{"id":3483,"date":"2016-12-14T13:41:19","date_gmt":"2016-12-14T12:41:19","guid":{"rendered":"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/?page_id=3483"},"modified":"2017-02-21T19:03:29","modified_gmt":"2017-02-21T18:03:29","slug":"chronik_rehabilitierung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/nachkrieg\/chronik_rehabilitierung\/","title":{"rendered":"Chronik Rehabilitierung"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #c0a93f;\"><strong>Prozess der gesellschaftlichen, politischen und juristischen Rehabilitierung\u00a0<\/strong><strong>der Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die folgende Chronik bietet einen \u00dcberblick zum politischen Umgang mit den Opfern der NS-Milit\u00e4rjustiz. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit. Angef\u00fchrt werden wichtige und folgenreiche Etappen auf dem Weg zur gesetzlichen Rehabilitierung und Anerkennung. Dies umfasst Meilensteine der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung ebenso wie wichtige Schritte der wissenschaftlichen Auseinandersetzung (<a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Chronik.pdf\">hier die Gesamtchronik als direkter download<\/a>).<\/p>\n<p>Als Quelle zentral ist neben politischen Beschl\u00fcssen, Buchpublikationen, Veranstaltungen und anderen zivilgesellschaftlichen Aktivit\u00e4ten die begleitende mediale Berichterstattung.<\/p>\n<p><strong>Kriegsende | <\/strong>In ganz \u00d6sterreich werden in den letzten Wochen vor der Befreiung viele Menschen, Soldaten und ZivilistInnen von Wehrmachtgerichten abgeurteilt und erschossen oder erh\u00e4ngt, zum Teil auch ohne Verfahren ermordet. Dabei handelte es sich oft um versprengte Soldaten, die in der un\u00fcbersichtlichen Lage ihre Truppe verloren hatten, um Deserteure, die sich zum Teil bereits l\u00e4nger versteckt hielten, um Menschen, die bei Kriegsende Deserteure versteckt oder Zweifel am \u00bbEndsieg\u00ab ge\u00e4u\u00dfert hatten.<\/p>\n<p>Insgesamt forderte dieses brutale Vorgehen eine nicht n\u00e4her zu bestimmende Anzahl von Opfern. Die Gesamtzahl der Hingerichteten \u00fcber die gesamte Kriegszeit wird auf weit \u00fcber 1.000 Menschen aus \u00d6sterreich gesch\u00e4tzt, zumeist Deserteure, \u00bbWehrkraftzersetzer\u00ab und sogenannte Kriegsverr\u00e4ter. Die Folgen f\u00fcr die \u00dcberlebenden sowie f\u00fcr deren Angeh\u00f6rige wirken bis in die heutigen Tage nach: finanziell, in Form ausgebliebener Entsch\u00e4digungen; mental, durch das Gef\u00fchl der fortgesetzten Benachteiligung und Stigmatisierung; politisch, in Bezug auf das damit zum Ausdruck gebrachte Verh\u00e4ltnis \u00d6sterreichs zu seiner eigenen Geschichte w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges.<\/p>\n<p><strong>27. April 1945 | <\/strong>Das Gr\u00fcndungsdokument der Zweiten Republik, die kurz nach der Befreiung aufgesetzte <a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10000204\">Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung<\/a>, definiert \u00d6sterreich als Opfer einer \u00bbv\u00f6lligen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Annexion des Landes\u00ab. Das Deutsche Reich habe ein \u00bbmacht- und willenlos gemachte[s] Volk \u00d6sterreichs in einen sinn- und aussichtslosen Eroberungskrieg gef\u00fchrt [\u2026], den kein \u00d6sterreicher jemals gewollt hat, jemals vorauszusehen oder gutzuhei\u00dfen instand gesetzt war.\u00ab Diese fr\u00fche Formulierung der sogenannten Opferthese verleugnete die gro\u00dfe Zustimmung, die der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/ns-regime\/aussenpolitik\/anschluss-oesterreich-1938.html\">\u00bbAnschluss\u00ab<\/a> an das Deutsche Reich im Fr\u00fchjahr 1938 in \u00d6sterreich ausgel\u00f6st hatte. Allerdings bot die Formulierung f\u00fcr die Deserteure gute Voraussetzung auf politische Anerkennung, denn deren Weigerung in einer \u2013 nach dem Buchstaben der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung \u2013 fremden Armee zu k\u00e4mpfen, h\u00e4tte nach Kriegsende anerkannt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>20. Mai 1945 | <\/strong>Die zuvor nach dem Wehrmachtsgeneral Alfred Krau\u00df benannte Wiener Wohnbausiedlung wird laut Ank\u00fcndigung des Hauptvertrauensmanns der Anlage in\u00a0<a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Einladung-Karl-Lauterbach-Siedlung-Wien-Florisdorf.pdf\">\u00bbKarl Lauterbach Siedlung\u00ab<\/a> umbenannt. Der Gefreite und Kommunist Karl Lauterbach war im Februar 1945 vom Wiener Gericht der Division Nr. 177 wegen Wehrkraftzersetzung hingerichtet worden. Wie die Ehrung kurz nach Kriegsende zustande kam, ist nicht bekannt. In den folgenden Jahren unterblieb von \u00f6ffentlicher Seite die Ehrung von einfachen Soldaten, die sich durch Ungehorsam, Fahnenflucht oder andere Delikte dem Dienst in der Wehrmacht entzogen hatten. Deserteure galten vielmehr als \u00bbVerr\u00e4ter\u00ab und \u00bbFeiglinge\u00ab. Wenig \u00fcberraschend geriet auch der Name Karl Lauterbach in der Wiener Siedlung in Vergessenheit.<\/p>\n<p><strong>3. Juli 1945 | <\/strong>Der Nationalrat erl\u00e4sst das <a href=\"http:\/\/ns-quellen.at\/gesetz_anzeigen_detail.php?gesetz_id=10081710&amp;action=B_Read\">\u00bbAufhebungs- und Einstellungsgesetz\u00ab<\/a>. Demnach gelten alle Verurteilungen gegen \u00f6sterreichische Staatsb\u00fcrgerInnen als nicht erfolgt, die nach den zeitgen\u00f6ssischen Bestimmungen zu Hoch- oder Landesverrat oder nach der kurz vor Kriegsbeginn 1939 in Kraft gesetzten <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/KSSVO.pdf\">Kriegssonderstrafrechtsverordnung <\/a>ergangen waren. Allerdings musste die Handlung \u00bbgegen die nationalsozialistische Herrschaft oder auf die Wiederherstellung eines unabh\u00e4ngigen Staates \u00d6sterreich gerichtet\u00ab gewesen sein. Dazu w\u00e4re faktisch eine Einzelfallpr\u00fcfung notwendig gewesen. Umgesetzt wurden die Bestimmungen des Gesetzes jedoch kaum. Erst aus den sp\u00e4ten 1990er Jahren sind einige Urteilsaufhebungen bekannt.<\/p>\n<p><strong>14. November 1945 | <\/strong>In N\u00fcrnberg beginnt der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prozess_Oberkommando_der_Wehrmacht\">Oberkommando der Wehrmacht<\/a> wird, anders als die SS, aus formalen Gr\u00fcnden nicht als verbrecherische Organisation eingestuft. Auf Grundlage dieses Beschlusses etablieren einflussreiche Angeh\u00f6rige des ehemaligen Offizierskorps in \u00d6sterreich und Deutschland die Legende einer \u00bbsauberen\u00ab Wehrmacht, die im Krieg \u00bbehrenhaft\u00ab gek\u00e4mpft und sich nicht an Kriegsverbrechen beteiligt habe. Eine Kameradschaft ehemaliger Wehrmachtrichter wird sp\u00e4ter ihrerseits daf\u00fcr sorgen, dieses Narrativ auch f\u00fcr ihren eigenen Berufsstand zu reklamieren.<\/p>\n<p><strong>J\u00e4nner 1946 | <\/strong>Der \u00f6sterreichische Staatsanwalt Theodor Meyer-Maly erkl\u00e4rt 1945 in einem Prozess gegen die Denunzianten eines w\u00e4hrend des Krieges erschossenen Deserteurs: \u00bbDie alliierten Gro\u00dfm\u00e4chte haben in Moskau und Jalta die Befreiung \u00d6sterreichs deklariert und alle \u00d6sterreicher aufgefordert, an der Befreiung ihres Vaterlandes mitzuarbeiten. Ein Deserteur der deutschen Wehrmacht war daher kein Fahnen\ufb02\u00fcchtiger, sondern ein \u00d6sterreicher, der sich weigerte, gegen sein Vaterland f\u00fcr fremde Interessen zu k\u00e4mpfen.\u00ab<\/p>\n<p>Diese bemerkenswerte Beurteilung im Rahmen eines Strafprozesses sollte sich in den kommenden Jahrzehnten nicht durchsetzen. Zu stark war die Stimmung in \u00d6sterreich, nach der die Kapitulation des Dritten Reiches als Niederlage und eben nicht als Befreiung von deutscher Fremdherrschaft empfunden wurde &#8211; hieran zeigte sich am deutlichsten, dass die Opferthese keinerlei historische Substanz aufwies. Entsprechend galten seit Ende 1940er Jahre die gehorsamen \u00f6sterreichischen Soldaten in den Reihen der Wehrmacht als \u00bbHelden der Heimat\u00ab, die Deserteure als \u00bbFeiglinge\u00ab und \u00bbVerr\u00e4ter\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Februar 1946 | <\/strong>Und dennoch sind in den ersten Nachkriegsjahren die Geschichtsbilder noch nicht verfestigt, die Bewertung der j\u00fcngsten historischen Ereignisse noch nicht fix: In Wien konstituiert sich ein <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/19460206_Kurier.pdf\">Komitee ehemaliger politischer Wehrmachtsh\u00e4ftlinge<\/a>. \u00dcber die Gr\u00fcndung selbst wie auch \u00fcber dessen Arbeit ist nichts bekannt. Allem Anschein nach l\u00f6ste sich das Komitee rasch wieder auf. Aktivit\u00e4ten des Komitees oder ein politischer Einfluss lassen sich mangels weiterer Quellen nicht nachweisen. Gleichzeitig f\u00e4llten die in Wien und anderswo tagenden Volksgerichte zum Teil harte Urteile gegen NS-Verbrecher. Viele \u00d6sterreicherInnen bem\u00fchten sich au\u00dferdem in der unmittelbaren Nachkriegszeit, ihre antifaschistische Gesinnung nachzuweisen. Doch gleichzeitig buhlten die konstituierenden Parteien schon bald offen um die W\u00e4hlerInnenstimmen der vielen Kriegsheimkehrer und NS-ParteigenossInnen. Durch die doppelte Rolle der Wehrmachtssoldaten als Opfer <i>und<\/i> Helden bleibt f\u00fcr die von den Wehrmachtgerichten Verfolgten kein Platz in der Erinnerung.<\/p>\n<div id=\"attachment_3675\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_7190-150x150.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3675\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3675\" title=\"Gedenkstein in Hartberg. Quelle: generationendialog-steiermark.at\" alt=\"Gedenkstein in Hartberg. Quelle: generationendialog-steiermark.at\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_7190-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3675\" class=\"wp-caption-text\">Gedenkstein in Hartberg. Quelle: generationendialog-steiermark.at<\/p><\/div>\n<p><strong>20. August 1946 | <\/strong>Im steirischen Hartberg wird ein <a href=\"http:\/\/www.generationendialog-steiermark.at\/orte\/gedenkstein-opfer-von-1945\/\">Denkmal f\u00fcr die Gefallenen einer Widerstandsgruppe um Gustav Pfeiler<\/a> der \u00d6ffentlichkeit \u00fcbergeben, der neben Wehrmachtsdeserteuren auch M\u00e4nner des Volkssturms angeh\u00f6rten. Rund 40 Personen hatten bei Kriegsende gegen zunehmend st\u00e4rker werdende SS-Verb\u00e4nde gek\u00e4mpft. 13 Personen wurden am 4. Mai 1945 in Hartberg von einem Standgericht zum Tode verurteilt und anschlie\u00dfend ermordet. Weitere Unterst\u00fctzerInnen der Widerstandsgruppe t\u00f6tete die SS um den 7. Mai herum, nachdem sie sich vor der anr\u00fcckenden Roten Armee zur\u00fcckzog.<\/p>\n<p><strong>4. Juli 1947 | <\/strong>Beschluss des <a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10008113\">Opferf\u00fcrsorgegesetzes<\/a> durch den Nationalrat: Demnach ist Verfolgung durch die NS-Milit\u00e4rgerichtsbarkeit allein nicht anerkennungsw\u00fcrdig. Diese Regelung bleibt bis zum Jahr 2005 in Geltung. Nur wer als Deserteur oder \u00bbWehrkraftzersetzer\u00ab gleichzeitig nachweisen kann, politischen Widerstand f\u00fcr die Befreiung \u00d6sterreichs geleistet zu haben, kann auf Anerkennung hoffen. Ausgeschlossen bleiben aber nicht nur die Kriegsdienstverweigerer, obwohl sie wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt wurden. Auch diejenigen die ihre politische Gesinnung vor Gericht verschwiegen hatten, um nicht h\u00e4rter bestraft zu werden, oder auch Angeh\u00f6rige (meist Frauen), die Fahnenfl\u00fcchtigen Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrten, sind au\u00dfen vor. W\u00e4hrend den so Verfolgten Ausfallzeiten in NS-Hafteinrichtungen in der Regel nicht auf die Pensionen angerechnet wurden, hatten die gehorsamen Wehrmachtssoldaten oder Angeh\u00f6rige der Waffen-SS solche Probleme nicht.<\/p>\n<p><strong>10. August 1948 | <\/strong>Der Antrag auf Opferf\u00fcrsorge f\u00fcr die Witwe des bekanntesten \u00f6sterreichischen Wehrdienstverweigerers des Zweiten Weltkrieges, <a href=\"http:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/dnmut\/183.pdf\">Franz J\u00e4gerst\u00e4tter<\/a>, wird von den Beh\u00f6rden abgelehnt. Zur Begr\u00fcndung hei\u00dft es: \u00bbEr [J\u00e4gerst\u00e4tter] galt als schwerm\u00fctig und \u00e4u\u00dferte vor seiner Einberufung zur Wehrmacht, da\u00df er nicht f\u00fcr Hitler k\u00e4mpfen werde. Diese \u00dcberzeugung entsprang nicht einem Abwehrwillen gegen den Nationalsozialismus f\u00fcr ein freies \u00d6sterreich, sondern aus Gr\u00fcnden seiner Religionsanschauung.\u00ab Erst seit 1950 erh\u00e4lt Franziska J\u00e4gerst\u00e4tter eine Versorgungsleistung nach Kriegsopferf\u00fcrsorgegesetz, das jedoch eigentlich f\u00fcr die Versorgung der gehorsamen Soldaten und ihrer Angeh\u00f6rigen vorgesehen ist.<\/p>\n<p><strong>1952 | <\/strong>In Deutschland erscheint als wohl heute wichtigste deutschsprachige Publikation zum Thema die literarische Verarbeitung Alfred Anderschs seiner eigenen Desertion im Sommer 1944 in Italien: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/literatur\/2015-03\/alfred-andersch-desertiert\">\u00bbDie Kirschen der Freiheit\u00ab<\/a>. Heinrich B\u00f6ll, der das Buch zweimal rezensierte, sprach vom \u00bbTrompetensto\u00df in schw\u00fcler Stille\u00ab, wobei die Stille das Tabu bezeichnete, das f\u00fcr das Thema in der fr\u00fchen Bundesrepublik \u2013nicht anders als in \u00d6sterreich \u2013 galt. B\u00f6ll, der den Krieg als Wehrmachtssoldat erlebte, ver\u00f6ffentlichte sp\u00e4ter selbst Texte und B\u00fccher, die sich kritisch mit der Frage milit\u00e4rischen Ungehorsams und seiner gesellschaftlichen Bewertung besch\u00e4ftigten (z. B. \u00bbDer Zug war p\u00fcnktlich\u00ab, \u00bbEntfernung von der Truppe\u00ab).<\/p>\n<p><strong>30. November 1952 | <\/strong>In der <i>Sonntagspost<\/i> erscheint ein Artikel, der die politische Position der sp\u00e4teren Freiheitlichen Partei (FP\u00d6) als Sammelbecken vieler ehemaliger NationalsozialistInnen und Deutschnationalen f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre und Jahrzehnte auf den Punkt bringt: Der Autor konstatiert eine \u00bbungesunde Auffassung\u00ab, \u00bbwenn soldatische Pflichterf\u00fcllung [der \u00f6sterreichischen Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg] als Verbrechen, Desertion und Mord an den eigenen Kameraden jedoch als Heldentat gefeiert werde\u00ab. Diese \u00bbungesunde Auffassung\u00ab wurde zu dieser Zeit \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 allerdings nur von einer marginalisierten Minderheit ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p><strong>1953 | <\/strong>Auch in \u00d6sterreich geh\u00f6ren die SchriftstellerInnen zu den ersten, die das Thema Desertion und Verweigerung gegen\u00fcber dem Nationalsozialismus aufgreifen. Ingeborg Bachmann ver\u00f6ffentlicht in diesem Jahr ihr Gedicht \u00bbAlle Tage\u00ab, in dem sie den Deserteuren ein literarisches Denkmal setzt (erschienen in: Ingeborg Bachmann, Die gestundete Zeit, M\u00fcnchen 1953). Die Zeile \u00bbVerliehen f\u00fcr die Flucht von den Fahnen\u00ab diente als Inspiration f\u00fcr das <a href=\"http:\/\/www.wallstein-verlag.de\/9783835318236-verliehen-fuer-die-flucht-vor-den-fahnen.html\">Begleitbuch zum Wiener Denkmal f\u00fcr die Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz<\/a>.<\/p>\n<p><strong>4. April 1954 | <\/strong>Im Grazer Sadtteil Ries wird ein schlichtes Holzkreuz errichtet: zu Ehren von sieben jungen Soldaten, die am 4. April 1945 als Deserteure hingerichtet wurden. Sp\u00e4ter wird es durch einen aufw\u00e4ndiger gestalteten Gedenkstein ersetzt. Solche Erinnerungszeichen werden in den 1950er und 1960er Jahren auch an anderen Orten errichtet (z. B. Marktgemeinde Weyer\/Ober\u00f6sterreich, Hieflau\/Steiermark, Goldegg\/Salzburg, Schlaiten\/Tirol). Darauf wird der hingerichteten Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz gedacht, allerdings ohne Delikt oder Tatumst\u00e4nde explizit zu nennen. Die Initiative geht h\u00e4ufig von den Familien der Ermordeten aus, sp\u00e4ter auch von AktivistInnen lokaler Gedenkinitiativen (<a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/gedenkinitiativen\/\">ausf\u00fchrlich zu Erinnerungszeichen in \u00d6sterrich<\/a>)<\/p>\n<p><strong>1959 | <\/strong>In Lobnig\/Lobnik, unweit von Eisenkappel\/\u017delezna Kapla l\u00e4sst der K\u00e4rntner Partisanenverband eine Gedenktafel am Haus der Familie Pasterk anbringen. Franc Pasterk wurde 1940 zur Wehrmacht eingezogen, desertierte und schloss sich w\u00e4hrend eines Heimaturlaubes den Partisanentruppen an. Drei Jahre sp\u00e4ter wurde er als Kommandant des I. K\u00e4rntner Bataillons bei einem Gefecht mit Wehrmachtseinheiten im April 1943 get\u00f6tet. Sein \u00e4lterer Halbbruder Jurij Pasterk bewirtschaftete indes den elterlichen Hof. Er wurde gemeinsam mit anderen Angeh\u00f6rigen der Familie wegen Unterst\u00fctzung der Partisanenbewegung verhaftet. Im April 1943 wurde er zum Tode verurteilt und im Wiener Landesgericht gemeinsam mit zw\u00f6lf anderen K\u00e4rntner SlowenInnen (elf M\u00e4nner und eine Frau) enthauptet. Im Zuge allj\u00e4hrlicher Gedenkwanderungen zum Hof der Familie Pasterk wird nicht nur der beiden Br\u00fcder, sondern aller Opfer von Widerstand und Verfolgung w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges gedacht.<\/p>\n<p><strong>1967 | <\/strong>Gerhard Fritsch ver\u00f6ffentlicht unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/fasching-gerhard_fritsch_38978.html\">\u00bbFasching\u00ab<\/a> den wohl anspruchsvollsten \u00f6sterreichischen Prosatext \u00fcber einen Deserteur und dessen Erfahrungen auf der Flucht. Der Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Essayist Robert Menasse z\u00e4hlt dieses beeindruckende Portrait der \u00f6sterreichischen Kriegs- und Nachkriegsgesellschaft im Jahr 1995 zu den wichtigsten Romanen der \u00f6sterreichischen Nachkriegsliteratur.<\/p>\n<p><strong>1971 | <\/strong>Axel Corti dreht den Spielfilm <a href=\"http:\/\/tv.orf.at\/m\/orf3\/\/stories\/2582645\/\">\u00bbDer Fall J\u00e4gerst\u00e4tter\u00ab<\/a> mit Kurt Weinzierl in der Hauptrolle. Der Film ist eine fr\u00fche Verarbeitung der Geschichte des heute bekanntesten Kriegsdienstverweigerers des Zweiten Weltkrieges: Franz J\u00e4gerst\u00e4tter wurde am 9. August 1943 im Zuchthaus Brandenburg-G\u00f6rden hingerichtet. Am 26. Oktober 2007 erfolgte seitens der r\u00f6misch-katholischen Kirche seine <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/panorama\/oesterreich\/339412\/Seligsprechung_Spaete-Ehrung-fuer-Franz-Jaegerstaetter\">Seligsprechung<\/a>. Im gleichen Jahr weihte die ober\u00f6sterreichische Gemeinde St. Radegund ein Denkmal f\u00fcr den bekanntesten Sohn des Ortes ein.<\/p>\n<p><strong>1977 | <\/strong>Der ehemalige Heeresrichter und ma\u00dfgebliche Kommentator des Milit\u00e4rstrafgesetzbuches Erich Schwinge bringt eine Abhandlung \u00fcber die Praxis der Wehrmachtgerichtsbarkeit in Deutschland heraus (Otto Peter Schweling: Die deutsche Milit\u00e4rjustiz in der Zeit des Nationalsozialismus, hg. und eingeleitet von Erich Schwinge, Marburg 1977). Das urspr\u00fcngliche Manuskript hatte der zuvor ebenfalls als Wehrmachtsrichter t\u00e4tige Schweling fertig gestellt. Es war zur Ver\u00f6ffentlichung f\u00fcr eine Schriftenreihe des M\u00fcnchner Instituts f\u00fcr Zeitgeschichte vorgesehen, wegen seines allzu apologetischen Charakters dort jedoch abgelehnt worden (Zur Aff\u00e4re um Schwinge vgl. den <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13510360.html\">Artikel<\/a> im Nachrichtenmagazin <em>Der Spiegel<\/em>). Schwinge, w\u00e4hrend des Krieges Strafrechtsprofessor an der Universit\u00e4t Wien und im Nebenamt auch am Gericht der Wiener Division 177 t\u00e4tig, \u00fcberarbeitete den Text und ver\u00f6ffentlichte ihn wenig sp\u00e4ter in Eigenregie.<\/p>\n<p><strong>7. September 1978 | <\/strong>Ernst Volkmann, am 7. Juli 1941 in Brandenburg-G\u00f6rden hingerichteter Kriegsdienstverweigerer, wird posthum das Ehrenzeichen f\u00fcr Verdienste um die Befreiung \u00d6sterreichs verliehen. Zu diesem Zeitpunkt ist sein Name noch unter den soldatischen Gefallenen am Bregenzer Kriegerdenkmal gef\u00fchrt. 1958 wurde erstmals eine Hinweistafel auf das Schicksal Volkmanns an der gegen\u00fcberliegenden Kirchenwand angebracht. Sie ist heute nicht mehr vorhanden. 2007 wurde zu Ehren Volkmanns eine <a href=\"http:\/\/www.erinnern.at\/bundeslaender\/vorarlberg\/termine\/ernst-volkmann\">Gedenkstele nahe dem Kriegerdenkmal<\/a> angebracht. Nach der Verleihung des Ehrenzeichens an Volkmann im September 1978 sollte es noch mehr als 30 Jahre dauern, bis Kriegsdienstverweiger, Deserteure und \u00bbKriegsverr\u00e4ter\u00ab gesetzlich rehabilitiert wurden.<\/p>\n<p><strong>1979 | <\/strong>Der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth ver\u00f6ffentlicht sein Theaterst\u00fcck <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-39867645.html\">\u00bbJuristen\u00ab<\/a>, in der es um die verbrecherische Spruchpraxis der Wehrmachtjustiz geht. Seine Recherchen bringen die T\u00e4tigkeiten des damaligen <a href=\"http:\/\/akj.rewi.hu-berlin.de\/zeitung\/07-15\/pdf\/fs15-12-filbinger.pdf\">Ministerpr\u00e4sidenten von Baden-W\u00fcrttemberg, Hans Filbinger<\/a>, ans Licht, der w\u00e4hrend des Krieges als Marinerichter im besetzten Norwegen an einigen Todesurteilen mitgewirkt hatte. Hochhuths Text und die daraufhin erfolgten wissenschaftlichen Recherchen zwangen Filbinger schlie\u00dflich zum R\u00fccktritt und brachten damit erstmals die Verbrechen der NS-Milit\u00e4rjustiz \u00f6ffentlich zur Sprache. Der wohl bekannteste Ausspruch Filbingers, mit dem er auf seine T\u00e4tigkeit als Marinerichter abhebt, lautet sinngem\u00e4\u00df: Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein.\u00ab Es inspiriert den Titel f\u00fcr die knapp 30 Jahre sp\u00e4ter erstmals in Berlin und sp\u00e4ter in Wien, Klagenfurt, Dornbirn und Goldegg\/Salzburg gezeigte <a href=\"http:\/\/www.stiftung-denkmal.de\/ausstellungen\/was-damals-recht-war.html\">Wanderausstellung<\/a> \u00fcber die Verfolgung durch die NS-Milit\u00e4rgerichte.<\/p>\n<p><strong>10. Dezember 1980 | <\/strong>Die Liga f\u00fcr Menschenrechte initiiert in Kooperation mit einem Ausbildungslehrgang des Bundesheeres die Anbringung einer Gedenktafel zur Erinnerung an Exekutionen auf dem Gel\u00e4nde des <a href=\"https:\/\/cba.fro.at\/251411\">Grazer Wehrmachtsschie\u00dfplatzes Feliferhof<\/a>. Die genaue Zahl der Todesopfer ist bis heute unbekannt. Vermutlich handelt es sich auch um Hingerichtete der NS-Milit\u00e4rjustiz, darunter zahlreiche Deserteure. Auf dem Tafeltext bleibt dies jedoch unerw\u00e4hnt. Im <a href=\"https:\/\/cms.falter.at\/falter\/rezensionen\/buecher\/?issue_id=559&amp;item_id=9783902542144\">Keller Landesgerichts Graz<\/a> waren von Ende August 1943 bis Mitte M\u00e4rz 1945 insgesamt 155 Personen exekutiert worden, darunter auch 23 Soldaten, die von verschiedenen Gerichten der Wehrmacht wegen Desertion und Wehrdienstverweigerung zum Tode verurteilt worden waren.<\/p>\n<p><strong>9. August 1983 | <\/strong>Die Theologin und J\u00e4gerst\u00e4tter-Biografin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erna_Putz\">Erna Putz<\/a> organisiert anl\u00e4sslich des 40. Todestages von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_J%C3%A4gerst%C3%A4tter\">Franz J\u00e4gerst\u00e4tter<\/a> in Ostermiething und St. Radegund ein J\u00e4gerst\u00e4tter-Seminar und -Gedenken.<\/p>\n<p><strong>5. November 1984 | <\/strong>Die Stadt Wien und das Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung er\u00f6ffnen im Kagraner Donaupark (22. Wiener Gemeindebezirk) einen <a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/wiki\/index.php\/Denkmal_zu_Ehren_der_Opfer_der_NS-Justiz\">Gedenkstein<\/a> f\u00fcr dort erschossene \u00bbzahlreiche \u00f6sterreichischen Freiheitsk\u00e4mpfer aus den Reihen der Wehrmacht\u00ab. Zwischen 1940 und 1945 starben hier mindestens 129 Menschen, darunter auch ungehorsame Angeh\u00f6rige der Wiener Feuerwehr. Seit 2002 veranstaltet das Personenkomitee \u00bbGerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u00ab um den 26. Oktober herum <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/tag\/2003\/\">Gedenkfeiern<\/a> f\u00fcr die hier hingerichteten Opfer der Wehrmachtgerichte.<\/p>\n<p><strong>1985 |\u00a0<\/strong>Die Vorarlberger Johann August-Malin-Gesellschaft gibt den Band <a href=\"http:\/\/www.malingesellschaft.at\/publikationen\/andere-verlage\/beitraege-zu-geschichte-und-gesellschaft-vorarlbergs\/johann-august-malin-gesellschaft-hg.-von-herren-und-menschen.-verfolgung-und-widerstand-in-vorarlberg-1933-1945\">\u00bbVon Herren und Menschen. Verfolgung und Widerstand in Vorarlberg 1939-1945\u00ab<\/a> heraus. Meinrad Pichler widmet sich in einem Beitrag auch den bis dahin forschungsm\u00e4\u00dfig kaum pr\u00e4senten Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern. Desertion, \u00bbWehrkraftzersetzung\u00ab oder \u00bbKriegsverrat\u00ab im Zusammenhang von politischem Widerstand wird erstmals in der seit 1982 herausgegebenen <a href=\"http:\/\/www.doew.at\/erforschen\/publikationen\/gesamtverzeichnis\/widerstand-und-verfolgung-widerstandsforschung\">Schriftenreihe<\/a> des Dokumentationsarchivs des \u00f6sterreichischen Widerstandes thematisiert \u2013 auch wenn man dort den ungehorsamen Soldaten im Allgemeinen noch mit Zur\u00fcckhaltung begegnet.<\/p>\n<p><strong>1986 | <\/strong>Die sogenannte Waldheim-Debatte um den \u00d6VP-Pr\u00e4sidentschaftskandidaten und sp\u00e4teren Bundespr\u00e4sidenten sorgte Mitte der 1980er Jahre f\u00fcr einen Schub hinsichtlich der gesellschaftlichen Verst\u00e4ndigung dar\u00fcber, welche Rolle \u00d6sterreich als Teil des \u00bbGro\u00dfdeutschen Reiches\u00ab gespielt hatte. Kurt Waldheim war w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges Mitglied diverser NS-Organisationen und hatte auf dem Balkan beim Stab der 12. Armee gedient, in deren Befehlsbereich zahlreiche Kriegsverbrechen begangen wurden. Mit der Diktion, er habe als Soldat im Krieg lediglich \u00bbseine Pflicht erf\u00fcllt\u00ab, trat er ungewollt eine landesweite Diskussion \u00fcber Fragen von Schuld und Verantwortung \u00f6sterreichischer Wehrmachtssoldaten los.<\/p>\n<p>Die internationale Untersuchungskomission zur Ermittlung von Waldheims Rolle auf dem Balkan wurde geleitet von <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1988\/09\/was-haette-ich-getan\">Manfred Messerschmidt<\/a>, leitender Historiker des <a href=\"http:\/\/www.mgfa-potsdam.de\/html\/zms_historie_mgfa.php\">Milit\u00e4rgeschichtlichen Forschungsamtes<\/a> (damals Freiburg\/Potsdam). Messerschmdit ver\u00f6ffentlicht ein Jahr sp\u00e4ter seine grundlegende Studie \u00fcber die verbrecherische Dynamik wehrmachtgerichtlicher Verfolgung im Zweiten Weltkrieg (siehe Eintrag unten).<\/p>\n<div id=\"attachment_3561\" style=\"width: 221px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2097Tafel-Opfer-und-Deserteure-vergangener-und-k\u00fcnftiger-Kriege_L\u00f6hr-Tafel.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3561\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3561    \" title=\"AktivistInnen kommentieren die L\u00f6hr-Tafel in der Siftskirche, Wien. Quelle: Archiv der sozialen Bewegungen Wien; Peter Styrer: &quot;Kultst\u00e4tte des Krieges\u00ab. In: Gewaltfreier Widerstand 2\/86 (M\u00e4rz\/April\/1. Mai), S.12-13\" alt=\"AktivistInnen kommentieren die L\u00f6hr-Tafel in der Siftskirche, Wien. Quelle: Archiv der sozialen Bewegungen Wien; Peter Styrer: &quot;Kultst\u00e4tte des Krieges\u00ab. In: Gewaltfreier Widerstand 2\/86 (M\u00e4rz\/April\/1. Mai), S.12-13\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2097Tafel-Opfer-und-Deserteure-vergangener-und-k\u00fcnftiger-Kriege_L\u00f6hr-Tafel.png\" width=\"211\" height=\"323\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3561\" class=\"wp-caption-text\">AktivistInnen kommentieren die L\u00f6hr-Tafel in der Siftskirche, Wien. Quelle: Archiv der sozialen Bewegungen Wien; Peter Styrer: \u00bbKultst\u00e4tte des Krieges\u00ab. In: Gewaltfreier Widerstand 2\/86 (M\u00e4rz\/April\/1. Mai), S.12-13<\/p><\/div>\n<p><strong>3. M\u00e4rz 1986 | <\/strong>Unbekannte AktivistInnen bringen in der Siftskirche in der Mariahilfer Str. 2, im 7. Wiener Gemeindebezirk, eine Gedenktafel f\u00fcr \u00bbOpfer und Deserteure vergangener und kommender Kriege\u00ab an. Das Erinnerungszeichen, das kurz nach der Aktion wieder entfernt wurde, ist bei der 1985 angebrachten Gedenktafel f\u00fcr den Generaloberst der Wehrmacht Alexander L\u00f6hr befestigt, der w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges als Befehlshaber vor allem auf dem Balkan f\u00fcr zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich war. Als Kriegsverbrecher wurde er 1945 in Belgrad zum Tode verurteilt und hingerichtet.<\/p>\n<p><strong>1987 | <\/strong>Der deutsche Milit\u00e4rhistoriker und wissenschaftliche Leiter des Milit\u00e4rgeschichtlichen Forschungsamtes der Bundeswehr <a href=\"http:\/\/www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de\/uploads\/Dateien\/Presseberichte\/FAZ20160930MMLegendenzertruemmern.pdf\">Manfred Messerschmidt<\/a> ver\u00f6ffentlicht gemeinsam mit dem Privatgelehrten <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1991\/40\/berechtigte-schmaeh\">Fritz W\u00fcllner<\/a> die erste kritische Gesamtstudie zur Geschichte der Milit\u00e4rgerichtsbarkeit (Die Wehrmachtsjustiz im Dienste des Nationalsozialismus. Zerst\u00f6rung einer Legende, Baden Baden 1987). Bis dahin lag die Darstellung der Geschichte der NS-Milit\u00e4rjustiz in den H\u00e4nden ehemaliger NS-Milit\u00e4rjuristen \u2013 mit deutlich apologetischen Tendenzen, wie auch das M\u00fcnchner Institut f\u00fcr Zeitgeschichte Mitte der 1970er Jahre in einem Gutachten befand.<\/p>\n<p><strong>1988 | <\/strong>In Vorarlberg setzt sich die Johann-August-Malin-Gesellschaft f\u00fcr ein NS-Opferdenkmal in Dornbirn ein. F\u00fcnf Jahre dauern die z\u00e4h gef\u00fchrten Verhandlungen an, bevor 1993 der Stein eingeweiht wird. Hauptstreitpunkte sind die Erw\u00e4hnung der Namen von Deserteuren und Homosexuellen. Der Deserteur Rudolf Bodemann wird schlie\u00dflich namentlich angef\u00fchrt, allerdings ohne Erl\u00e4uterung, dass er wegen Fahnenflucht hingerichtet worden war. (<a href=\"http:\/\/www.malingesellschaft.at\/pdf\/bundschuh-noch-fehlen-deserteurdenkmaeler\">Ausf\u00fchrlich zur Problematik der Denkmalsetzungen f\u00fcr ungehorsame Soldaten<\/a>)<\/p>\n<p><strong>1989 | <\/strong>Die Historiker Hanns Haas und Gerd Kerschbaumer fordern im Verbund mit den Gr\u00fcnen in Salzburg die \u00c4nderung von Inschriften auf Salzburger Kriegerdenkm\u00e4lern im Sinne einer friedenspolitischen Botschaft. Dies ist allerdings nicht durchsetzbar.<\/p>\n<p><strong>15. Juli 1989 | <\/strong>Wehrdienst- bzw. Totalverweigerer errichten auf dem Wiener Heldenplatz das erste dokumentierte tempor\u00e4re \u00bbDeserteursdenkmal\u00ab: \u00bbzu Ehren der unbekannten Dr\u00fcckebergerInnen\u00ab. Die Aktion steht in der Tradition universeller Gegendenkm\u00e4ler, wie sie in Deutschland schon seit einigen Jahren errichtet wurden. Nur einige Monate sp\u00e4ter bringen die Gr\u00fcnen im 2. Wiener Gemeindebezirk den Antrag ein, eine st\u00e4dtische Gr\u00fcnfl\u00e4che nach einem \u00bbunbekannten Deserteur\u00ab zu benennen. Der Antrag wird von allen Parteien in der Bezirksvertretung inklusive der KP\u00d6 zur\u00fcckgewiesen. In dieser Zeit entwicklen sich die Gr\u00fcnen f\u00fcr entsprechende zivilgesellschaftliche Initiativen in \u00d6sterreich und Deutschland zu den wichtigsten (partei-)politischen B\u00fcndnispartnern.<\/p>\n<div id=\"attachment_3582\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/ZAM1989_Platz_des_Ungehorsams.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3582\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3582    \" title=\"Titelblatt der Zeitschrift \u00bbZAM - Zeitschrift f\u00fcr Antimilitarismus\u00ab mit einem Bild des umbenannten Heldenplatzes. Quelle: ZAM, Ausgabe 7\/89. Archiv der sozialen Bewegungen Wien\" alt=\"Titelblatt der Zeitschrift \u00bbZAM - Zeitschrift f\u00fcr Antimilitarismus\u00ab mit einem Bild des umbenannten Heldenplatzes. Quelle: ZAM, Ausgabe 7\/89. Archiv der sozialen Bewegungen Wien\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/ZAM1989_Platz_des_Ungehorsams-220x300.jpg\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/ZAM1989_Platz_des_Ungehorsams-220x300.jpg 220w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/ZAM1989_Platz_des_Ungehorsams.jpg 441w\" sizes=\"(max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3582\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt der Zeitschrift \u00bbZAM &#8211; Zeitschrift f\u00fcr Antimilitarismus\u00ab mit einem Bild des umbenannten Heldenplatzes. Quelle: ZAM, Ausgabe 7\/89. Archiv der sozialen Bewegungen Wien<\/p><\/div>\n<p><strong>19. Oktober 1989 | <\/strong>Im Zuge eines gro\u00df angelegten Zivildiener-Aktionstages dr\u00fccken diese ihren Protest durch Streikaktionen auf dem Heldenplatz aus. Sie fordern \u2013 wiederum mit Unterst\u00fctzung der Gr\u00fcnen \u2013 die Umbenennung des Heldenplatzes in \u00bbPlatz des Ungehorsams\u00ab und k\u00fcndigen zuvor eine Pressekonferenz im Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstandes an, die jedoch kurzfristig abgesagt wird.<\/p>\n<p>Nur wenige Wochen sp\u00e4ter kommt es zu Protesten gegen eine Gedenktafel im Vorraum der Wiener Hofburg. Darauf sind u. a. die Namen \u00f6sterreichischer Generalstabsangeh\u00f6riger der Wehrmacht und einiger SS-Offiziere genannt. \u00a0AktivistInnen, die sich selbst als \u00bbAntimilitaristen und Zivildiener\u00ab bezeichnen, weisen auf Flugbl\u00e4ttern auf die personelle Kontinuit\u00e4ten in der Spitze der \u00f6sterreichischen Gesellschaft hin \u2013 namentlich auf den ehemaligen Justizminister Otto Tschadek (SP\u00d6), der im Zweiten Weltkrieg als Marinerichter Todesurteile gegen Deserteure zu verantworten hatte. Erst im Jahr 2013 ver\u00f6ffentlicht der Politikwissenschaftler Thomas Geldmacher nach Archivrecherchen einen <a href=\"https:\/\/kurier.at\/chronik\/niederoesterreich\/an-tschadeks-haenden-klebt-blut\/33.808.952\">Artikel<\/a>, der Tschadeks konkrete Tatbeteiligung an mindestens zwei Todesurteilen belegt.<\/p>\n<p>Vgl. auch den Aufsatz Geldmacher, Thomas: \u00bbDer gute Mensch von Kiel? Marinerichter Otto Tschadek (1904-1969). In: Geldmacher, Thomas u.a. (Hg.): \u00bbDa machen wir nicht mehr mit\u00ab. \u00d6sterreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, Wien 2010, S. 215-227.<\/p>\n<p><strong>1990 | <\/strong>Die sp\u00e4tere gr\u00fcne Landtagsabgeordnete und Stadtr\u00e4tin Friedrun Huemer zieht mit einem mobilen Deserteursdenkmal durch den ersten Wiener Stadtbezirk (<a href=\"http:\/\/www.malmoe.org\/artikel\/widersprechen\/1107\">Zur Deserteursdenkmalfrage eine Bestandsaufnahme aus dem Jahre 2005<\/a>).<\/p>\n<div id=\"attachment_4274\" style=\"width: 252px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/1990_DM_GrueneAlternativeZeitung_1990_Auschnitt.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4274\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4274\" alt=\"Antrag der Gr\u00fcnen Leopoldstadt als Thema in der Gr\u00fcnalternativen Zeitung. Quelle: Geisterbahn, 1990\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/1990_DM_GrueneAlternativeZeitung_1990_Auschnitt.jpg\" width=\"242\" height=\"363\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/1990_DM_GrueneAlternativeZeitung_1990_Auschnitt.jpg 242w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/1990_DM_GrueneAlternativeZeitung_1990_Auschnitt-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 242px) 100vw, 242px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4274\" class=\"wp-caption-text\">Antrag der Gr\u00fcnen Leopoldstadt als Thema in der Gr\u00fcnalternativen Zeitung. Quelle: Geisterbahn, 1990<\/p><\/div>\n<p><strong>2. Oktober 1990 | <\/strong>Die Bezirksverwaltung des zweiten Wiener Gemeindebezirks lehnt den Antrag der Gr\u00fcnen auf die Errichtung eines dauerhaften Deserteursdenkmals ab.<\/p>\n<p><strong>21. Oktober 1990 | <\/strong>In Bremen kommt es zur Gr\u00fcndung der <a href=\"http:\/\/www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de\/\">\u00bbBundesvereinigung Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u00ab<\/a><i>. <\/i>Ausgestattet mit einem wissenschaftlichen Beirat, dessen Vorsitz seit 2012 der Milit\u00e4rhistoriker und Friedensforscher Wolfram Wette aus\u00fcbt, setzt sich die Bundesvereinigung f\u00fcr die Rehabilitierung der ungehorsamen Soldaten ein. Die entsprechenden Bundesgesetze von <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/ns-aufhg\/BJNR250110998.html\">1998<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.lsvd.de\/bund\/recht\/ns11.html\">2002<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/ns-aufhg\/BJNR250110998.html\">2009<\/a> gehen zum erheblichen Teil auf deren Initiative zur\u00fcck. Ehrenvorsitzender ist der Jurist und Milit\u00e4rhistoriker Manfred Messerschmidt, der von 1990 bis 2012 als Vorsitzender des Beirats fungierte. Vorsitzender und wichtigster Repr\u00e4sentant der Bundesvereinigung ist der ehemalige Wehrmachtsdeserteur <a href=\"http:\/\/ludwigbaumann.de\/leben\/\">Ludwig Baumann<\/a>.<\/p>\n<p><strong>8. Juli 1991 | <\/strong>Bundeskanzler <a href=\"http:\/\/www.demokratiezentrum.org\/wissen\/wissenslexikon\/vranitzky-franz.html\">Franz Vranitzky<\/a> h\u00e4lt im Nationalrat eine vielbeachtete Rede, in dem er ein Eingest\u00e4ndnis von weitgehender Mitverantwortung \u00d6sterreichs am Holocaust und anderen w\u00e4hrend des Krieges begangenen Verbrechen einr\u00e4umt &#8211; ein wichtiger Schritt weg vom <a href=\"http:\/\/www.demokratiezentrum.org\/wissen\/timelines\/der-opfermythos-in-oesterreich-entstehung-und-entwicklung.html\">\u00bbOpfermythos\u00ab<\/a> der Zweiten Republik. Damit stellt er, ankn\u00fcpfend an die vorangegangenen gesellschaftlichen Diskussionen im Rahmen der sogenannten Waldheim-Aff\u00e4re, die Weichen f\u00fcr einen differenzierteren Umgang der Zweiten Republik mit \u00d6sterreichs Rolle w\u00e4hrend der NS-Zeit. Eine geschichtspolitischer Wandel, der auch f\u00fcr die Bewertung von Desertion und Wehrdienstverweigerung relevant werden sollte.<\/p>\n<p><strong>1993 | <\/strong>Walter Pichler, Leopold Steurer und Martha Verdorfer geben ihr <a href=\"http:\/\/www.stol.it\/Artikel\/Kultur-im-Ueberblick\/Bildung\/Suedtirols-Deserteure-waren-eine-kleine-Minderheit\">Buch<\/a> \u00bbVerfolgt, Verfemt, Vergessen. Lebensgeschichtliche Erinnerungen an den Widerstand gegen Nationalsozialismus und Krieg. S\u00fcdtirol 1943-1945\u00ab heraus. Die Publikation setzt, wie schon der Vorarlberger Band der <a href=\"http:\/\/www.malingesellschaft.at\/\">Johann-August-Malin-Gesellschaft<\/a>, neue Standards: Auch hier kommen ungehorsame Soldaten als Opfer des Nationalsozialismus ausf\u00fchrlich zu Wort. Im selben Jahr widmet die \u00f6sterreichische Post Franz J\u00e4gerst\u00e4tter eine <a href=\"http:\/\/austria-forum.org\/af\/Wissenssammlungen\/Briefmarken\/1993\/Franz_J%C3%A4gerst%C3%A4tter\">Briefmarke<\/a>, ein deutliches Indiz, dass das Thema breitere Kreise zu erreichen beginnt.<\/p>\n<p><strong>6. Juli 1993 | <\/strong>In Berlin initiiert die Gedenktafel-Initiative f\u00fcr Franz J\u00e4gerst\u00e4tter anl\u00e4sslich des bevorstehenden 50. Todestages ein erstes provisorisches Erinnerungszeichen f\u00fcr den Ober\u00f6sterreichischen Kriegsdienstverweigerer. In den n\u00e4chsten Jahren folgen weitere <a href=\"http:\/\/jaegerstaetter.blogsport.de\/prov-gedenktafel-4_1995\/\">Aktionen und Gedenkveranstaltungen<\/a> rund um den Ort von J\u00e4gerst\u00e4tters Verurteilung, dem ehemaligen Sitz des Reichskriegsgerichts in der Berliner-Charlottenburger Witzlebenstra\u00dfe. Der Gedenktafelstreit und ist ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion ungehorsamer Verhaltensweisen in der Wehrmacht in Deutschland und \u00d6sterreich.<\/p>\n<p><strong>1995 | <\/strong>Einrichtung des \u00bb<a href=\"https:\/\/www.nationalfonds.org\/startseite.html\">Nationalfonds der Republik \u00d6sterreich f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus<\/a>\u00ab. Hier k\u00f6nnen auch die bis dahin von der Opferf\u00fcrsorge ausgeschlossenen NS-Verfolgten Antr\u00e4ge einreichen, allerdings sind Deserteure und andere ungehorsame Soldaten im Stiftungsgesetz nicht explizit als Anspruchsberechtigte genannt. Dies \u00e4ndert sich vor allem nachdem\u00a0 und die Schwierigkeiten bei der Rehabilitierung verschwinden erst seit der Jahrtausendwende. Im selben Jahr erfolgt \u00d6sterreichs Beitritt zur Europ\u00e4ischen Union, was mittel- und langfristig zu einem \u00bbShift of Memory\u00ab, also einem ver\u00e4nderten Blick \u00d6sterreichs auf seine Rolle im Nationalsozialismus und damit einhergehend einer verst\u00e4rkten Orientierung am westeurop\u00e4ischen Stand der NS-Forschung und des Holocausgedenkens f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>23. April 1995 | <\/strong>Nach Er\u00f6ffnung der Ausstellung <a href=\"http:\/\/www.his-online.de\/veranstaltungen\/1104\/\">\u00bbVernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944\u00ab<\/a> des Hamburger Instituts f\u00fcr Sozialforschung im M\u00e4rz des Jahres schreibt Hans Dichand, Herausgeber der <i>Neuen Kronen Zeitung<\/i> gegen die Forschungsergebnisse der Hamburger Ausstellungsmacher an. Es handle sich bei der Schau um eine \u00bbsatanische, kollektive Verleumdung\u00ab der Wehrmachtssoldaten: Diese seien doch keine M\u00f6rder gewesen. In der auflagenst\u00e4rksten Tageszeitung \u00d6sterreich startet nun eine Artikelserie, die den Einsatz der \u00f6sterreichischen Wehrmachtsoldaten entlang der Opferthese als passive Opfer eines \u00bbunentrinnbaren Schicksals\u00ab beschreibt. Damit sollte f\u00fcr die ungehorsamen Soldaten im Ged\u00e4chtnis des Landes auch weiterhin wenig Platz bleiben.<\/p>\n<p><strong>19. Oktober bis 22. November 1995 | <\/strong>Die Wanderausstellung \u00bbVernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944\u00ab macht in der Wiener Alpenmilchzentrale Station. Die vehement gef\u00fchrten Diskussionen dar\u00fcber bringen die seit der Waldheim-Debatte virulenten Fragen von Schuld und Verantwortung \u00f6sterreichischer Wehrmachtssoldaten einem breiten Publikum nahe. Zahlreiche Veranstaltungen begleiten die Ausstellung. Sie ist auch in Deutschland eine wichtige Etappe f\u00fcr die Etablierung der umgekehrten Fragestellung: Wie ist das Verhalten derer zu bewerten, die sich dem in der Ausstellung gezeigten verbrecherischen Krieg durch Ungehorsam entzogen?<\/p>\n<p>Im Rahmen dieser ersten \u00bbWehrmachtsausstellung\u00ab organisieren antimilitaristische Gruppen in Wien eine Diskussionsveranstaltung mit Ludwig Baumann, einem ehemaligen Deserteur, der als Vorsitzender der im Jahr 1990 gegr\u00fcndeten \u00bbBundesvereinigung Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u00ab inzwischen zum prominentesten Vertreter der Anliegen ehemaliger Wehrmachtdeserteure geworden ist.<\/p>\n<p><strong>7. November 1995 | <\/strong>Leserbrief in der <i>Neuen Kronen Zeitung<\/i>, der auf einen ORF-Bericht eingeht. Der Schreiber des Leserbriefes beschwert sich dar\u00fcber, dass die Hinrichtung von Deserteuren bei Kriegsende im ober\u00f6sterreichischen Hieflau als Greueltat dargestellt worden sei. Dies praktizierten, so derAutor, jedoch alle Armeen der Welt auf diese Weise. Der Unwille oder die Unf\u00e4higkeit, zwischen dem Charakter des Zweiten Weltkrieges als verbrecherischem Angriffs- und Vernichtungskriegund anderen Kriegen zu differenzieren, ist hier nahezu idealtypisch formuliert. Dieselben Argumente verwenden GegnerInnen der Rehabilitierung von Deserteuren bis heute.<\/p>\n<p><strong>16. November 1995 | <\/strong>Das h\u00f6chste deutsche Zivil- und Strafgericht, der Bundesgerichtshof, stellt in einem <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/19951116_BGH-Urteil.pdf\">Grundsatzurteil <\/a>fest, dass die NS-Justiz Recht bewusst missbraucht und gebeugt habe und die Verh\u00e4ngung zehntausender Todesurteile \u00bbin einer Vielzahl von F\u00e4llen zur Verurteilung von Richtern und Staatsanw\u00e4lten des nationalsozialistischen Gewaltregimes\u00ab h\u00e4tte f\u00fchren m\u00fcssen. Diese Bewertung, die die Wehrmachtjustiz mit einschlie\u00dft, schafft eine wichtige Grundlage f\u00fcr den k\u00fcnftigen historischen Umgang mit den Verbrechen der NS-Milit\u00e4rgerichte.<\/p>\n<p><strong>1996 | <\/strong>Die Partei der Gr\u00fcnen stellt in Amstetten den Antrag auf Errichtung eines NS-Opferdenkmals, u. a. auch f\u00fcr Deserteure. Das Ansuchen findet keine Mehrheit im Stadtrat.<\/p>\n<p>Der deutsche Aktionsk\u00fcnstler Wolfram Kastner initiiert gemeinsam mit andereren AktivistInnen ein Deserteursdenkmal in Salzburg und verbindet dies in mehreren Aktionen (bis 1997) gegen Aufm\u00e4rsche der \u00bbSS-Kameradschaft IV\u00ab in Salzburg. Die Stadt wehrt sich gegen den Versuch, ein Totengedenken zu Ehren der 1944 von der SS ermordeten Salzburger Deserteure durchzusetzen. Spontane Aktionen unterbindet die Bundespolizei, es folgen Strafverf\u00fcgungen und Straferkenntnisse gegen die Teilnehmenden. Ein Jahr sp\u00e4ter meldet Kastner eine \u00bbunsichtbare Versammlung\u00ab und die \u00bbErrichtung eines unsichtbaren Denkmals f\u00fcr die ermordeten Deserteure\u00ab an. Beides wird aus formalen Gr\u00fcnden verboten.<\/p>\n<p><strong>6. November 1996 | <\/strong>Die <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/19961106_Erkl\u00e4rung-Synode-EKD.pdf\">8. Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands <\/a>erkl\u00e4rt hinsichtlich der \u00bbFrage der Desertion und Kriegsdienstverweigerung im Zweiten Weltkrieg\u00ab: \u00bb1. Der Zweite Weltkrieg war ein Angriffs- und Vernichtungskrieg, ein vom nationalsozialistischen Deutschland verschuldetes Verbrechen. [\u2026] 2. Wer sich weigert, sich an einem Verbrechen zu beteiligen, verdient Respekt. Schuldspr\u00fcche aufrecht zu erhalten, die wegen solcher Verweigerungen gef\u00e4llt wurden, ist, seit der verbrecherische Charakter der nationalsozialistischen Diktatur und ihrer Kriegf\u00fchrung feststeht, absurd. Sich der Beteiligung an einem Verbrechen zu entziehen, kann nicht strafw\u00fcrdig sein. [\u2026].\u00ab<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung sollte f\u00fcr den weiteren Verlauf der Debatten, aber auch der parlamentarischen Behandlung des Themas weitreichende Folgen haben. Der Deutsche Bundestag \u00fcbernimmt den Text sp\u00e4ter f\u00fcr eine <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/19970514_Beschlussempfehlung.pdf\">Entschlie\u00dfung <\/a> die die Grundlage der endg\u00fcltigen Rehabilitierung der Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz werden sollte.<\/p>\n<p><strong>1997 | <\/strong>Der \u00f6sterreichische Dichter H. C. Artmann spricht \u2013 nach Verleihung des B\u00fcchnerpreises an ihn \u2013 \u00f6ffentlich \u00fcber seine Verfolgung als Deserteur durch die Wehrmachtjustiz. Auf die Frage, warum er dar\u00fcber so lange geschwiegen habe, antwortet er: \u00bbSonst lesen mich die Nazis nimmer.\u00ab<\/p>\n<p><strong>15. Mai 1997 | <\/strong>Richard Wadani, ehemaliger Wehrmachtsdeserteur und sp\u00e4ter Obmann des Vereins \u00bbPersonenkomitee Gerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u00ab verfasst einen Leserbrief an die Zeitschrift <i>NEWS<\/i>, in der er sich \u00f6ffentlich als Wehrmachtsdeserteur bekennt. In den kommenden Jahren folgen eine Reihe von Interviews, Portr\u00e4ts und Artikel, die sich mit seiner Desertionsgeschichte als \u00dcberl\u00e4ufer an der Westfront im Jahr 1944, aber auch allgemein mit dem Thema auseinandersetzen.<\/p>\n<p><strong>17. Mai 1997 | <\/strong>In Mauthausen wird eine Tafel enth\u00fcllt, die an rund 15.000 hingerichtete Deserteure und Kriegsdienstverweigerer der Wehrmacht erinnert. Initiator der Gedenkveranstaltung ist das Europ\u00e4ische B\u00fcro f\u00fcr Kriegsdienstverweigerung (EBCO). Bereits am Tag zuvor hatte EBCO in Kooperation mit der Friedenswerkstatt Linz und unter Mitwirkung von Amnesty International, Pax Christi, der Evangelischen Kirche Deutschlands, des Ober\u00f6sterreichsichen KZ-Verbandes, des Ober\u00f6sterreichischen Studentenwerkes, Mitgliedern des Europ\u00e4ischen Parlamentes, des Deutschen Bundestages und anderen in Linz eine internationale Zusammenkunft von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren des Zweiten Weltkrieges und den Armeen des B\u00fcrgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien veranstaltet. Auf die Gedenktafel ist folgender Text eingraviert: <em>\u00bbDen pazifistischen Widerst\u00e4nden in der Wehrmacht gegen Verbrechen und Krieg. Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern, in Erinnerung an zehntausende Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz.\u00ab <\/em>Es ist das erste Erinnerungszeichen in \u00d6sterreich, auf dem explizit das Wort Deserteur(e) erw\u00e4hnt ist.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>25. August 1998 | <\/strong>In Deutschland hebt das <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Gesetz-1998.pdf\">Bundesgesetz <\/a>\u00bbzur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege\u00ab die von Wehrmachtgerichten gef\u00e4llten Schuldspr\u00fcche gegen sogenannte Wehrkraftzersetzer pauschal auf. F\u00fcr die wegen Desertion und \u00bbKriegsverrat\u00ab verurteilten Soldaten der Wehrmacht \u00e4ndert sich dadurch allerdings nichts, au\u00dfer wenn in individuellen Antr\u00e4gen eine politische Motivation nachgewiesen werden kann. Bis zur allgemeinen Anerkennung der Deserteure als Opfer des Nationalsozialismus sollte es in Deutschland noch vier, in \u00d6sterreich noch gut zehn Jahre dauern.<\/p>\n<p><strong>Oktober 1998 | <\/strong>Am staatswissenschaftlichen Institut der Universit\u00e4t Wien bietet der Politikwissenschaftler und Mitautor der Ausstellung \u00bbVernichtungskrieg \u2013 Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944\u00ab, Walter Manoschek, ein Seminar mit dem Titel \u00bbDie Wehrmacht als Politikum\u00ab an. Zwei Studierende, Maria Fritsche und Hannes Metzler, bringen in diesem Rahmen eine Arbeit \u00fcber die ungehorsamen Soldaten auf den Weg. Aus dieser Initiative entsteht 2003 das <a href=\"http:\/\/www.mandelbaum.de\/books\/792\/7229\">Standardwerk<\/a> zu den Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz, au\u00dferdem zwei Diplomarbeiten (<a href=\"http:\/\/www.mandelbaum.de\/books\/792\/7229\">Metzler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.boehlau-verlag.com\/978-3-205-77181-4.html\">Fritsche<\/a>), die sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlicht werden. Das Seminar ist Ausgangspunkt f\u00fcr den gesamten weiteren Rehabilitierungsprozess.<\/p>\n<div style=\"width: 351px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2016-12-16-2.png\"><img loading=\"lazy\" class=\" \" title=\"Aktion am 26. Oktober 1998 am Maria-Theresien-Platz, Aufstellung der Plastik: Deserteur der Jugoslawienkriege von Tanja Windb\u00fcchler Foto: Tanja Windb\u00fcchler\" alt=\"Aktion am 26. Oktober 1998 am Maria-Theresien-Platz, Aufstellung der Plastik: Deserteur der Jugoslawienkriege von Tanja Windb\u00fcchler Foto: Tanja Windb\u00fcchler\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2016-12-16-2.png\" width=\"341\" height=\"488\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Aktion am 26. Oktober 1998 am Maria-Theresien-Platz, Aufstellung der Plastik: Deserteur der Jugoslawienkriege von Tanja Windb\u00fcchler Foto: Tanja Windb\u00fcchler<\/p><\/div>\n<p><strong>26. Oktober 1998 | <\/strong>Die Arbeitsgemeinschaft Wehrdienstverweigerung, Deserteurs- und Fl\u00fcchtlingsberatung, B\u00fcrogemeinschaft Schottengasse und Gewaltfreiheit enth\u00fcllt am Nationalfeiertag auf dem Maria-Theresien-Platz eine Skulptur \u00bbDeserteur der Jugoslawienkriege\u00ab von Tanja Windb\u00fcchler. Es ist eine Aktion gegen die am Heldenplatz veranstaltete \u00bbLeistungsschau\u00ab des Bundesheeres und \u00bbf\u00fcr die Deserteure der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und f\u00fcr den Frieden\u00ab, so die VeranstalterInnen.<\/p>\n<p><strong>9. Dezember 1998 | <\/strong>Maria Fritsche und Hannes Metzler, die beiden Studierenden aus dem Manoschek-Seminar an der Wiener Universit\u00e4t, treffen sich f\u00fcr ein Interview mit Richard Wadani. Dieser hatte sich im selben Jahr an den Gr\u00fcnen Abgeordneten und ehemaligen Gr\u00fcnen Klubobmann im Parlament Andreas Wabl gewandt, um dar\u00fcber zu beraten, wie man politisch gegen die Aktivit\u00e4ten des \u00d6sterreichischen Kameradschaftsbundes vorgehen k\u00f6nnte. Im B\u00fcro Wabl wiederum fungierte Hannes Metzler als Referent. So entsteht eine Verbindung, die bis heute (Fr\u00fchjahr 2017) weiterbestehen sollte.<\/p>\n<p><strong>21. Februar 1999 | <\/strong>Die Gr\u00fcnen bringt eine parlamentarische <a href=\"https:\/\/offenesparlament.at\/gesetze\/XX\/J_05690\/\">Anfrage<\/a> in den Nationalrat ein, der am 22. April ein <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/1999-Entschlie\u00dfungsantrag.pdf\">Entschlie\u00dfungsantrag <\/a>folgt. Die Initiativen zielen darauf ab, \u00bballe Urteile der nationalsozialistischen Milit\u00e4rgerichtsbarkeit gegen \u00d6sterreicher [\u2026] von Amts wegen aufzuheben.\u00ab Es folgt ein sich bis 2009 hinziehendes parlamentarisches Tauziehen vor allem um die Frage, wie Desertion und andere Formen des Ungehorsams w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges politisch und juristisch zu bewerten seien.<\/p>\n<p><strong>30. M\u00e4rz 1999 | <\/strong>In einer <a href=\"https:\/\/offenesparlament.at\/gesetze\/XX\/J_05690\/\">Anfragebeantwortung<\/a> an den Abgeordneten Andreas Wabl stellt das Justizministerium fest, dass die \u00bb\u00f6sterreichischen Deserteure der gro\u00dfdeutschen Wehrmacht aus einer fremden Armee desertiert sind\u00ab, woraus im Nachhinein h\u00e4tte geschlossen werden m\u00fcssen, dass sie richtig gehandelt haben. Daraus ergeben sich in den Folgejahren wichtige Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr weitere Argumentationen in der Rehabilitierungsfrage.<\/p>\n<p><strong>April 1999 | <\/strong>Der Nationalrat schreibt auf Initiative der Gr\u00fcnen ein Forschungsprojekt aus, das sich erstmals wissenschaftlich dem bis dahin unbekannten Feld milit\u00e4rgerichtlicher Verfolgung von \u00d6sterreicherInnen im Zweiten Weltkrieg widmen soll. Wesentliche Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt das Vorhaben vom seinerzeitigen Wissenschaftsminister Caspar Einem (SP\u00d6). Den Zuschlag erh\u00e4lt eine ForscherInnengruppe, die aus dem Seminar von Walter Manoschek hervorgegangen ist \u2013 unter ihnen David Forster, Maria Fritsche, Thomas Geldmacher, Hannes Metzler und Thomas Walter.<\/p>\n<p><strong>Mai 1999 | <\/strong>Pressekonferenz der Gr\u00fcnen, auf der Andreas Wabl und erstmals auch der Wehrmachtsdeserteur Richard Wadani \u00f6ffentlich zum eingebrachten Gesetzesvorhaben Stellung beziehen. Aus Deutschland ist der Vorsitzende der \u00bbBundesvereinigung Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u00ab, Ludwig Baumann, angereist. F\u00fcr Richard Wadani bedeutet diese Pressekonferenz den Auftakt zur Teilnahme an unz\u00e4hligen Podiumsdiskussionen und Vortr\u00e4gen. Durch seine Auftritte auf Kundgebungen, Gedenkfeiern und Demonstrationen wird er einer erweiterten \u00d6ffentlichkeit bekannt.<\/p>\n<p><strong>9. Juli 1999 | <\/strong>Im <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/19990709_Kurier.pdf\"><em>Kurier<\/em> <\/a>Otto Keimel wird, Pr\u00e4sident des \u00d6sterreichischen Kameradschaftsbundes, zitiert. Anlass ist der von den Gr\u00fcnen im Nationalrat eingebrachte Entschlie\u00dfungsantrag zur pauschalen Aufhebung der Urteile gegen Wehrmachtsdeserteure. Keimel bringt die gegnerischen Positionen der parlamentarischen Initiative auf den Punkt: Er spricht von einer \u00bbDiffamierung\u00ab der Veteranengeneration und fordert eine Einzelfallpr\u00fcfung, da es sich bei Deserteuren um Straft\u00e4ter handle, deren Handlungen bis heute auch in demokratischen Staaten strafbar seien. In dem Artikel kommt auch der Sprecher der \u00d6sterreichischen Offiziersgesellschaft zu Wort. Er diffamiert Deserteure indirekt als Feiglinge und warnt vor einer \u00bbUmkehr der Werte\u00ab.<\/p>\n<p><strong>September 1999 | <\/strong>Der Verein Erinnern Villach erinnert auf dem von Heinz Aichernig entworfenen \u00bbDenkmal der Namen\u00ab im Stadtzentrum an eine Reihe von Wehrmachtsdeserteuren und Unterst\u00fctzerInnen, die nach Urteilen der NS-Justiz am 23. Dezember 1944 hingerichtet wurden, darunter die Angeh\u00f6rigen einer Partisanengruppe rund um die Deserteure Erich Ranacher, Josef Ribitsch und Heinrich Brunner sowie ihre Helferinnen, die Widerstandsk\u00e4mpferInnen Maria Peskoller, Rosa Eberhard und Margarethe Jessernig.<\/p>\n<p><strong>2002 | <\/strong>In Salzburg kommt es zur Aufstellung eines \u00bbAntifaschismus-Denkmales\u00ab, gestaltet von Heimo Zobernig. Wie beim Villacher Denkmal sind verschiedene Opfergruppen auf dem Denkmal repr\u00e4sentiert (j\u00fcdische Opfer, psychisch Kranke, Behinderte, Sinti und Roma, Homosexuelle, oppositionelle K\u00fcnstlerInnen, politisch Andersdenkende, Widerstandsk\u00e4mpferInnen, Kriegsgefangene und ZwangsarbeiterInnen), allerdings fehlen Verfolgte der NS-Milit\u00e4rjustiz.<\/p>\n<p><strong>6. April 2002 | <\/strong>Im Umfeld der parlamentarischen Initiativen der Gr\u00fcnen erscheinen in \u00f6sterreichischen Zeitungen eine Reihe von Portr\u00e4ts von Wehrmachtsdeserteuren und andere ungehorsamen Soldaten. Die <i>Ober\u00f6sterreichischen Nachrichten<\/i> veranschaulichen mit der Lebensgeschichte von <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20020406_Haunschmid.pdf\">Rudolf Haunschmid<\/a> den Umgang der \u00f6sterreichischen Nachkriegsgesellschaft mit dem Thema. Hannes Metzler pr\u00e4sentiert ein Jahr sp\u00e4ter in den Medien eine Reihe von <a href=\"http:\/\/www.pk-deserteure.at\/fileadmin\/user_upload\/pressespiegel\/2003-05-31_-_Spectrum_-_Hannes_Metzler_-_Vielleicht_kommt_eine_Zeit.pdf\">Deserteursfallgeschichten<\/a> als Ergebnis des vorangegangenen Forschungsprojekts.<\/p>\n<p><strong>9. April bis 26. Mai 2002 | <\/strong>Station der Wanderausstellung <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/871981\/Ueberarbeitete-Wehrmachtsausstellung-erstmals-in-Wien\">\u00bbVerbrechen der Wehrmacht \u2013 Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944\u00ab<\/a> im Wiener Semperdepot (Veranstalter: Akademie der bildendenden K\u00fcnste und B\u00fcro trafo.K). Mitglieder des Teams junger WissenschaftlerInnen um Walter Manoschek, das im Auftrag des Nationalrats die Geschichte wehrmachtgerichtlicher Verfolgung erforscht, stellt ein Begleitprogramm zusammen, in dem erstmals ZeitzeugInnen zu Wort kommen und zum Teil \u00e4u\u00dferst kontrovers gef\u00fchrten Podiumsdiskussioinen und Filmveranstaltung auf das Thema aufmerksam gemacht wird.<\/p>\n<p>Die zweite Wehrmachtsausstellung f\u00fchrt das Thema der ersten, 1998 eingestellten Version der \u00bbWehrmachtsausstellung\u00ab in erweiterter Form fort. An der Grundaussage, dass die Wehrmacht in der Sowjetunion und auf dem Balkan einen verbrecherischen Angriffskrieg gef\u00fchrt hat, \u00e4ndert sich nichts. In der neuen Version finden auch Deserteure Ber\u00fccksichtigung: Ein Kapitel der Historiker Marcus Gryglewski und Magnus Koch mit der \u00dcberschrift <a href=\"http:\/\/www.verbrechen-der-wehrmacht.de\/docs\/ausstellung\/handlung.htm#\">\u00bbHandlungsspielr\u00e4ume\u00ab<\/a> widmet sich auch Soldaten, die sich Befehlen verweigerten und durch Entziehungen Wege aus dem m\u00f6rderischen Konsens suchten.<\/p>\n<p>Die Projektgruppe um den Wiener Politikwissenschaftler Walter Manoschek organisierte anl\u00e4sslich der Wehrmachtsausstellung ein umfangreiches <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2002_Veranstaltungreihe-Deserteure-in-\u00d6sterreich_Stadtteilzeitung.pdf\">Veranstaltungreihe<\/a> &#8211; wohl nie zuvor hatte das Thema in \u00d6sterreich eine solche \u00d6ffentlichkeit erfahren.<\/p>\n<p><strong>18. April\/3. Juni 2002 | <\/strong>Sozialminister Herbert Haupt (FP\u00d6) bezeichnet in einer <a href=\"https:\/\/offenesparlament.at\/gesetze\/XXI\/J_03715\/\">parlamentarischen Anfragebeantwortung<\/a> (<a href=\"http:\/\/derstandard.at\/926459\/Haupt-Einstweilen-keine-Entschaedigung-fuer-NS-Deserteure\">Bericht im Standard<\/a>) an die Gr\u00fcnen Desertion aus der Wehrmacht indirekt als strafbare Handlung; deshalb haben die meisten \u00fcberlebenden und vormals im Wehrmachtstrafvollzug festgesetzten Deserteure und \u00bbWehrkraftzersetzer\u00ab nach wie vor keinen Anspruch auf Ersatzzeiten in der Pensionsversicherung &#8211; ganz im Gegensatz zu allen gehorsamen Soldaten und Angeh\u00f6rigen und der Waffen-SS, die weder \u00fcber ihre Gesinnung noch \u00fcber ihr Handeln im Krieg Rechenschaft ablegen m\u00fcssen. Der damalige Nationalratspr\u00e4sident Heinz Fischer stellt als Vorsitzender des 1995 eingerichteten Nationalfonds der Republik \u00d6sterreich f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus fest: \u00bbNicht jeder Deserteur aus der Wehrmacht ist automatisch ein Opfer des Nationalsozialismus. Wir werden weiter in jedem Einzelfall entscheiden.\u00ab (<a href=\"http:\/\/derstandard.at\/920186\/Fischer-Deserteure-nicht-automatisch-NS-Opfer\">Artikel<\/a>)<\/p>\n<p><strong><strong><strong><\/strong><\/strong>23. Juli 2002 | <\/strong>Der Deutsche Bundestag rehabilitiert mit einem \u00c4nderungsgesetz (Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege) Personengruppen, die von Wiedergutmachungsleistungen bisher weitgehend ausgenommen waren: Homosexuelle, Deserteure und Kriegsdienstverweigerer. Die Einzelfallpr\u00fcfung ist damit abgeschafft. Ungehorsame Soldaten sind in Deutschland nun vom Generalverdacht des \u00bbunehrenhaften\u00ab Handelns befreit und \u2013 zumindest nach dem Gesetz \u2013 endg\u00fcltig rehabilitiert.<\/p>\n<p><strong>19. September 2002 | <\/strong>Die \u00f6sterreichischen Gr\u00fcnen bringen im Namen ihrer Justizsprecherin Terezija Stoisits erstmals den <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20020919_Gesetzesentwurf_Stoisits.pdf\">Antrag <\/a>eines Gesetzesentwurfs \u00bbzur Rehabilitierung der Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u00ab in den Nationalrat ein. Dieser Antrag wird in den kommenden Jahren immer wieder im Justizausschuss diskutiert. Eine Umsetzung des Antrags wird immer wieder verhindert oder von den schwarz-blauen(orangenen) Regierungsmehrheiten auf die lange Bank geschoben.<\/p>\n<div id=\"attachment_3588\" style=\"width: 192px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2016-12-16-3.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3588\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3588     \" title=\"Programm des PK Quelle: PK-Archiv\" alt=\"Programm des PK. Quelle: PK-Archiv\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2016-12-16-3.png\" width=\"182\" height=\"255\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2016-12-16-3.png 619w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/2016-12-16-3-213x300.png 213w\" sizes=\"(max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3588\" class=\"wp-caption-text\">Programm des PK Quelle: PK-Archiv<\/p><\/div>\n<p><strong>11. Oktober 2002 | <\/strong>Gr\u00fcndung des Personenkomitees \u00bbGerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u00ab in Wien. Erster Obmann wird Richard Wadani des Personenkomitees sind die gesetzliche Rehabilitierung, die historische Aufarbeitung des Themas und die Errichtung eines angemessenen Denkmals f\u00fcr die Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz.<\/p>\n<p>Erste Gedenkveranstaltung durch das Personenkomitee \u00bbGerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u00ab beim Gedenkstein im Donaupark auf dem ehemaligen Milit\u00e4rschie\u00dfplatz in Wien-Kagran. Zahlreiche Widerstandsk\u00e4mpferInnen und VertreterInnen unterschiedlicher zivilgesellschaftlicher Institutionen nehmen an der Gedenkfeier im 22. Wiener Gemeindebezirk teil. Seit damals finden dort j\u00e4hrlich um den 26. Oktober, dem \u00f6sterreichischen Nationalfeiertag, Gedenkveranstaltungen statt (Stand 2016).<\/p>\n<div id=\"attachment_3589\" style=\"width: 617px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kagran-Zeitzeugen-2002.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3589\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3589  \" title=\"Gedenkveranstaltung f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz am ehemaligen Milit\u00e4r- schie\u00dfplatz Kagran, Wien\/Donaupark, 26. Oktober 2004. Ganz links der Widerstandsk\u00e4mpfer Hugo Pepper, 6. von links (halb verdeckt) die wegen Beihil- fe zur Selbstverst\u00fcmmelung verurteilte Maria Musial, 7. von links der Deserteur Karl Keri, 3. von rechts der Deserteur Friedrich Klinger, vorne im Rollstuhl der Kriegsdienstverweigerer Leopold Engleitner; zweiter von rechts David Ellensohn; halb rechts mit Schal Terezija Stoisits.\" alt=\"Gedenkveranstaltung f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz am ehemaligen Milit\u00e4r- schie\u00dfplatz Kagran, Wien\/Donaupark, 26. Oktober 2004. Ganz links der Widerstandsk\u00e4mpfer Hugo Pepper, 6. von links (halb verdeckt) die wegen Beihil- fe zur Selbstverst\u00fcmmelung verurteilte Maria Musial, 7. von links der Deserteur Karl Keri, 3. von rechts der Deserteur Friedrich Klinger, vorne im Rollstuhl der Kriegsdienstverweigerer Leopold Engleitner; zweiter von rechts David Ellensohn; halb rechts mit Schal Terezija Stoisits.\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kagran-Zeitzeugen-2002.png\" width=\"607\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kagran-Zeitzeugen-2002.png 607w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kagran-Zeitzeugen-2002-300x200.png 300w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Kagran-Zeitzeugen-2002-448x300.png 448w\" sizes=\"(max-width: 607px) 100vw, 607px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3589\" class=\"wp-caption-text\">Gedenkveranstaltung f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz am ehemaligen Milit\u00e4rschie\u00dfplatz Kagran, Wien\/Donaupark, 26. Oktober 2004. Ganz links der Widerstandsk\u00e4mpfer Hugo Pepper, 6. von links (halb verdeckt) die wegen Beihilfe zur Selbstverst\u00fcmmelung verurteilte Maria Musial, 7. von links der Deserteur Karl Keri, 3. von rechts der Deserteur Friedrich Klinger, vorne im Rollstuhl der Kriegsdienstverweigerer Leopold Engleitner; zweiter von rechts David Ellensohn; halb rechts mit Schal Terezija Stoisits.<\/p><\/div>\n<p><strong>25. Juni 2003 | <\/strong>Pr\u00e4sentation der vom Parlament in Auftrag gegebenen Studie: Der Politologe Walter Manoschek und sein Team pr\u00e4sentieren das Buch <a href=\"http:\/\/www.mandelbaum.at\/books\/0\/7219\/\">\u00bbOpfer der NS-Milit\u00e4rjustiz. Urteilspraxis \u2013 Strafvollzug \u2013 Entsch\u00e4digungspolitik in \u00d6sterreich\u00ab<\/a>. Die Publikation ist bis heute die umfassendste Auseinandersetzung mit dem Thema und bildet die wissenschaftliche Grundlage f\u00fcr den politischen Rehabilitationsprozess in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p><strong>Mai 2004 | <\/strong>Im Wiener Caf\u00e9 Landtmann findet unter Moderation von Walter Manoschek eine <a href=\"http:\/\/www.davidforster.at\/files\/einladung_pk.pdf\">Pressekonferenz<\/a> mit dem Widerstandsk\u00e4mpfer, Verleger und Diplomaten Fritz Molden, dem Wehrmachtsdeserteur und Generaldirektor der Creditanstalt Heinrich Treichl, dem von Milit\u00e4rgerichten mehrfach verurteilten Schriftsteller Michael Guttenbrunner und Richard Wadani statt. Die Pr\u00e4senz und grunds\u00e4tzliche Zustimmung zum Rehabilitierungsvorhaben seitens konservativer Pers\u00f6nlichkeiten wie Molden und Treichl signalisieren der \u00d6VP (\u00d6sterreichischen Volkspartei), dass es \u00fcber die parteiintern vorherrschende Ablehnung des Themas keinen Konsens gibt \u2013 ein wichtiger Schritt zur 2009 erfolgten Zustimmung der \u00d6VP zum Rehabilitierungsgesetz im Nationalrat.<\/p>\n<p><strong>11. Oktober 2004 | <\/strong>Bundespr\u00e4sident Heinz Fischer fordert in einer <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20041011_Rede-Fischer-zu-Bernardis.pdf\">Rede <\/a>an der Heeresunteroffiziersakademie in Enns die NS-Milit\u00e4rjustiz als verbrecherisch zu verurteilen und entsprechend die Aufhebung aller ihrer Urteile. Anlass ist die Enth\u00fcllung des Denkmals f\u00fcr den Wehrmachtsoffizier und Widerstandsk\u00e4mpfer Robert Bernardis. Angesichts derselben Veranstaltung fordert der Gr\u00fcne Wiener Stadtrat David Ellensohn erneut die Errichtung eines Deserteursdenkmals in Wien.<\/p>\n<p><strong>20. J\u00e4nner 2005 | <\/strong>Angesichts des von der schwarz-blauen Regierung ausgerufenen \u00bbGedankensjahres\u00ab, in dessen Rahmen an Kriegsende und Republikgr\u00fcndung (1945), Staatsvertrag und Neutralit\u00e4tserkl\u00e4rung (1955) sowie EU-Beitritt \u00d6sterreichs (1995) erinnert werden soll, regt Bundespr\u00e4sident Heinz Fischer abermals die aus seiner Sicht historisch notwendige Rehabilitierung der Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz an. Die Erinnerung an die NS-Verbrechen ist beim staatlicherseits organsierten Veranstaltungsprogramm insgesamt wenig repr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p><strong>27. J\u00e4nner 2005 | <\/strong>Vor dem Hintergrund der Gr\u00fcnen Gesetzesinitiativen zur Rehabilitierung auf Bundesebene fordert die Partei auf Landesebene in Wien, den Deserteuren der Wehrmacht ein Denkmal zu widmen. Der damalige nicht amtsf\u00fchrender Stadtrat David Ellensohn bezeichnet es als \u00bbeine Schande f\u00fcr die Stadt Wien\u00ab, dass bei den j\u00e4hrlichen Gedenkfeiern in Kagran keine hochrangigen Vertreter der Politik anwesend seien und die Stadt nichts f\u00fcr die Deserteure unternehme. Der Antrag wird einige Monate sp\u00e4ter von der mit absoluter Mehrheit regierenden SP\u00d6 abgelehnt.<\/p>\n<p><strong>6. April 2005 | <\/strong>Seit diesem Datum gibt es j\u00e4hrliche <a href=\"http:\/\/erinnern-graz.at\/2015\/04\/10\/gedenkversammlung-beim-deserteuredenkmal-auf-der-ries\/\">Gedenkfeiern<\/a> am Denkmal f\u00fcr die in Ries bei Graz erschossenen Deserteure. An dieser Stelle hatten VertreterInnen der Freien \u00d6sterreichischen Jugend im Jahr 1954 erstmals ein Erinnerungszeichen f\u00fcr Deserteure errichtet.<\/p>\n<p><strong>14. April 2005 | <\/strong>Der K\u00e4rntner Bundesrat und designierte Bundesratspr\u00e4sident Siegfried Kampl (FP\u00d6\/BZ\u00d6) h\u00e4lt im Bundesrat eine Rede, in der er u. a. formuliert, Deserteure seien \u00bbzum Teil Kameradenm\u00f6rder\u00ab. Im Gedenkjahr 2005 sorgen diese und andere zum Teil wirre Aussagen Kampls f\u00fcr einen politischen Skandal, der auch im Ausland registriert wird und f\u00fcr negative Schlagzeilen sorgt. Im selben Jahre beschlie\u00dft die rechts-konservative Bundesregierung \u2013 nicht zuletzt zur Schadensbegrenzung im internationalen Kontext \u2013 ein erstes\u00a0<a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/A-AB-1024-S.-116.-BR-AB-7354-S.-724.-RDB-Rechtsdatenbank.pdf\">NS-Anerkennungsgesetz<\/a> (s.u.) zur \u00bbabschlie\u00dfenden Beseitigung nationalsozialistischer Unrechtsakte\u00ab.<\/p>\n<p><strong>21. April 2005 | <\/strong>In Villach wird die von Werner Koroschitz und Lisa Rettl kuratierte Ausstellung \u00bbhei\u00df umfehdet, wild umstritten\u00ab durch Bundespr\u00e4sident Heinz Fischer er\u00f6ffnet. Desertion und Wehrdienstverweigerung werden nicht nur in der Ausstellung zum Thema gemacht, sondern auch in einem umfassenden Artikel von Peter Pirker (\u00bbWiderstand, Desertion, Abwehr. Anmerkungen zur Geschichtspraxis im Gedankenjahr\u00ab) im begleitenden Ausstellungskatalog ber\u00fccksichtigt: Fallbeispiele, Opferbiografien und vor allem der Umgang der Republik \u00d6sterreich werden kritisch reflektiert und bilden eine Gegenerz\u00e4hlung zu den Narrativen des \u00bbGedankensjahres\u00ab.<\/p>\n<p><strong>2. Juli 2005 | <\/strong>In Goldegg-Weng und anderen Salzburger Orten im Pongau wird die <a href=\"http:\/\/www.symphoniederhoffnung.at\/archiv.html\">\u00bbSymphonie der Hoffnung\u00ab<\/a> des Komponisten Thomas Doss aufgef\u00fchrt. Es erinnert im \u00bbGedankenjahr\u00ab an die Deserteure und deren Unterst\u00fctzerInnen, die Anfang Juli 1944 im Rahmen einer gro\u00dfen Razzia von Wehrmacht, Gendarmerie und Gestapo ermordet oder in Lager und Gef\u00e4ngnisse verschleppt wurden. Am 8. August 2013 l\u00e4sst eine <a href=\"http:\/\/www.goldeggerdeserteure.at\/\">B\u00fcrgerinitiative<\/a> eine Gedenktafel f\u00fcr die Opfer dieser <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cJrFHh36UgA\">Ereignisse<\/a> in Goldegg errichten. <a href=\"http:\/\/www.schlossgoldegg.at\/fileadmin\/schlossgoldegg\/design\/images\/2juli1944\/Wehrmachtsdeserteure_auf_Salzburger_Almen__M.Mooslechner.pdf\">N\u00e4heres zu den Ereignissen am 2. Juli und einer gest\u00f6rten Erinnerungskultur<\/a>.<\/p>\n<p><strong>11. August 2005 | <\/strong>Das Gesetz zur \u00bbabschlie\u00dfenden Beseitigung nationalsozialistischer Unrechtsakte\u00ab <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/A-AB-1024-S.-116.-BR-AB-7354-S.-724.-RDB-Rechtsdatenbank.pdf\">(NS-Anerkennungsgesetz) <\/a>tritt in Kraft. Es bedeutet u. a. die Aufnahme der Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz in den Kreis der Opferf\u00fcrsorgeberechtigten. F\u00fcr die wenigen noch lebenden Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz markiert dies in sozialrechtlicher Hinsicht zwar einen wesentlichen Schritt, in der Praxis entfaltet das Gesetz jedoch nur wenig Wirkung: Weil der Gesetzgeber es vermieden hat, die wichtigste Gruppe der Verfolgten \u2013 die Deserteure &#8211; explizit zu benennen, werden kaum Antr\u00e4ge auf Entsch\u00e4digung gestellt. Au\u00dferdem zeigt die schwarz-blaue Bundesregierung kein Engagement die Neuregelung f\u00fcr die NS-Opfer \u00f6ffentlich anzuk\u00fcndigen &#8211; ganz im Gegensatz zu den im gleichen Gesetz ebenfalls als Anspruchsberechtigte mitbedachten ehemaligen \u00bbTr\u00fcmmerfrauen\u00ab. Und da die Urteile der NS-Unrechtsjustiz im Gesetz nicht pauschal aufgehoben werden, k\u00f6nnen die Verfolgten nach wie vor nicht als gesetzlich rehabilitiert gelten.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4rz 2006 | <\/strong>Im <i>Journal f\u00fcr Rechtspolitik<\/i> erscheint ein <a href=\"http:\/\/www.pk-deserteure.at\/fileadmin\/user_upload\/Reinhard_Moos_JRP_Maerz_2006.pdf\">Aufsatz<\/a> des Linzer Strafrechtsprofessors Reinhard Moos, der als Experte das Anerkennungsgesetz vom August 2005 einer grundlegenden Kritik unterzieht. Diese Fachexpertise spielt bis zur endg\u00fcltigen Rehabilitierung der ungehorsamen Soldaten eine wichtige Rolle. Der letztlich richtungsweise Gesetzestext von 2005 stammt aus seiner Feder.<\/p>\n<p><strong>1. Juni 2007 | <\/strong><a href=\"http:\/\/derstandard.at\/2903685\/Kopf-des-Tages-Der-Erste-der-nicht-der-Letzte-sein-will\">Richard Wadani<\/a> nimmt im Wappensaal des Wiener Rathauses das \u00bbEhrenzeichen f\u00fcr Verdienste um die Befreiung \u00d6sterreichs\u00ab entgegen. Die Zweite Republik w\u00fcrdigt damit sein entschlossenes Handeln im Herbst 1944 als er in der Gegend von Aachen zu den Alliierten \u00fcberlief und sich kurz darauf den britischen Streitkr\u00e4ften anschloss, um gegen die nationalsozialistische Herrschaft zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>14. Juni 2007 | <\/strong>In den <i>Vorarlberger Nachrichten<\/i> erscheint ein <a href=\"http:\/\/www.malingesellschaft.at\/aktuell\/weiteres\/debatte-um-das-kriegerdenkmal-in-silbertal\/vorarlberger-nachrichten-14.-juni-2007-s.-8\">Artikel<\/a>, der sich mit dem SS-Angeh\u00f6rigen und Kriegsverbrecher Josef Vallaster und dessen Ehrung auf dem Silbertaler Kriegerdenkmal auseinandersetzt. Vallaster war w\u00e4hrend des Krieges in der NS-T\u00f6tungsanstalt Hartheim und im Vernichtungslager Sobibor im sogenannten Generalgouvernement direkt an der Ermordung zehntausender Menschen beteiligt. Obwohl die Verbrechen Vallasters im Ort weitgehend bekannt waren, erhob sich 1968 kein Protest, als sein Name unter den Kriegsopfern aufgef\u00fchrt wurde: Tats\u00e4chlich war er 1943 als SS-Mann bei einem Aufstand von KZ-H\u00e4ftlingen erschlagen worden. Nach kontroversen Diskussionen wurde das Denkmal schlie\u00dflich 2009 entfernt. Ob der Versuch, mit einem \u00bbPlatz der Erinnerung\u00ab zu einem neuen und einvernehmlichen Gedenken an Krieg und Gewalt in Silbertal zu kommen gelingt, ist noch offen.<\/p>\n<p><strong>23. September 2007 | <\/strong>Nach jahrelangen Auseinandersetzungen wird die Gedenkstele f\u00fcr den Vorarlberger Kriegsdienstverweigerer Ernst Volkmann <a href=\"http:\/\/www.malingesellschaft.at\/aktuell\/veranstaltungen\/meinrad-pichler\">enth\u00fcllt<\/a>; seine Kinder und Enkel werden von Bundespr\u00e4sident Heinz Fischer empfangen. Nach Kriegsende wurde der Name Volkmanns, der aufgrund seiner religi\u00f6sen \u00dcberzeugung den Kriegsdienst verweigerte und am 7. Juli 1941 in Brandenburg G\u00f6rden enthauptet wurde, auf dem Bregenzer Kriegerdenkmal in einer Reihe mit den soldatischen Gefallenen gelistet (<a href=\"http:\/\/www.kath-kirche-vorarlberg.at\/organisation\/carl-lampert-forum\/links-dateien\/broschuere-bregenzer-im-widerstand\">Vortrag von Andreas Eder: Bregenzer im Widerstand gegen die Wehrmacht)<\/a>.<\/p>\n<p><strong>21. J\u00e4nner 2009 | <\/strong>Die Gr\u00fcnen bringen einen neuen <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/20090121_Antrag-Aufhebungsgesetz.pdf\">Antrag <\/a>(NS-Aufhebungsgesetz) ein, mit dem die endg\u00fcltige und pauschale Rehabilitierung der ungehorsamen Soldaten und ihrer HelferInnen umgesetzt werden soll. FP\u00d6\/BZ\u00d6 bleiben bei ihrer kategorischen Ablehnung. Sie bem\u00fchen das Bild des Deserteurs als \u00bbKameradenm\u00f6rder\u00ab, obgleich dies durch die Forschung deutlich widerlegt ist. Nach den vorliegenden Ergebnissen der von Walter Manoschek 2003 herausgegebenen <a href=\"http:\/\/mandelbaum.at\/books\/792\/7219\">Studie<\/a> lie\u00df sich f\u00fcr knapp 97 % der verurteilten Deserteure belegen, dass sie im Zuge ihrer Entziehung keinerlei Gewalt anwendeten.<\/p>\n<p><strong>1. September 2009 | <\/strong>Im Wiener Theater Nestroyhof Hamakom er\u00f6ffnet die \u00f6sterreichische Fassung der in Berlin von der Stiftung Denkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas konzipierten <a href=\"www.stiftung-denkmal.de\/ausstellungen\/was-damals-recht-war.html\">Wanderausstellung<\/a> \u00bbWas damals Recht war \u2013 Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht\u00ab. Die Schau \u2013 wissenschaftlich kuratiert von Vorstandsmitgliedern des Personenkomitees, darunter die Politologen Thomas Geldmacher, Hannes Metzler, Peter Pirker sowie die Historikerin Lisa Rettl \u2013 ist in Wien acht Wochen zu sehen. Sie liefert durch ihr nationales wie internationales Medienecho eine wichtige inhaltliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die von den Gr\u00fcnen auf politischer Ebene vorangetriebenen Verhandlungen um eine endg\u00fcltige Rehabilitierung der Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz. Den Veranstaltern, neben dem Personenkomitee auch der Verein Gedenkdienst, gelingt es, ein politisch breit aufgestelltes <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Begleitprogramm_Was-damals-Recht-war1.pdf\">Ehrenschutzkomitee sowie ein umfangreiches Begleitprogramm <\/a>f\u00fcr die Schau zu initiieren. Gleichzeitig koordiniert das Personenkomitee weitere Pr\u00e4sentationsorte der Wanderausstellung, die seither in <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/100907_PRESSEINFORMATION_FINAL_-_v2.pdf\">Klagenfurt<\/a> (2010), <a href=\"http:\/\/www.malingesellschaft.at\/aktuell\/veranstaltungen\/30.9.-30.10.2011-ausstellung-was-damals-recht-war-...\">Dornbirn<\/a> (2011) und <a href=\"http:\/\/www.kultur.or.at\/Kultplan\/kulturverein_schloss_goldegg\/was_damals_recht_war_soldaten_und_zivilisten_vor_gerichten_der_wehrmacht\">Goldegg\/Salzburg<\/a> (2015) gezeigt wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_3602\" style=\"width: 296px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Profil-Titel.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3602\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3602  \" title=\"profil Titel, Ausgabe vom 31. August 2009\" alt=\"profil Titel, Ausgabe vom 31. August 2009\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Profil-Titel.png\" width=\"286\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Profil-Titel.png 476w, https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Profil-Titel-227x300.png 227w\" sizes=\"(max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3602\" class=\"wp-caption-text\">profil Titel, Ausgabe vom 31. August 2009<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. September 2009 | <\/strong>Die Ausgabe des Nachrichtenmagazins <i>profil<\/i> bringt unter dem Titel \u00bbDie wahren Kriegshelden\u00ab ein Cover mit den Portr\u00e4ts bekannter \u00f6sterreichischer Wehrmachtsdeserteure: Fritz Muliar, Oskar Werner, Dietmar Sch\u00f6nherr und H.C. Artmann. Ann\u00e4hernd zeitgleich verfasst Literaturnobelpreistr\u00e4gerin Elfriede Jelinek einen im Standard abgedruckten <a href=\"http:\/\/www.pk-deserteure.at\/fileadmin\/user_upload\/pressespiegel\/2009-09-01_-_neu_Der_Standard_-_Jelinek_Kommentar.pdf\">Artikel<\/a> zum Thema.<\/p>\n<p>Am Abend strahlt der ORF im Rahmen der Fernsehsendung <i>Club 2<\/i> eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1J6o0KneHLw\">Diskussionssendung<\/a> aus, in der sich vormalige Kritiker des Rehabilitierungsvorhabens wie der ehemalige Nationalratspr\u00e4sident und \u00d6VP-Obmann Andreas Khol dezidiert f\u00fcr eine Rehabilitierung aussprechen. Auch der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Sch\u00f6nborn, selbst Sohn eines Deserteurs, bef\u00fcrwortet die gr\u00fcn-rote Initiative, die im Oktober 2009 nach z\u00e4hen Verhandlungen auch von der \u00d6VP-Fraktion im Nationalrat unterst\u00fctzt wird. Damit steht der Aufhebung der Urteile nichts mehr im Wege. Rehabilitierungsgegner wie Kameradschaftsbund oder FP\u00d6 k\u00f6nnen keinen wirkungsvollen Widerstand mehr organisieren.<\/p>\n<p><strong>6. September 2009 | <\/strong>Angeh\u00f6rige des \u00bbAK Denkmalpflege\u00ab veranstalten einen <a href=\"http:\/\/denkmalpflege.blogsport.de\/2009\/09\/06\/bericht-vom-aktions-stadtspaziergang\/\">\u00bbAktions-Stadtspaziergang\u00ab<\/a>: Im Rahmen dieser Aktion werden in Wien unangemeldet Informationstafeln an verschiedenen Haft-, Dienst- und Hinrichtungsorten der Wehrmachtjustiz angebracht. Damit wird aktionistisch auf Hinweise in der Widerstandsliteratur verwiesen, dass Wien w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges einer der gr\u00f6\u00dften Garnisonsstandorte im \u00bbGro\u00dfdeutschen Reich\u00ab war, wo eine Vielzahl von Einrichtungen der NS-Milit\u00e4rjustiz ihren Standort hatte.<\/p>\n<p><strong>10. September 2009 | <\/strong>Erstausstralung des Beitrages <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/programm\/?showid=CCE6B03A7B76B10A\">\u00bbDie Ungehorsamen\u00ab<\/a> in der Sendereihe \u00bbMenschen &amp; M\u00e4chte\u00ab im ORF. Darin portr\u00e4tiert der Autor Peter Liska u. a. auch den Wehrmachtsdeserteur und Obmann des Personenkomitees Richard Wadani. Im Pressetext zum Film hei\u00dft es: \u00bbDie Stigmatisierung ist noch immer allgegenw\u00e4rtig [\u2026]. Oft haben die Kinder oder Enkelkinder ihr Veto gegen ein Fernsehinterview mit den betagten Zeitzeugen eingelegt. Nur keine \u00d6ffentlichkeit, sonst wird im Ort wieder auf uns gezeigt, war da zu h\u00f6ren.\u00ab<\/p>\n<div id=\"attachment_3600\" style=\"width: 305px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/heldenplatz2.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3600\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3600 \" title=\"Aktion des AK Denkmalpflege 2009 am Heldenplatz\" alt=\"Aktion des AK Denkmalpflege 2009 am Heldenplatz\" src=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/heldenplatz2-682x1024.jpg\" width=\"295\" height=\"440\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3600\" class=\"wp-caption-text\">Aktion des AK Denkmalpflege 2009 am Heldenplatz &#8211; Bildquelle: Lisa Bolyos<\/p><\/div>\n<p><strong>11. September 2009 | <\/strong>Am Wiener Heldenplatz stellen AktivistInnen des \u00bbAK Denkmalpflege\u00ab ein <a href=\"http:\/\/denkmalpflege.blogsport.de\/2009\/09\/11\/denkmal-fuer-opfer-der-ns-militaerjustiz-am-heldenplatz-am-11-september-2009\/\">mobiles Deserteursdenkmal<\/a> auf.<\/p>\n<p>Die Aktion ist einerseits als unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahme f\u00fcr die parallel im Theater Nestroyhof Hamakom gastierende\u00a0<a href=\"www.stiftung-denkmal.de\/ausstellungen\/was-damals-recht-war.html\">Wanderausstellung<\/a> \u00bbWas damals Recht war\u00ab gedacht. Anderseits steht das Denkmal auch f\u00fcr sich selbst: Die Klammern symbolisieren das Fehlen von Wissen und die Leerstellen in der Auseinandersetzung und im Gedenken der historischen Ereignisse.<\/p>\n<p><strong>13. September 2009 | <\/strong>FP\u00d6-Chef Heinz Christian Strache spricht gegen\u00fcber der APA erneut davon, Deserteure seien Menschen, <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/politik\/innenpolitik\/508001\/Strache_Deserteure-brachten-Kameraden-um\">\u00bbdie eigene Kameraden und Soldaten vielleicht teilweise auch erschossen und umgebracht haben\u00ab<\/a>. Kurze Zeit sp\u00e4ter versch\u00e4rft er \u2013 entgegen aller wissenschaftlicher Erkenntnisse \u2013 seine Aussage: 15 bis 20 % der Deserteure h\u00e4tten Kameraden erschossen oder ermordet.<\/p>\n<p><strong>24. September 2009 | <\/strong>Der Deutsche Bundestag beschlie\u00dft durch \u00c4nderung des Gesetzes zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile (<a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/NS-Aufhebungsgesetz-2009-BRD.pdf\">NS-Aufhebungsgesetz<\/a>) die Rehabilitierung der wegen sogenanntem Kriegsverrat ergangenen Urteile.<\/p>\n<p><strong>10. Oktober 2009 | <\/strong>Im nieder\u00f6sterreichischen Krems initiiert der Historiker Robert Streibl mit der <a href=\"http:\/\/streibel.at\/krems-hatte-eine-deserteurs-meile\/\">\u00bbDeserteurs-Meile\u00ab<\/a> ein tempor\u00e4res Deserteursdenkmal. Es steht zwei Tage: \u00a0Stadtbedienstete demontieren die sechs Tafeln, die an die in den letzten Kriegstagen in Krems hingerichteten ungehorsamen Wehrmachtssoldaten erinnern. An Streibl ergeht eine Strafverf\u00fcgungsandrohung wegen Missbrauchs \u00f6ffentlichen Grundes.<\/p>\n<p><strong>21. Oktober 2009 | <\/strong>Der Nationalrat beschlie\u00dft das <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/RIS-Gesamte-Rechtsvorschrift-f\u00fcr-Aufhebungs-und-Rehabilitationsgesetz-Bundesrecht-konsolidiert-Fassung-vom-17.12.2016.pdf\">Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz <\/a>f\u00fcr die Ungehorsamen Soldaten des Zweiten Weltkrieges. Es tritt am 1. Dezember 2009 in Kraft. Damit sind alle Unrechtsurteile gegen Deserteure und andere Verfolgte der Wehrmachtgerichte endg\u00fcltig aufgehoben. Die Betroffenen sind nun offiziell als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt. Dies gilt mit diesem Gesetz ebenso f\u00fcr alle Personen, die als Homosexuelle verfolgt wurden sowie f\u00fcr Frauen, die w\u00e4hrend des Nationalsozialismus von Zwangssterilisierungen betroffenen waren. Die entscheidenden Passagen enth\u00e4lt dabei der Paragraph 4 um dessen Wortlaut in den Verhandlungen lange und hart gerungen wurde. Hier hei\u00dft es: \u00bb(1) Alle Opfer gerichtlicher Unrechtsentscheidungen im Sinne des \u00a7 1, sowie jene, die &#8211; ohne deswegen verurteilt worden zu sein &#8211; Akte des Widerstandes oder andere gegen\u00a0 das NS-Unrechtsregime gerichtete Akte gesetzt und dadurch etwa als Widerstandsk\u00e4mpfer oder insbesondere als Deserteure durch die bewusste Nichtteilnahme am Krieg an der Seite des nationalsozialistischen Unrechtsregimes oder als sogenannte\u00a0\u00a0 Kriegsverr\u00e4ter zu dessen Schw\u00e4chung und Beendigung sowie zur Befreiung \u00d6sterreichs beigetragen haben, sind rehabilitiert.\u00ab<\/p>\n<p><strong>22. Oktober 2009 | <\/strong>Richard Wadani regt nach der erfolgreichen Rehabilitierung im <i>Standard<\/i> die Umbenennung von Bundesheer-Kasernen sowie die Errichtung von Deserteursdenkm\u00e4lern in \u00d6sterreich an.<\/p>\n<p><strong>Dezember 2010 | <\/strong>Auf Druck des Personenkomitees\u00a0<strong><\/strong><a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/politik\/strategien-konzepte\/regierungsuebereinkommen-2010\/kultur-wissenschaft\/\">Beschluss<\/a> einer erstmals auf Landesebene regierenden rot-gr\u00fcnen Wiener Stadtregierung zur Errichtung eines \u00bbMahnmals f\u00fcr Deserteure\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fortsetzung der <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/chronologie\/\">Chronik<\/a> als Vorgeschichte des Wiener Denkmals f\u00fcr die Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prozess der gesellschaftlichen, politischen und juristischen Rehabilitierung\u00a0der Verfolgten der NS-Milit\u00e4rjustiz Die folgende Chronik bietet einen \u00dcberblick zum politischen Umgang mit den Opfern der NS-Milit\u00e4rjustiz. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit. Angef\u00fchrt werden wichtige und folgenreiche Etappen auf dem Weg zur &hellip; <a href=\"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/nachkrieg\/chronik_rehabilitierung\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":754,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"showcase.php","meta":[],"categories":[],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3483"}],"collection":[{"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3483"}],"version-history":[{"count":79,"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4535,"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3483\/revisions\/4535"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/754"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}