{"id":3048,"date":"2016-05-05T19:36:14","date_gmt":"2016-05-05T17:36:14","guid":{"rendered":"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/?page_id=3048"},"modified":"2017-10-11T09:11:29","modified_gmt":"2017-10-11T07:11:29","slug":"trostkaserne-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/verfolgungsorte\/trostkaserne-2\/","title":{"rendered":"Trostkaserne"},"content":{"rendered":"<div><span style=\"color: #b78847;\"><strong>Trostkaserne &#8211; Sammelpunkt f\u00fcr <strong>Todeskandidaten<\/strong><br \/>\n<\/strong><\/span><\/div>\n<p><strong>In Wien wurden von der Wehrmachtsjustiz f\u00fcnf Gef\u00e4ngnisse betrieben: Die <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/verfolgungsorte\/wug-x\/\">Zentrale (WUG X)<\/a> befand sich in Wien-Favoriten, nahe der Trostkaserne. Diese heute Starhemberg-Kaserne genannte Kaserne diente der nationalsozialistischen Milit\u00e4rjustiz als Haftort f\u00fcr Todeskandidaten. <strong> Es war Teil eines Unrechtsregimes das Deserteure, Selbstverst\u00fcmmler, Saboteure, Wehrdienstverweigerer, usw. verfolgte.<\/strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Geschichte vor 1938<\/strong><br \/>\nDie Kaserne wurde 1911\/12 errichtet, zuerst Erzherzog-Franz-Ferdinand-Infanterie-Kaserne benannt, nach Ausrufung der Republik 1918 sodann Trostkaserne. Die Anlage wurde mehrmals erweitert und modernisiert, Adresse blieb aber immer Gu\u00dfriegelstra\u00dfe 45 bzw. Troststra\u00dfe 105.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbernahme durch die Wehrmacht<\/strong><br \/>\nNach dem \u201eAnschluss\u201c 1938 \u00fcbernahm die Wehrmacht alle Bundesheer-Kasernen, so auch die Trostkaserne. Die Kaserne diente zuerst dem Heer, ab 1940 der Luftwaffe, zwischen 1942 und 1944 wurden in Favoriten FlAK-Abteilungen massiv ausgebaut.<\/p>\n<p><strong>Verwendung f\u00fcr die Wehrmachtsjustiz<\/strong><br \/>\nZwischen 1940 und 1945 wurden aus den f\u00fcnf auf die Stadt verteilten Wehrmachtsuntersuchungsgef\u00e4ngnissen, vor allem aus dem nur 1250 Meter entfernten \u201e<a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/verfolgungsorte\/wug-x\/\">Wehrmachtsuntersuchungsgef\u00e4ngnis X<\/a>\u201c in der Hardtmuthgasse, zum Tode verurteilte Soldaten in die Trostkaserne gebracht. Sie sollten hier ihre letzte Nacht vor der Hinrichtung am <a href=\"http:\/\/deserteursdenkmal.at\/wordpress\/verfolgungsorte\/kagran\">Schie\u00dfplatz Kagran<\/a> verbringen sollen. Es handelte sich dabei einerseits um eine logistische Notwendigkeit um den Abtransport der Hinzurichtenden samt der Soldaten, die die Erschie\u00dfung vornahmen, zu bewerkstelligen. Andererseits handelte es sich dabei um einen milit\u00e4rischen Usus um die \u201e<em>Aussto\u00dfung aus dem Heer<\/em>\u201c zu vollziehen.<\/p>\n<div style=\"width: 375px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.doew.at\/erinnern\/fotos-und-dokumente\/1938-1945\/kz-ebensee-1945\/franz-loidl-1905-1987\"><img loading=\"lazy\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.doew.at\/cms\/images\/ehq4t\/original\/1345538942\/KZ-Ebensee-1945-Franz-Loidl.png\" width=\"365\" height=\"237\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Franz Loidl (links), Mai 1945. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.doew.at\/erinnern\/fotos-und-dokumente\/1938-1945\/kz-ebensee-1945\/franz-loidl-1905-1987\">Dokumentationsarchiv des \u00d6sterreichischen Widerstandes (D\u00d6W), D\u00d6W Foto 1428<\/a>)<\/p><\/div>\n<p><strong>Bericht<\/strong><br \/>\nDer Wehrmachtsgeistlichen <a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/wiki\/index.php\/Franz_Loidl\">Franz Loidl<\/a> war einer der wenigen Zeugen dieser Vorg\u00e4nge. Er berichtet nach 1945:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDaraufhin wurde der Soldat von zwei Begleitern abgef\u00fchrt, in eine abgetragene Milit\u00e4rhose samt Rock gesteckt und zur Armens\u00fcnderzelle geleitet. Man nannte dies \u201aAussto\u00dfung aus dem Heer\u2018. Die d\u00fcstere Zelle hatte kein Fenster, nur eine Klomuschel, einen wackeligen Tisch und zwei einfache Sessel als Einrichtung. Ein paarmal gab es ein d\u00fcrftiges Henkermahl auf einem Blechteller, auch das h\u00f6rte sp\u00e4ter auf. Nur Zigaretten verblieben. (\u2026) Zur Wache vor der offenen T\u00fcr gesellten sich immer wieder abwechselnd Soldaten\/Kameraden, die den Armen durch Gespr\u00e4che, Witze etc. abzulenken suchten, auch sich mit ihm zu unterhalten anfingen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eEin \u00e4rmlicher Tisch, zwei Sessel und ein Eisenbett waren mit dem WC die einzige Einrichtung des fensterlosen, schmalen Raumes. Vor der dauernd offengelassenen T\u00fcr (wegen der Beobachtung, damit sich der Verurteilte nicht etwas zuf\u00fcge) postierte sich die Wache.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eDa die ganze Nacht \u00fcber geraucht wurde und der Qualm keinen Abzug hatte, brannten mir ein paar Tage lang die Augen oder schmerzten mich, wie man besser sagt. Seither wei\u00df ich, wie \u00e4hnlich nach einer Operation eine Nacht dahinschleicht und wie eine Ewigkeit nicht zu vergehen scheint. Dieses Warten die Nacht \u00fcber bis zum Morgen des letzten Tages sei die eigentliche Todesstrafe und Abb\u00fc\u00dfung, da jeder Todeskandidat die unabwendbare sofortige Vollstreckung als Erl\u00f6sung empfinden, ja sogar w\u00fcnschen w\u00fcrde, wie mir vom Kommandanten erz\u00e4hlt wurde. (\u2026) Die schweren Stiefeltritte, das laute Rufen und das Zuschlagen der Eisent\u00fcren [lie\u00dfen] kaum ein St\u00fcndchen Ruhe zu. Auch lie\u00df es mir keine Ruhe, wollte ich ja den Armen nicht allein und sich selbst \u00fcberlassen. Man hatte mir nicht nur einmal bedeutet, da\u00df ein auf das Sterben Wartender das Alleinsein und Gef\u00fchl der Verlassenheit sehr hart und be\u00e4ngstigend empfinde.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eAllzu langsam krochen die fr\u00fchen Morgenstunden etwa ab zwei oder drei Uhr hin, zumal es nun auch im so grau und \u00f6d wirkenden Hause ruhig geworden war. Da die Erschie\u00dfung mit Tagesanbruch vollzogen werden mu\u00dfte \u2013 etwa zwischen 6:15 \u2013 7:15 Uhr, je nach Jahreszeit \u2013, wurde es bald nach 5 Uhr fr\u00fch lebendig im Haus. Schl\u00f6sser-Rasseln, Auf- und Zuschlagen der schweren Gitter, schwere Stiefeltritte lie\u00dfen die N\u00e4he des Aufbruchs und der Abfahrt ahnen. Ein Unteroffizier vom Dienst mit Helfern erschien, legte die H\u00e4nde des Todeskandidaten in Ketten (Schlie\u00dfen), dann auch die F\u00fc\u00dfe (um die Kn\u00f6chel), aber gelockert, so da\u00df er mit Hilfe der Begleiter trippeln konnte. Es ging \u00fcber die Treppe hinab in den \u00f6den Hof, wo schon der Autokar, der vergitterte, dem Polizeiauto \u201eGr\u00fcner Heinrich\u201c gleichende LKW wartete. Eine Wachmannschaft stieg nach. (&#8230;) Hie und da ein Blick durch die Fensterlucke lie\u00df erkennen, da\u00df sich der kleine Konvoi \u00fcber die Triesterstra\u00dfe, den Margaretner- und Wiednerg\u00fcrtel, die Prinz-Eugen-Stra\u00dfe, den Schwarzenbergplatz und Ring, vorbei an der Urania, dem Tegetthofdenkmal und \u00fcber die Reichsbr\u00fccke auf holpriger Stra\u00dfe bewegte.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<div style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Troststra%C3%9Fe_21.JPG\"><img loading=\"lazy\" class=\"      \" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/7\/75\/Troststra%C3%9Fe_21.JPG\" width=\"430\" height=\"323\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Heutige Starhemberg-Kaserne des \u00d6sterreichischen Bundesheeres, fr\u00fchere Trostkaserne (Quelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Troststra%C3%9Fe_21.JPG\">Wikimedia<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\">Lizenz: Creative Commons by-sa 3.0 de<\/a>)<\/p><\/div>\n<p><strong>Befreiung 1945 und Nutzung heute<\/strong><br \/>\nDie Kaserne war als Teil der FlAK-Gro\u00dfkampfbatterie \u201eWienerberg\u201c stark in die K\u00e4mpfe gegen die Rote Armee eingebunden die ab dem 5.April 1945 versuchte Wien von der Wehrmacht und SS zu befreien. Erst am Abend des 6. Aprils war Wien-Favoriten bis zum G\u00fcrtel befreit. Bis 1955 benutzte die Rote Armee die Trostkaserne, danach \u00fcbernahm sie das Bundesheer. 1967 erfolgte die Umbenennung in Starhemberg-Kaserne, die heute als Fernmeldetruppenschule dient.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trostkaserne &#8211; Sammelpunkt f\u00fcr Todeskandidaten In Wien wurden von der Wehrmachtsjustiz f\u00fcnf Gef\u00e4ngnisse betrieben: Die Zentrale (WUG X) befand sich in Wien-Favoriten, nahe der Trostkaserne. Diese heute Starhemberg-Kaserne genannte Kaserne diente der nationalsozialistischen Milit\u00e4rjustiz als Haftort f\u00fcr Todeskandidaten. 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