<p>Im M\u00e4rz 1938 betrieb Anton Schmid gemeinsam mit seiner Frau Stefanie ein Radiogesch\u00e4ft in der Wiener Klosterneuburgerstra\u00dfe. Dort hatte er bereits kurz nach dem \u00bbAnschluss\u00ab im M\u00e4rz 1938 j\u00fcdischen Freunden geholfen, sich der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entziehen. Seit 1941 war Schmid als Besatzungssoldat in Litauen stationiert. Sofort nach dem Einmarsch hatte die SS dort \u2013 unterst\u00fctzt von Wehrmacht, Polizeieinheiten und litauischen Hilfstruppen \u2013 mit brutalen Mordaktionen vor allem gegen die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung begonnen. Der Feldwebel Anton Schmid wurde Zeuge dieser Verbrechen. Er beschoss, den Verfolgten zu helfen. Nach Zeitzeugenaussagen versteckte er zun\u00e4chst eine junge J\u00fcdin, Luisa Emaitisaite, und bald einige weitere Personen in seiner Dienststelle und besorgte ihnen neue Ausweispapiere. Zudem kooperierte er mit der j\u00fcdischen Widerstandsbewegung in Litauen, indem er half, rund 300 Juden und J\u00fcdinnen aus dem Wilnaer Ghetto zu befreien. Im J\u00e4nner 1942 wurde Schmid vermutlich von zwei Kameraden denunziert. Ein Wehrmachtgericht verurteilte ihn kurz darauf zum Tod. Er wurde am 13. April 1942 in Wilna erschossen. 1966 ehrte die israelische Holocaust-Gedenkst\u00e4tte Yad Vashem Anton Schmid als \u00bbGerechten unter den V\u00f6lkern\u00ab.<b><i><br \/>\n<\/i><\/b><\/p>\n<p>Literaturhinweis<\/p>\n<p>Wette, Wolfram: Feldwebel Anton Schmid. Ein Held der Humanit\u00e4t, Frankfurt a.M. 2013.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>\u00bbAus Furcht, dass ich angezeigt w\u00fcrde\u00ab <\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Johann Z\u00f6hrer (1923-1997)<\/strong><\/p>\n<p>Im Juli 1944 verlie\u00df der Unteroffiziersanw\u00e4rter Johann Z\u00f6hrer seine Einheit, die zu dieser Zeit im Norden Finnlands stationiert war. Der 1923 in einem Dorf bei Deutschlandlandsberg in der Steiermark geborene Arbeiter f\u00fcrchtete eine Anklage wegen eines Kameradendiebstahls; der brutale Vollzug solcher Strafen, die in der Regel mit mehreren Monaten Gef\u00e4ngnis geahndet wurden, fl\u00f6\u00dfte Z\u00f6hrer solche Furcht ein, dass er lieber ein f\u00fcr Fahnenflucht drohendes Todesurteil in Kauf nahm. Er plante, sich \u00fcber die nahe gelegene Grenze ins neutrale Schweden abzusetzen, wurde jedoch vier Tage nach seiner Entziehung im grenznahen Tornio aufgegriffen und verhaftet. Das Gericht sah es in der Verhandlung vom 2. August 1944 zwar als erwiesen an, dass Z\u00f6hrer desertiert war, verh\u00e4ngte die sonst \u00fcbliche Todesstrafe jedoch nicht. Oberstabsrichter M\u00fcller vom Gericht der 2. Gebirgsj\u00e4gerdivision hielt dem Angeklagten zugute, er habe nicht aus Furcht vor pers\u00f6nlicher Gefahr und auch nicht aus \u00bbwehrfeindlicher Gesinnung\u00ab gehandelt. Z\u00f6hrer k\u00f6nne \u00bbin einem scharfen Strafvollzug ohne weiteres noch zu einem brauchbaren Soldaten erzogen werden\u00ab. \u00a0Der Oberbefehlshaber der 20. Gebirgsarmee verf\u00fcgte, dass die im Kontext mit der Zuchthausstrafe ausgesprochene Aberkennung der Wehrw\u00fcrdigkeit aufgehoben und Z\u00f6hrer die M\u00f6glichkeit gegeben werde, sich in einer Feldstrafgefangenenabteilung zu \u00bbbew\u00e4hren\u00ab. Johann Z\u00f6hrer konnte den Krieg \u00fcberleben und starb 1997 in Deutschlandsberg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bb\u2026 Hitler, diese Laus.\u00ab<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Franz Severa (1912-1944)<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong> Der in Wien geborene Mechaniker Franz Severa wuchs in einem sozialdemokratisch gepr\u00e4gten Milieu auf und war als Mitglied des \u00bbSozialistischen Schutzbundes\u00ab im Februar 1934 einige Wochen vom austrofaschistischen Regime inhaftiert worden. Anfang 1941 \u2013 Severa arbeitete inzwischen bei einer Flugzeugmotorenfabrik in Wien Stammersdorf \u2013 erstattete ein Arbeitskollege Anzeige. Severa habe Adolf Hitler eine \u00bbLaus\u00ab genannt. Der vorsitzende Richter befand, dass der Angeklagte damit den obersten Befehlshaber der Wehrmacht und Reichskanzler aus \u00bbniedrigen Beweggr\u00fcnden schwer beleidigt\u00ab und versucht habe, \u00bbdas Vertrauen des Volkes zur politischen F\u00fchrung zu untergraben\u00ab. Nachdem die Gestapo bei einer Hausdurchsuchung marxistische Literatur gefunden und Severa im Wehrmachtuntersuchungsgef\u00e4ngnis X in Wien Favoriten abermals wegen antinationalsozialistischer \u00c4u\u00dferungen denunziert worden war, verurteilte ihn das Gericht der Division Nr. 177 zu sechs Jahren und sechs Monaten Zuchthaus. Bei Kriegsende wurde er zum Strafbataillon 999 versetzt. Er fiel am 28. Dezember 1944 an der Westfront.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bbMit mir gehen noch 10 Kameraden in den Tod \u2026\u00ab<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Johann Lukaschitz (1919-1944)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3457\" style=\"width: 474px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Johann-Lukaschitz_1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3457\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3457 \" title=\"Johann Lukaschitz, undatiert: Gedenkst\u00e4tte ROTER OCHSE Halle (Saale)\" alt=\"Johann Lukaschitz, undatiert: Gedenkst\u00e4tte ROTER OCHSE Halle (Saale)\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Johann-Lukaschitz_1-653x1024.jpg\" width=\"464\" height=\"729\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Johann-Lukaschitz_1-653x1024.jpg 653w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Johann-Lukaschitz_1-191x300.jpg 191w\" sizes=\"(max-width: 464px) 100vw, 464px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3457\" class=\"wp-caption-text\">Johann Lukaschitz, undatiert. Quelle: Gedenkst\u00e4tte ROTER OCHSE Halle (Saale)<\/p><\/div>\n<p>Im J\u00e4nner 1944 verurteilte das Reichskriegsgericht den 1919 in Wien geborenen Werbezeichner Johann Lukaschitz wegen \u00bbNichtanzeige eines Kriegsverrats\u00ab zum Tod. Aus Unzufriedenheit mit der milit\u00e4rischen Lage im vierten Kriegsjahr und aufgrund \u00fcberharter Behandlung durch die Truppenf\u00fchrung hatten seine Kameraden einen \u00bbSoldatenrat\u00ab gegr\u00fcndet. Das Reichskriegsgericht sah darin eine Verschw\u00f6rung gegen das Reich und konstruierte einen Zusammenhang mit der Situation am Ende des Ersten Weltkrieges, als revolution\u00e4re Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te im November 1918 einen Aufstand herbeigef\u00fchrt hatten. Das Gericht ignorierte, dass bei den Versammlungen des \u00bbSoldatenrates\u00ab nicht geringe Mengen Alkohol im Spiel gewesen waren und die Soldaten ihr Handeln nicht, wie f\u00fcr politische Organisationen sonst \u00fcblich, sorgf\u00e4ltig geplant hatten. Dem Reichskriegsgericht ging es offenkundig darum, ein abschreckendes Beispiel zu geben. Als ehemaliger Angeh\u00f6riger der sozialistischen Jugendbewegung \u00bbDie Falken\u00ab hatte Johann Lukaschitz Sympathien mit den \u00bbVerschw\u00f6rern\u00ab Dass er seine Kameraden nicht verraten hatte, kostete ihn das Leben. Am 11. Februar 1944 wurde er im Zuchthaus Halle\/Saale durch das Fallbeil get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Literaturhinweise<\/p>\n<p>Baumann, Ulrich; Koch, Magnus (Hg.): \u00bb\u2019Was damals Recht war\u2026 Soldaten und Zivilisten vor den Gerichten der Wehrmacht\u2019. Begleitband zur Wanderausstellung der Stiftung Denkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas\u00ab, Berlin 2008.<\/p>\n<p>Vogel, Detlef; Wette, Wolfram (Hg.): Das letzte Tabu. NS-Milit\u00e4rjustiz und Kriegsverrat, Berlin 2007.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00bb&#8230; zur freiwilligen R\u00fcckkehr zu meiner Truppe nicht den Mut gefunden.\u00ab <\/strong><\/p>\n<p><strong>Anton Tischler (1912-1942)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3459\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Foto-Margarete-und-Anton-Tischler_Z.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3459\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3459 \" title=\"Anton und Margarete Tischler, undatiert. Quelle: \u00d6sterreichisches Staatsarchiv\/Archiv der Republik\" alt=\"Anton und Margarete Tischler, undatiert. Quelle: \u00d6sterreichisches Staatsarchiv\/Archiv der Republik\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Foto-Margarete-und-Anton-Tischler_Z-652x1024.jpg\" width=\"584\" height=\"917\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Foto-Margarete-und-Anton-Tischler_Z-652x1024.jpg 652w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Foto-Margarete-und-Anton-Tischler_Z-191x300.jpg 191w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Foto-Margarete-und-Anton-Tischler_Z.jpg 997w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3459\" class=\"wp-caption-text\">Anton und Margarete Tischler, undatiert.<br \/>Quelle: \u00d6sterreichisches Staatsarchiv\/Archiv der Republik<\/p><\/div>\n<p>Anton Tischler war im April 1940 zur Wehrmacht einger\u00fcckt und diente zun\u00e4chst im besetzten Frankreich. Im August des Jahres bat ihn seine Schw\u00e4gerin, nach Hause zu kommen, da seine Frau Margarete (geborene Reiter) erkrankt sei und Tischlers Hilfe ben\u00f6tige. Tats\u00e4chlich fehlte ihr nichts, au\u00dfer der Angst, ihren Mann in den bevorstehenden Kampfhandlungen des Krieges zu verlieren. Aus dem Sonderurlaub, den Tischler erhalten hatte, kehrte er nicht mehr zu seiner Truppe zur\u00fcck. Mit Unterst\u00fctzung seiner Familie hielt er sich mehr als ein dreiviertel Jahr verborgen. Vermutlich aufgrund der Denunziation von Nachbarn wurde er im Oktober 1941 von der Feldgendarmerie verhaftet. Vor der Todesstrafe bewahrte den aus Wien stammenden Tischler wohl nur die Aussage seiner Frau vor Gericht, die ihn offenbar immer wieder inst\u00e4ndig gebeten hatte, bei ihr zu bleiben. Margarete Tischler erhielt deshalb mit drei Jahren Zuchthaus ebenfalls eine schwere Strafe. Anton Tischler \u00fcberlebte den Krieg nicht. Von den ber\u00fcchtigten Emslandlagern im Nordwesten des Reiches wurde er zur Zwangsarbeit in die sogenannten \u00bbLager Nord\u00ab nach Nordskandinavien deportiert. Er starb dort am 2. November 1942 infolge der m\u00f6rderischen Haftbedingungen. Er hinterlie\u00df au\u00dfer seiner Frau, die ihre Haft \u00fcberlebte, noch zwei Kinder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bb\u2026 da sie sonst in ein Konzentrationslager k\u00e4me\u00ab <\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Erich Schiller (*1923)<\/strong><\/p>\n<p>Im Winter 1942 lernte der im nieder\u00f6sterreichischen Weitra geborene Oberfunker Erich Schiller in Berlin die Ungarin Margit Stahl kennen, die nach den N\u00fcrnberger Rassegesetzen als j\u00fcdischer \u00bbMischling\u00ab galt. Aus Angst vor einer Deportation in ein Konzentrationslager bat sie ihn um Hilfe. Einige Monate sp\u00e4ter half Schiller der jungen Frau \u00fcber die Grenze, kehrte nach Wien zur\u00fcck und wartete auf Nachricht aus Budapest. Als sich Margit Stahl nicht zur\u00fcckmeldete, begab er sich seinerseits dorthin, um herauszufinden, ob seine Freundin gut angekommen sei. Kurz nach seiner Ankunft in Ungarn verhaftete die ungarische Polizei den 21-J\u00e4hrigen und nahm ihn einige Monate in Gewahrsam. Schlie\u00dflich glaubten die Beh\u00f6rden seinen Aussagen und er erhielt Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis. Kurz vor Weihnachten 1943 wurde Schiller in Ungarn von einer Wehrmachtsstreife verhaftet. Das Land war seit 1941 mit dem Deutschen Reich verb\u00fcndet. Das Gericht der Division 177 glaubte Erich Schiller, dass er aus Mitleid gehandelt habe und verh\u00e4ngte eine 12-j\u00e4hrige Zuchthausstrafe. Er wurde in die Straflager im Emsland verschleppt. Ob er den Krieg \u00fcberlebte, ist ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bb&#8230; <\/i><i>bescheiden und still, aber unersch\u00fctterlich in seiner \u00dcberzeugung\u00ab<\/i><i> <\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Ernst Volkmann (1902-1941) <\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3460\" style=\"width: 511px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Ernst-Volkmann.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3460\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3460 \" title=\"Ernst Volkmann, um 1930. Quelle: Stadtarchiv Bregenz\" alt=\"Ernst Volkmann, um 1930. Quelle: Stadtarchiv Bregenz\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Ernst-Volkmann-639x1024.jpg\" width=\"501\" height=\"804\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Ernst-Volkmann-639x1024.jpg 639w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/1.-Ernst-Volkmann-187x300.jpg 187w\" sizes=\"(max-width: 501px) 100vw, 501px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3460\" class=\"wp-caption-text\">Ernst Volkmann, um 1930.<br \/>Quelle: Stadtarchiv Bregenz<\/p><\/div>\n<p>Ernst Volkmann weigerte sich aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden, f\u00fcr NS-Deutschland zu k\u00e4mpfen. Der tief gl\u00e4ubige Gitarrenbauer, 1902 im egerl\u00e4ndischen Sch\u00f6nbach (heute Luby in Tschechien) geboren, hegte schon fr\u00fch eine starke Abneigung gegen den Nationalsozialismus. In den 1920er Jahren \u00fcbersiedelte er nach Vorarlberg und lie\u00df sich dort beruflich nieder. 1929 heiratete er die Bregenzerin Maria Handle und bekam mit ihr drei Kinder. Einberufungsbefehlen der Wehrmacht leistete er keine Folge. Deshalb wurde Ernst Volkmann im Juni 1940 verhaftet, 1941 zog das Reichkriegsgericht in Berlin den Fall an sich. Kriegsdienstverweigerung galt als politisches Delikt. Weil er bis zum Schluss seiner religi\u00f6sen \u00dcberzeugung treu blieb und in einer Wehrdienstleistung \u00bbeine Vergewaltigung seiner sittlichen Freiheit zur Verteidigung gegen den Nationalsozialismus\u00ab sah, verurteilte ihn das Berliner Gericht am 7. Juli 1941 zum Tod. Einen guten Monat sp\u00e4ter, am 9. August, morgens um 5.05 Uhr, wurde Ernst Volkmann im Zuchthaus Brandenburg-G\u00f6rden enthauptet. Sein Name steht bis heute auf dem Bregenzer Kriegerdenkmal unter den Gefallenen der beiden Weltkriege. 1958 wurde an dem gegen\u00fcberliegenden Kirchenbau erstmals auf sein Schicksal hingewiesen, seit 2010 befindet sich unweit des Kriegerdenkmals eine Gedenkstele f\u00fcr Ernst Volkmann.<\/p>\n<p>Literaturhinweis<\/p>\n<p>Meinrad Pichler: \u00bbNicht f\u00fcr Hitler\u00ab. Der katholische Kriegsdienstverweigerer Ernst Volkmann (1902\u20131941). In: Emerich, Susanne; Buder, Walter (Hg.): Mahnwache Ernst Volkmann (1902\u20131941). Widerstand und Verfolgung 1938\u20131945 in Bregenz, Feldkirch 2005, S. 6\u201311.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bb\u2026 bin von meiner Truppe weg und habe gedacht, ich will nach Hause\u00ab<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Johann Kuso (1923-1990)<\/strong><\/p>\n<p>Der aus Steinbrunn im Burgenland stammende Flugzeugmechaniker Johann Kuso verlie\u00df im April 1943 seine Einheit, die zu dieser Zeit auf einem Truppen\u00fcbungsplatz in der Slowakei stationiert war. Nach seiner Ergreifung, nur gut zwei Tage sp\u00e4ter, gab er in einer Vernehmung an, aus Furcht vor Bestrafung wegen eines Wachvergehens geflohen zu sein, zumal Kuso auch Probleme mit den \u00bbKameraden\u00ab seiner Einheit hatte. Das Milit\u00e4rstrafgesetzbuch definierte eine Abwesenheit von bis zu drei Tagen als \u00bbunerlaubte Entfernung\u00ab von der Truppe, wof\u00fcr in der Regel k\u00fcrzere Gef\u00e4ngnisstrafen verh\u00e4ngt wurden. Die Abwesenheit Johann Kusos wertete das Gericht der Wiener Division 177 jedoch als Fahnenflucht, also als eine vors\u00e4tzliche und auf Dauer angelegte Entfernung. Strafmildernd wirkte sich nur die kurze Dauer der Ausbildung sowie die geringe Zeit seiner Abwesenheit aus. Er wurde zu einer vierj\u00e4hrigen Zuchthausstrafe verurteilt, aus der Wehrmacht ausgesto\u00dfen und der zivilen Justiz \u00fcbergeben. In den ber\u00fcchtigten Emslandlagern, im Nordwesten des \u00bbGro\u00dfdeutschen\u00ab Reiches, musste er unter KZ-\u00e4hnlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Anders als viele seiner Leidensgenossen konnte Johann Kuso die Haft \u00fcberleben. Nach der R\u00fcckkehr in seinen Heimatort betrieb er zun\u00e4chst eine Trafik und \u00fcbersiedelte sp\u00e4ter nach Wien. Dort starb er am 13. M\u00e4rz 1990.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bbNun wird es mir aber zu dumm \u2026\u00ab<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Anton Brandhuber (1914-2008)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3462\" style=\"width: 487px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Brandhuber.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3462\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3462 \" title=\"Anton Brandhuber, 1942. Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv, Bern\" alt=\"Anton Brandhuber, 1942. Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv, Bern\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Brandhuber.png\" width=\"477\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Brandhuber.png 751w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Brandhuber-288x300.png 288w\" sizes=\"(max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3462\" class=\"wp-caption-text\">Anton Brandhuber, 1942.<br \/>Quelle: Schweizerisches Bundesarchiv, Bern<\/p><\/div>\n<p>Anton Brandhuber, ein Landwirt aus dem nieder\u00f6sterreichischen Laa an der Thaya, desertierte im Februar 1942 an der sowjetischen Front. Die in \u00d6sterreich aufgestellte 45. Infanterie-Division hatte vor Moskau gro\u00dfe Verluste erlitten und sollte nun mit neuen Soldaten aus der Heimat aufgef\u00fcllt werden. Brandhuber verlie\u00df seine Truppe kurz bevor seine Einheit die vordersten Stellungen erreicht hatte. Nach einer zehnt\u00e4gigen Flucht quer durch Europa erreichte er bei Feldkirch die \u00f6sterreichisch-liechtensteinische Grenze. Am 27. Februar \u00fcberwand er die stark gesicherten Zaunanlagen und gelangte in die Schweiz. Dort gab er zu Protokoll, dass die Verh\u00e4ltnisse bei seiner Ankunft in Orjol \u2013 extreme K\u00e4lte, schlechte Versorgung und desolate Stimmung unter den Soldaten \u2013 der unmittelbare Ausl\u00f6ser f\u00fcr seine Flucht gewesen seien. Zu seinen Motiven befragt, notierte der Schweizer Verh\u00f6roffizier: \u00bbDer Einvernommene gibt die Hoffnungslosigkeit der Aussichten f\u00fcr die Zukunft, sowie den Zwang zum K\u00e4mpfen f\u00fcr ein ihm als Oesterreicher verhasstes Regime als Hauptgrund zur Flucht an.\u00ab Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Anton Brandhuber nach \u00d6sterreich zur\u00fcck und lebte bis zu seinem Tod am 28. August 2005 auf seinem Hof in Laa an der Thaya.<\/p>\n<p>Literaturhinweise<\/p>\n<p>Hamburger Institut f\u00fcr Sozialforschung (Hg.): Verbrechen der Wehrmacht \u2013 Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 \u2013 1944. Ausstellungskatalog, Hamburg 2002.<\/p>\n<p>Koch, Magnus: Fahnenfluchten. Deserteure der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, Krieg in der Geschichte, Bd. 42, Paderborn 2008.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bbDa haben sie gesagt, sie m\u00f6chten sich den Arm brechen lassen\u00ab<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Maria Musial (1919-2012)<\/strong><\/p>\n<p>Die Friseurin Maria Lauterbach wurde 1919 in eine zehnk\u00f6pfige Simmeringer Arbeiterfamilie geboren. In den 1930er Jahren waren die Musials im kommunistischen Widerstand aktiv: zun\u00e4chst gegen das austrofaschistische Regime, ab 1938 gegen die Nationalsozialisten. 1942 heiratete Maria den gelernten Maschinenschlosser und Unteroffizier der Luftwaffe Ernst Musial. Gemeinsam halfen sie kampfunwilligen Soldaten, sich dem Dienst in der Wehrmacht zu entziehen \u2013 und zwar durch gezielt herbeigef\u00fchrte Knochenbr\u00fcche. Maria beschaffte von einem bekannten Arzt die daf\u00fcr notwendigen Bet\u00e4ubungsmittel. Die Meldungen \u00fcber eine auff\u00e4llige H\u00e4ufung gebrochener Arme erreichte zur Jahreswende 1943\/1944 auch Karl Everts, den Chefrichter der in Wien ans\u00e4ssigen Division 177. Dieser setzte einen Spitzel ein und lie\u00df im Sommer 1944 das gesamte Netzwerk verhaften. Auch Marias Neffe Karl Lauterbach und mit ihm 13 weitere Personen des Wiener \u00bbSelbstverst\u00fcmmler-Netzwerks\u00ab wurden wegen \u00bbWehrkraftzersetzung\u00ab hingerichtet; Maria Musial erhielt sechs, ihr Mann zw\u00f6lf Jahre Zuchthaus. Beide \u00fcberlebten. Ernst Musial konnte jedoch aufgrund der Sp\u00e4tfolgen seiner Haft bald nicht mehr arbeiten. Maria pflegte ihn und war dadurch gezwungen, ihren Beruf als Friseurin aufzugeben. Sie blieb jedoch politisch aktiv und geh\u00f6rte zu jenen \u00dcberlebenden der NS-Milit\u00e4rjustiz, die bis zu ihrem Tod die allj\u00e4hrlichen Gedenkfeiern f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz im Wiener Donaupark besuchte. Maria Musial starb 2005.<\/p>\n<p>Literaturhinweis<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Thomas-Gelmacher-Im-Caf\u00e9-Weber-sah-ich....pdf\">Geldmacher, Thomas: \u00bbIm Caf\u00e9 Weber sah ich viele Kameraden, die den Arm in Gips trugen.\u00ab Karl Lauterbach und das Simmeringer Netzwerk von Selbstverst\u00fcmmlern, Sommer 1944. In: Ders u.a. (Hg.): \u00bbDa machen wir nicht mehr mit\u00ab. \u00d6sterreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, Wien 2010, S. 188-194.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bbUnd immer f\u00fchle ich mich zuerst als Mensch und dann erst als Polin<\/i>\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>Krystyna Wituska (1920-1944) und Maria Kacprzyk (1922-2011)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3465\" style=\"width: 545px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wituska-Kacprzyk2.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3465\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3465 \" title=\"Maria Kacprzyk und Maria Wituska, um 1940.  Quellen: Privatarchiv Maria Kacprzyk, Danzig sowie Universytecka w Warszawie \" alt=\"Maria Kacprzyk und Maria Wituska, um 1940.  Quellen: Privatarchiv Maria Kacprzyk, Danzig sowie Universytecka w Warszawie \" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wituska-Kacprzyk2.png\" width=\"535\" height=\"527\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wituska-Kacprzyk2.png 480w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wituska-Kacprzyk2-300x295.png 300w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wituska-Kacprzyk2-304x300.png 304w\" sizes=\"(max-width: 535px) 100vw, 535px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3465\" class=\"wp-caption-text\">Maria Kacprzyk und Maria Wituska, um 1940.<br \/>Quellen: Privatarchiv Maria Kacprzyk, Danzig sowie Universytecka w Warszawie<\/p><\/div>\n<p>Am 1. September 1939 \u00fcberfiel die deutsche Wehrmacht Polen. Razzien, Verhaftungen und Hinrichtungen pr\u00e4gten den Alltag der Bev\u00f6lkerung, die vielfach auch f\u00fcr die deutsche Kriegswirtschaft zwangsverpflichtet und verschleppt wurde. Die Gutsbesitzertochter Krystyna Wituska und die in eine Warschauer Unternehmerfamilie geborene Maria Kacprzyk beschlossen, sich gegen die Unterdr\u00fcckung zu wehren. Sie schlossen sich dem polnischen Widerstand an. Ihr Auftrag lautete, Informationen \u00fcber die deutsche Besatzungsmacht zu beschaffen. Ihr Netzwerk flog allerdings auf. Die beiden jungen Frauen wurden im Oktober 1942 verhaftet und nach Berlin \u00fcberstellt. Am 19. April 1943 verh\u00e4ngte Werner Lueben, Senatspr\u00e4sident am Reichskriegsgericht, wegen Spionage, Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbeg\u00fcnstigung die Todesstrafe gegen Krystyna Wituska. Ihre Freundin Maria bekam acht Jahre versch\u00e4rftes Straflager. W\u00e4hrend Maria das Ende des Krieges erlebte, lie\u00df das Reichskriegsgericht Krystyna Wituska am 26. Juni 1944 durch das Fallbeil t\u00f6ten. Nach 1945 fiel es Maria schwer, den Verlust ihrer Freundin zu verarbeiten. Sie studierte Medizin, absolvierte eine Schauspielausbildung, arbeitete als Fremdenf\u00fchrerin, heiratete und bekam zwei Kinder. In den 1980er Jahren setzte sich Maria Kacprzyk f\u00fcr die Solidarnosc-Bewegung ein, die f\u00fcr eine Demokratisierung Polens und die Losl\u00f6sung des Landes aus dem \u00f6stlichen Verteidigungsb\u00fcndnis eintrat. Sie starb am 4. April 2011 in Danzig.<\/p>\n<p>Literaturhinweis<\/p>\n<p>Skowronski, Lars; Trieder, Simone: Zelle Nr. 18. Eine Geschichte von Mut und Freundschaft, Berlin 2014.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>\u00bb\u2026 weil mich die anderen zu viel sekkiert haben\u00ab<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Alois Tiefengruber (1912-?) <\/strong><\/p>\n<p>Als der geb\u00fcrtige Grazer Alois Tiefengruber im September 1942 zur Wehrmacht einr\u00fccken musste, hatte er bereits ein leidvolles und wenig angepasstes Leben hinter sich: Seinen Vater hatte er nie kennen gelernt und bereits vor dem fr\u00fchen Tod seiner Mutter lebte er bei Pflegeltern. Zu den vielfachen Problemen in der Schule kamen bald gesundheitliche Einschr\u00e4nkungen hinzu. Seit seinem siebten Lebensjahr litt Alois Tiefengruber an epileptischen Anf\u00e4llen. Es folgten psychiatrische Untersuchungen und Krankenhausaufenthalte, und er verfiel dem Alkohol. Auch bei seiner milit\u00e4rischen Einheit eckte er bald an. Er konnte oder wollte den milit\u00e4rischen Drill nicht ertragen. Nach der kurze Zeit sp\u00e4ter erfolgten Entfernung von seiner Truppe gab Tiefengruber an, von seinen \u00bbKameraden\u00ab ausgegrenzt und gequ\u00e4lt worden zu sein. An seinem 30. Geburtstag wurde er wegen Fahnenflucht und \u00bbR\u00fcckfalldiebstahls\u00ab zun\u00e4chst zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Da das Urteil vom Oberkommando des Heeres nicht best\u00e4tigt wurde, verhandelte das Gericht erneut. Die geforderte Todesstrafe verh\u00e4ngte es jedoch nicht: eine Milde, die die Wehrmachtgerichte in vielen \u00e4hnlichen F\u00e4llen nicht zeigten. Ob Alois Tiefengruber das Feldstraflager, die h\u00e4rteste Form des Strafvollzugs in der Wehrmacht, \u00fcberlebte, ist nicht gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Allgemeine Literaturhinweise<\/strong><\/p>\n<p>Baumann, Ulrich; Koch, Magnus (Hg.): \u00bb\u2019Was damals Recht war\u2026 Soldaten und Zivilisten vor den Gerichten der Wehrmacht\u2019. Begleitband zur Wanderausstellung der Stiftung Denkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas\u00ab, Berlin 2008.<\/p>\n<p>Baumann, Ulrich: \u00bbWo sind die Deserteure?\u00ab \u00d6ffentliche Meinung und Debatten \u00fcber Verurteilte der Wehrmachtjustiz in der Bundesrepublik Deutschland 1949-1998. In: Pirker, Peter; Wenninger, Florian (Hg.): Wehrmachtsjustiz. Kontext, Praxis, Nachwirkungen, Wien 2010, S. 270-285.<\/p>\n<p>Forster, David: Die milit\u00e4rgerichtliche Verfolgung von Verratsdelikten im Dritten Reich. In Manoschek, Walter (Hg.): Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz. Urteilspraxis \u2013 Strafvollzug \u2013 Entsch\u00e4digungspolitik in \u00d6sterreich, Wien 2003, S. 238-253.<\/p>\n<p>Fritsche, Maria: Entziehungen. \u00d6sterreichische Deserteure und Selbstverst\u00fcmmler in der Deutschen Wehrmacht, Wien 2004.<\/p>\n<p>Fritsche, Maria: Feige M\u00e4nner? Fremd- und Selbstbilder von Wehrmachtsdeserteuren. In: Ariadne 47 (2005), &#8216;Kriegsfrauen und Kriegsm\u00e4nner&#8217;. Geschlechterrollen im Krieg, S. 54-61.<\/p>\n<p>Fritsche, Maria: \u00d6sterreichische Opfer der NS-Milit\u00e4rgerichtsbarkeit. Grundlegende Ausf\u00fchrungen zu den Untersuchungsergebnissen. In: Manoschek, Walter (Hg.): Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz. Urteilspraxis \u2013 Strafvollzug \u2013 Entsch\u00e4digungspolitik in \u00d6sterreich, Wien 2003, S. 80-103.<\/p>\n<p>Fritsche, Maria: Die Verfolgung von \u00f6sterreichischen Selbstverst\u00fcmmelern in der deutschen Wehrmacht. In: Manoschek, Walter (Hg.): Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz. Urteilspraxis \u2013 Strafvollzug \u2013 Entsch\u00e4digungspolitik in \u00d6sterreich, Wien 2003, S. 195-214.<\/p>\n<p>Fritsche, Maria: \u00bbGoebbels ist der gr\u00f6\u00dfte Depp\u00ab. Wehrkraftersetzende \u00c4u\u00dferungen in der deutschen Wehrmacht. In: Manoschek, Walter (Hg.): Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz. Urteilspraxis \u2013 Strafvollzug \u2013 Entsch\u00e4digungspolitik in \u00d6sterreich, Wien 2003, S. 215-237.<\/p>\n<p>Geldmacher, Thomas u.a. (Hg.): \u00bbDa machen wir nicht mehr mit\u00ab. \u00d6sterreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, Wien 2010.<\/p>\n<p>Geldmacher, Thomas: \u00bbAuf Nimmerwiedersehen!\u00ab Fahnenflucht, unerlaubte Entfernung und das Problem, die Tatbest\u00e4nde auseinanderzuhalten. In: Manoschek, Walter (Hg.): Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz. Urteilspraxis \u2013 Strafvollzug \u2013 Entsch\u00e4digungspolitik in \u00d6sterreich, Wien 2003, S. 133-194.<\/p>\n<p>Haase, Norbert: Von \u00bbOns Jongen\u00ab, \u00bbMalgr\u00e9 \u2013nous\u00ab und anderen. Das Schicksal der ausl\u00e4ndischen Zwangsrekrutierten im Zweiten Weltkrieg. In: Haase, Norbert; Paul, Gerhard (Hg.): Die anderen Soldaten. Wehrkraftzersetzung, Gehorsamsverweigerung und Fahnenflucht im Zweiten Weltkrieg, Frankfurt 1995, S. 157-173.<\/p>\n<p>Koch, Magnus: Fahnenfluchten. Deserteure der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, Krieg in der Geschichte, Bd. 42, Paderborn 2008.<\/p>\n<p>Koch, Magnus: Pr\u00e4gung \u2013 Erfahrung \u2013 Situation. \u00dcberlegungen zur Frage, warum Wehrmachtssoldaten ihre Truppe verlie\u00dfen. In: Kirschner, Albrecht (Hg.): Deserteure, Wehrkraftzersetzer und ihre Richter. Marburger Zwischenbilanz zur NS-Milit\u00e4rjustiz vor und nach 1945, Marburg 2010, S. 149-162.<\/p>\n<p>Reemtsma, Jan Philipp: Wie h\u00e4tte ich mich verhalten? Gedanken \u00fcber eine popul\u00e4re Frage. In: Ders. \u00bbWie h\u00e4tte ich mich verhalten?\u00ab Und andere nicht nur deutsche Fragen, M\u00fcnchen 2001, S. 9-29.<\/p>\n<p>Rothmaler, Christiane: \u00bb&#8230;weil ich Angst hatte, da\u00df er erschossen w\u00fcrde\u00ab. Frauen und Deserteure. In: Ebbinghaus, Angelika; Linne, Karsten (Hg.): Kein abgeschlossenes Kapitel: Hamurg im \u00bbDritten Reich\u00ab, Hamburg 1997, S. 461-486.<\/p>\n<p>Walter, Thomas: Die Kriegsdienstverweigerer in den M\u00fchlen der NS-Milit\u00e4rgerichtsbarkeit. In: Manoschek, Walter (Hg.): Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz. Urteilspraxis \u2013 Strafvollzug \u2013 Entsch\u00e4digungspolitik in \u00d6sterreich, Wien 2003, S. 114-132.<\/p>\n<p>Weitere Sammlungen von Biografien von Verfolgten bieten folgende Instiutionen an:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.doew.at\/erinnern\/fotos-und-dokumente\/1938-1945\/aufrechterhaltung-der-manneszucht\">Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.erinnern.at\/bundeslaender\/oesterreich\/jugendsachbuchreihe-nationalsozialismus-in-den-oesterreichischen-bundeslaendern\/tirol\">erinnern.at<\/a><\/p>\n<p>Siehe au\u00dferdem die filmische Reihe <a href=\"http:\/\/www.standbild.org\/index.php\/filme\/vergessene-opfer\/die-filmreihe.html\">&#8220;Vergessene Opfer&#8221;<\/a> von Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber, Verein Standbild<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VERFOLGTE Hunderttausende Menschen \u2013 Soldaten, Kriegsgefangene und ZivilistInnen \u2013 standen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges vor deutschen Milit\u00e4rgerichten. \u00dcber ihre Lebenswege und Entscheidungsgr\u00fcnde ist bis heute wenig bekannt. 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