{"id":4505,"date":"2017-02-09T12:00:55","date_gmt":"2017-02-09T11:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/?page_id=4505"},"modified":"2017-10-11T09:11:23","modified_gmt":"2017-10-11T07:11:23","slug":"personenkomitee","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/teset\/personenkomitee\/","title":{"rendered":"Das Personenkomitee"},"content":{"rendered":"<h1>Personenkomitee \u201eGerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u201c:<\/h1>\n<p><em>Beschreibung ist der Bewerbung zum <a href=\"https:\/\/www.parlament.gv.at\/WWER\/MLST\/DPR\/2016\/index.shtml\">Demokratiepreis der Margaretha-Lupac-Stiftung des \u00f6sterreichischen Parlaments<\/a> entnommen.<\/em><\/p>\n<p>Seit 2002 engagiert sich das Personenkomitee \u201eGerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u201c f\u00fcr die umfassende Rehabilitierung und Entsch\u00e4digung der Wehrmachtsdeserteure, der \u201eWehrkraftzersetzer\u201c und Kriegsdienstverweigerer. Die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz, M\u00e4nner und Frauen, Soldaten und Zivilist_innen, darunter Widerstandsk\u00e4mpfer_innen aus ganz Europa, galten zu diesem Zeitpunkt als \u201eVerr\u00e4ter\u201c, als \u201eVerr\u00e4terinnen\u201c oder \u201eFeiglinge\u201c. Zu Beginn des neuen Jahrtausends interessierten sich weder die historische Forschung noch politisch-gesellschaftliche Initiativen f\u00fcr Geschichte oder Gegenwart dieser Menschen. Das Personenkomitee agierte von Anfang an auf unterschiedlichen Ebenen und verbindet \u2013 bis heute \u2013 auf breiter Basis zivilgesellschaftliches Engagement mit intensiver parlamentarischer Arbeit, mit medialer und kulturpolitischer Vermittlungst\u00e4tigkeit. Die Basis dieser Aktivit\u00e4ten bilden eine von den Mitgliedern des Personenkomitees \u00fcberhaupt erst initiierte wissenschaftliche Expertise und rege Publikationst\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Hervorgegangen ist das Personenkomitee aus einer Initiative von Studierenden der Universit\u00e4t Wien Ende der 1990er Jahre. Im Laufe der Jahre hat es sich zu einem weithin geachteten zivilgesellschaftlichen Akteur entwickelt, der ein bis dahin unbearbeitetes Thema benannt und die berechtigten Interessen einer Minderheit vor allem in den ersten Jahren gegen den gesellschaftlichen Mainstream durchgesetzt hat. Unterst\u00fctzt wurde das Personenkomitee dabei von Institutionen der Zivilgesellschaft (Verb\u00e4nde der Opfer des Nationalsozialismus, Religionsgemeinschaft u. a.), von politischen Aktivist_innen, Kulturschaffenden, Journalist_nnen und Politiker_nnen, anfangs vor allem der Gr\u00fcnen, sp\u00e4ter auch von SP\u00d6 und \u00d6VP. Insbesondere im Rahmen einer \u201eWortspendenkampagne\u201c f\u00fcr die Ausstellung \u201eWas damals Recht war &#8230;\u201c \u2013 Soldaten und Zivilisten der Wehrmacht und sp\u00e4ter ein Deserteursdenkmal in Wien gelang es dem Personenkomitee, eine Koalition zu schmieden, die von Kardinal Christoph Sch\u00f6nborn \u00fcber den ehemaligen Adjutanten des Bundespr\u00e4sidenten General a. D. Hubertus Trauttenberg bis hin zum ehemaligen steirischen KP\u00d6-Chef Ernest Kaltenegger reichte. Namhafte Kulturschaffende wie Literaturnobelpreistr\u00e4gerin Elfriede Jelinek oder der Schauspieler Josef Hader komplettierten diese Allianz.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt aufgrund der Zusammenarbeit verschiedener gesellschaftlicher Akteur_innen ist der urspr\u00fcngliche Forderungskatalog des Personenkomitees aus dem Jahre 2002 heute umfassend umgesetzt. Die Umsetzung l\u00e4sst sich am besten entlang der wichtigsten politischen Beschl\u00fcsse des Parlaments und anderer politischer K\u00f6rperschaften nachzeichnen: die wissenschaftliche Aufarbeitung der Schicksale der \u00f6sterreichischen Opfer der NS-Milit\u00e4rgerichtsbarkeit, die sozialrechtliche Gleichstellung der Verfolgten der NS-Milit\u00e4rgerichte durch das Anerkennungsgesetz 2005, die endg\u00fcltige Rehabilitierung durch den Beschluss des Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetzes 2009 und die Errichtung des Denkmals f\u00fcr die Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz am Wiener Ballhausplatz im Jahr 2014.<\/p>\n<p>Sowohl die Gesetze als auch das Denkmal sind ma\u00dfgeblich der Beharrlichkeit des Personenkomitees und insbesondere seines Ehrenobmannes, des ehemaligen Wehrmachtsdeserteurs Richard Wadani, zu verdanken.<\/p>\n<p>Das Personenkomitee hat sich stets darum bem\u00fcht, wissenschaftliche Forschung mit parlamentarischer Arbeit zu koppeln und den Ergebnissen beider T\u00e4tigkeitsfelder massenmediale Pr\u00e4senz zu verleihen. Diese Kombination ist zweifellos einer der Schl\u00fcssel f\u00fcr den Erfolg des Personenkomitees im Sinne der Demokratie und des Parlamentarismus in \u00d6sterreich. Zahlreiche parlamentarische Anfragen und Antr\u00e4ge aus f\u00fcnf Legislaturperioden, unz\u00e4hlige Zeitungsartikel, Radio- und Fernsehbeitr\u00e4ge, eine betr\u00e4chtliche Anzahl von wissenschaftlichen Publikationen, eine mittlerweile an vier Standorten in \u00d6sterreich pr\u00e4sentierte Ausstellung sowie Denkm\u00e4ler in Wien und Bregenz zeugen von den Bem\u00fchungen um die Rehabilitierung der Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz. Erleichtert wurde diese Arbeit auch dadurch, dass zwei Mitglieder des Personenkomitees (ab 1998 Hannes Metzler, ab 2007 auch Thomas Geldmacher) als Referenten im Gr\u00fcnen Parlamentsklub t\u00e4tig waren und es immer wieder Politiker_innen (nicht nur der Gr\u00fcnen) gab, die dem Thema gegen\u00fcber aufgeschlossen waren (seitens der Gr\u00fcnen etwa Andreas Wabl, Terezija Stoisits, Karl \u00d6llinger, Stefan Schennach, Eva Glawischnig, Alexander Van der Bellen, Harald Walser, Albert Steinhauser und Wolfgang Zinggl, seitens der SP\u00d6 Heinz Fischer, Barbara Prammer, Albrecht Konecny und Hannes Jarolim, seitens der \u00d6VP Andreas Khol und Fritz Neugebauer).<\/p>\n<p>Die Akteur_innen des Personenkomitees (heute vor allem: die Politikwissenschaftler Thomas Geldmacher, Hannes Metzler, Mathias Lichtenwagner und Peter Pirker, der Historiker Magnus Koch, die Historikerin Lisa Rettl, die Kulturwissenschaftlerin Juliane Alton sowie Richard Wadani) haben ein jahrzehntelang ignoriertes Kapitel \u00f6sterreichischer Vergangenheitspolitik sichtbar gemacht, die anschlie\u00dfenden Diskussionen dar\u00fcber ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt und der Rehabilitierung der Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz immer wieder entscheidende Impulse gegeben. In der Folge hat sich zum einen das Bild des Deserteurs in der \u00f6sterreichischen Gesellschaft gewandelt; \u00d6sterreichs politische Parteien haben ihre urspr\u00fcnglich \u00fcberwiegend ablehnenden Positionen zu den Wehrmachtsdeserteuren zum Teil drastisch ge\u00e4ndert. Zum anderen hat insbesondere die historische Auseinandersetzung den Blick erweitert und ins Bewusstsein gerufen, dass der bisherige Verfolgtenbegriff weiter gefasst werden muss: von der Desertion hin zu verschiedensten Deliktformen, Handlungsmotiven und biografischen Hintergr\u00fcnden, von einer rein \u00f6sterreichischen Sicht hin zu einer europ\u00e4ischen Perspektive, die die Verfolgten in den von der Wehrmacht besetzten L\u00e4nder mit einbezieht.<\/p>\n<p>Seit der Er\u00f6ffnung des Denkmals am Ballhausplatz sind die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz auch symbolisch in der Mitte der \u00f6sterreichischen Gesellschaft angekommen. Die kontinuierliche Arbeit des Personenkomitees ist ein Beleg daf\u00fcr, dass Demokratisierungs- und Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen von Akteur_innen der Zivilgesellschaft politische Wirkung entfalten k\u00f6nnen. Rehabilitierung funktioniert nur, wenn sie \u00f6ffentlich geschieht.<\/p>\n<h1>Die Geschichte des Personenkomitees<\/h1>\n<p>Es begann im Wintersemester 1998\/99: Vier Studierende \u2013 Maria Fritsche (Geschichte), Hannes Metzler (Politikwissenschaft), Thomas Walter (Rechtswissenschaft) und Nina Horowitz (Politikwissenschaft) \u2013 interessierten sich im Rahmen des Seminars \u201eDie Wehrmacht als Politikum. Ideologie \u2013 Struktur \u2013 T\u00e4tigkeit und Wirkungsgeschichte in \u00d6sterreich\u201c f\u00fcr Geschichte und Gegenwart der \u00f6sterreichischen Wehrmachtsdeserteure. Sie schlugen das Thema ihrem Seminarleiter, dem Politikwissenschaftler Walter Manoschek, einem der Kuratoren der sogenannten ersten Wehrmachtsausstellung, f\u00fcr eine gemeinsame Seminararbeit vor.<\/p>\n<p>Nach ersten Besuchen der Studierenden in den Archiven und Sichtung der Literatur stellte sich bald heraus, dass sich die historische Forschung in \u00d6sterreich mit den Wehrmachtsdeserteuren noch kaum besch\u00e4ftigt hatte. Der Jus-Student Thomas Walter etwa befasste sich mit der Frage, ob die Urteile der NS-Milit\u00e4rjustiz 1998 noch rechtskr\u00e4ftig und die verurteilten Deserteure oder \u201eWehrkraftzersetzer\u201c daher vorbestraft seien, und wandte sich daher in einem Brief an den damaligen Justizminister Nikolaus Michalek. Zur selben Zeit formulierte Hannes Metzler, zu diesem Zeitpunkt Mitarbeiter des Nationalratsabgeordneten der Gr\u00fcnen Andreas Wabl, eine \u00e4hnlich lautende parlamentarische Anfrage an den Justizminister. Aus den im Anschluss an diese Anfrage und deren Beantwortung im Fr\u00fchjahr 1999 gef\u00fchrten parlamentarischen und \u00f6ffentlichen Debatten resultierte im Juli des Jahres eine Entschlie\u00dfung des Nationalrates, in der dieser das Wissenschaftsministerium aufforderte, die Geschichte der \u00f6sterreichischen Opfer der NS-Milit\u00e4rgerichtsbarkeit erforschen zu lassen, um daraufhin die Aufhebung der Urteile von Amts wegen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Aufgrund der Vorarbeiten der Jahre 1998\/1999 erhielt eine Gruppe junger Wissenschaftler_innen um Walter Manoschek (David Forster, Maria Fritsche, Thomas Geldmacher, Hannes Metzler und Thomas Walter) den Zuschlag f\u00fcr ein Forschungsprojekt, das sich in den Jahren 2001\u20132003 den \u00f6sterreichischen Opfern der NS-Milit\u00e4rgerichtsbarkeit widmete. Diese Gruppe gr\u00fcndete das Personenkomitee \u201eGerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u201c, das sich am 11. Oktober 2002 konstituierte, dem 80. Geburtstag des ehemaligen Wehrmachtsdeserteurs und kritischen Begleiters des Forschungsprojektes Richard Wadani. Unter dem Titel \u201eSp\u00e4te Gerechtigkeit\u201c wurden in einem Forderungskatalog folgende Ziele formuliert:<\/p>\n<blockquote><p>1.) Die Aufhebung aller Urteile der Wehrmachtsjustiz und vergleichbarer Sondergerichte durch eine Entscheidung des Nationalrates<\/p>\n<p>2.) Die Anerkennung von Haftzeiten in Konzentrationslagern und Gef\u00e4ngnissen als Ersatzzeiten f\u00fcr die gesetzliche Pensionsversicherung<\/p>\n<p>3.) Die Anerkennung von Opfern der NS-Milit\u00e4rjustiz als Opfer des Nationalsozialismus und die Aufnahme dieser Personengruppe in das Versorgungs- und Entsch\u00e4digungsrecht<\/p>\n<p>4.) Die ideelle und finanzielle F\u00f6rderung der historischen und politischen Aufarbeitung der NS-Milit\u00e4rjustiz durch die Republik \u00d6sterreich<\/p><\/blockquote>\n<p>Richard Wadani, Sprecher des Personenkomitees, f\u00fcgte diesen vier Punkten handschriftlich eine f\u00fcnfte, zu diesem Zeitpunkt v\u00f6llig unrealistische Forderung hinzu:<\/p>\n<blockquote><p>5.) Die Errichtung eines Denkmals f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz (<a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2016-12-16-3.png\">Original hier<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Am 1. November 2002 f\u00fchrte das Personenkomitee seine erste von bisher 14 Gedenkveranstaltungen f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz beim Gedenkstein im Donaupark auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Milit\u00e4rschie\u00dfplatzes Kagran durch. In den Jahren 1940\u20131945 wurden dort hunderte Widerstandsk\u00e4mpfer und verurteilte Wehrmachtsangeh\u00f6rige erschossen.<\/p>\n<p>Im Juni 2003 pr\u00e4sentierten Walter Manoschek und seine Mitarbeiter_innen im Rahmen des Symposiums \u201e\u00d6sterreichische Opfer der NS-Milit\u00e4rgerichtsbarkeit. Rehabilitation und Entsch\u00e4digung\u201c die Ergebnisse ihres Forschungsprojektes im Abgeordneten-Sprechzimmer des Parlaments. Sowohl der seinerzeitige Erste Nationalratspr\u00e4sident Andreas Khol als auch der Zweite Nationalratspr\u00e4sident Heinz Fischer leiteten aus den publizierten Resultaten konkrete Handlungsoptionen f\u00fcr den Nationalrat ab. Dennoch dauerte es weitere zwei Jahre bis zum Beschluss des Anerkennungsgesetzes 2005, mit dem die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt und deren sozialrechtliche Schlechterstellung beseitigt wurden. Daf\u00fcr waren zwei Entwicklungen hauptverantwortlich. Zum einen forderte der mittlerweile zum Bundespr\u00e4sidenten gew\u00e4hlte Heinz Fischer Ende 2004 und ein weiteres Mal im J\u00e4nner 2005 im Rahmen der Tagung \u201eWiderstand in \u00d6sterreich\u201c im Parlament einen \u201eunmissverst\u00e4ndlichen Akt des Gesetzgebers\u201c, um die Urteile gegen die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz aufzuheben. Er brachte auf diese Weise die moralische Autorit\u00e4t seines Amtes ins Spiel. Zum anderen entspann sich im April 2005 im Zuge der Behandlung einer Dringlichen Anfrage von Gr\u00fcnen und SP\u00d6 im Bundesrat an die damalige Justizministerin Karin Miklautsch eine heftige Diskussion. In deren Verlauf gab der designierte Bundesratspr\u00e4sident Siegfried Kampl (BZ\u00d6, vormals FP\u00d6) zu Protokoll, Deserteure seien \u201ezum Teil Kameradenm\u00f6rder\u201c gewesen. Er beklagte zudem die \u201ebrutale Naziverfolgung\u201c nach 1945. Nicht zuletzt aufgrund des gro\u00dfen medialen Echos, das diese \u00c4u\u00dferungen ausl\u00f6sten, lie\u00df die Regierung um Bundeskanzler Wolfgang Sch\u00fcssel das erw\u00e4hnte Gesetz ausarbeiten, das noch vor der Sommerpause 2005 im Nationalrat beschlossen wurde.<\/p>\n<p>Aus Sicht des Personenkomitees war das Anerkennungsgesetz, allen sozialrechtlichen Fortschritten zum Trotz, unbefriedigend, weil es die Frage der Rehabilitierung durch die Wiederverlautbarung zweier gesetzlicher Bestimmungen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit (Aufhebungs- und Einstellungsgesetz 1945 und Befreiungsamnestie 1946) nicht abschlie\u00dfend kl\u00e4rte. Das Personenkomitee lie\u00df es daher nicht dabei bewenden und plante die n\u00e4chsten Schritte, um die endg\u00fcltige Rehabilitierung voranzubringen.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck gab sich das Personenkomitee 2008 formale Strukturen, gr\u00fcndete den Verein \u201ePersonenkomitee Gerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u201c und suchte beim Nationalfonds der Republik \u00d6sterreich f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus, beim Zukunftsfonds der Republik \u00d6sterreich, bei der Stadt Wien und verschiedenen Bundesministerien um finanzielle F\u00f6rderung an. Ziel war es, die 2007 in Berlin erstmals gezeigte, von der Stiftung Denkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas entwickelte Wanderausstellung &#8220;&#8216;Was damals Recht war &#8230;&#8217; \u2013 Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht&#8221; in einer f\u00fcr \u00f6sterreichische Zwecke adaptierten Form in Wien zu pr\u00e4sentieren. Die erforderlichen umfangreichen inhaltlichen \u00c4nderungen am Ausstellungskonzept leisteten ausschlie\u00dflich die Mitglieder des Personenkomitees, das au\u00dferdem ein umfangreiches Begleitprogramm konzipierte, gemeinsam mit dem Verein Gedenkdienst die p\u00e4dagogische Begleitung der Besucher_innen in die Hand nahm sowie sich um \u00d6ffentlichkeitsarbeit und politisches Lobbying k\u00fcmmerte.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnung dieser Ausstellung im Leopoldst\u00e4dter Theater Nestroyhof Hamakom fand nicht zuf\u00e4llig am 1. September 2009 statt, dem 70. Jahrestag des \u00dcberfalls des Deutschen Reichs auf Polen. Als Hauptrednerin fungierte die damalige Nationalratspr\u00e4sidentin Barbara Prammer, die in ihrer Festansprache die rasche umfassende gesetzliche Rehabilitierung der Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz ank\u00fcndigte. Der damalige Zweite Nationalratspr\u00e4sident Fritz Neugebauer konnte der Er\u00f6ffnung aufgrund eines Auslandstermins zwar nicht beiwohnen, lie\u00df sich aber am Nachmittag des 1. September, also noch vor der offiziellen Er\u00f6ffnung, durch die Ausstellung f\u00fchren und zeigte sich sehr an der Materie interessiert. Zugleich \u00fcbernahm er gemeinsam mit Barbara Prammer, Verteidigungsminister Norbert Darabos sowie Bundespr\u00e4sident Heinz Fischer den Ehrenschutz f\u00fcr die Ausstellung. Nationalratspr\u00e4sidentin Barbara Prammer veranstaltete in Kooperation mit dem Personenkomitee am 18. September 2009 im Palais Epstein die Zeitzeug_innen-Veranstaltung \u201eSt\u00f6renfriede der Erinnerung\u201c mit Friedrich Cerha, Helga Emperger, Peter Kuchar, Hugo Pepper und Richard Wadani.<\/p>\n<p>Die Ausstellung und die (auch international) umfangreiche mediale Berichterstattung brachten den Durchbruch: Am 7. Oktober 2009 pr\u00e4sentierten Justizministerin Claudia Bandion-Ortner sowie Hannes Jarolim, Heribert Donnerbauer und Albert Steinhauser, die Justizsprecher von SP\u00d6, \u00d6VP und Gr\u00fcnen, im Rahmen einer Pressekonferenz im Parlament einen Gesetzesvorschlag, der sich im Gro\u00dfen und Ganzen an einem Entwurf des Linzer Strafrechtsprofessors und langj\u00e4hrigen Unterst\u00fctzers des Personenkomitees Reinhard Moos orientierte, den dieser Jahre zuvor im Auftrag der Gr\u00fcnen und des Personenkomitees verfasst hatte. Genau zwei Wochen sp\u00e4ter, am 21. Oktober 2009, wurde das Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz 2009 im Nationalrat mit den Stimmen von SP\u00d6, \u00d6VP und Gr\u00fcnen beschlossen. Zehn Jahre nach dem erstmaligen Auftauchen des Themas auf der politischen Agenda, nach z\u00e4hen und aufgrund der politischen Konstellationen manchmal f\u00fcr Jahre festgefahrenen Verhandlungen wurde der parlamentarische Prozess zu Ende gebracht.<\/p>\n<p>Nach den Wiener Gemeinderatswahlen im Jahr 2010 bem\u00fchte sich das Personenkomitee erfolgreich darum, im Koalitions\u00fcbereinkommen von SP\u00d6 und Gr\u00fcnen einen Passus zu verankern, der die Realisierung eines \u201eMahnmals f\u00fcr Deserteure\u201c vorsah. Nach intensiv gef\u00fchrten Diskussionen, die sich insbesondere an der Frage des Standortes entz\u00fcndeten, gab die Stadt Wien schlie\u00dflich der Forderung des Personenkomitees nach und entschied, das Denkmal an einen zentralen Ort im Herzen der Republik, n\u00e4mlich am Ballhausplatz, zu errichten. Der Berliner K\u00fcnstler Olaf Nicolai entschied den geladenen Wettbewerb, der von K\u00d6R Kunst im \u00f6ffentlichen Raum GmbH durchgef\u00fchrt wurde, und in dessen Jury auch zwei Mitglieder des Personenkomitees sowie \u2013 als beratende Stimme \u2013 Richard Wadani sa\u00dfen, am 27. Juni 2013 f\u00fcr sich. Mehr als 69 Jahre nach Kriegsende, am 24. Oktober 2014, \u00fcbergab Bundespr\u00e4sident Heinz Fischer das Denkmal f\u00fcr die Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz im Rahmen eines Festaktes am Ballhausplatz der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Seither ist der Ballhausplatz ein Ort \u2013 und nicht l\u00e4nger blo\u00df die leere Fl\u00e4che zwischen Heldenplatz, L\u00f6welstra\u00dfe und Schauflergasse in der Wiener Innenstadt. (&#8230;)<\/p>\n<div id=\"attachment_4522\" style=\"width: 3369px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Foto-Personenkomitee.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4522\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4522\" alt=\"Einige Mitglieder des Personenkomitees vor dem Deserteursdenkmal am Ballhausplatz\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Foto-Personenkomitee.jpg\" width=\"3359\" height=\"2239\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Foto-Personenkomitee.jpg 3359w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Foto-Personenkomitee-300x199.jpg 300w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Foto-Personenkomitee-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Foto-Personenkomitee-450x300.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 3359px) 100vw, 3359px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4522\" class=\"wp-caption-text\">Einige Mitglieder des Personenkomitees vor dem Deserteursdenkmal am Ballhausplatz, Wien 2016.<\/p><\/div>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Personenkomitee \u201eGerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u201c: Beschreibung ist der Bewerbung zum Demokratiepreis der Margaretha-Lupac-Stiftung des \u00f6sterreichischen Parlaments entnommen. 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