Das Personenkomitee

Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“:

Beschreibung ist der Bewerbung zum Demokratiepreis der Margaretha-Lupac-Stiftung des österreichischen Parlaments entnommen.

Seit 2002 engagiert sich das Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ für die umfassende Rehabilitierung und Entschädigung der Wehrmachtsdeserteure, der „Wehrkraftzersetzer“ und Kriegsdienstverweigerer. Die Opfer der NS-Militärjustiz, Männer und Frauen, Soldaten und Zivilist_innen, darunter Widerstandskämpfer_innen aus ganz Europa, galten zu diesem Zeitpunkt als „Verräter“, als „Verräterinnen“ oder „Feiglinge“. Zu Beginn des neuen Jahrtausends interessierten sich weder die historische Forschung noch politisch-gesellschaftliche Initiativen für Geschichte oder Gegenwart dieser Menschen. Das Personenkomitee agierte von Anfang an auf unterschiedlichen Ebenen und verbindet – bis heute – auf breiter Basis zivilgesellschaftliches Engagement mit intensiver parlamentarischer Arbeit, mit medialer und kulturpolitischer Vermittlungstätigkeit. Die Basis dieser Aktivitäten bilden eine von den Mitgliedern des Personenkomitees überhaupt erst initiierte wissenschaftliche Expertise und rege Publikationstätigkeit.

Hervorgegangen ist das Personenkomitee aus einer Initiative von Studierenden der Universität Wien Ende der 1990er Jahre. Im Laufe der Jahre hat es sich zu einem weithin geachteten zivilgesellschaftlichen Akteur entwickelt, der ein bis dahin unbearbeitetes Thema benannt und die berechtigten Interessen einer Minderheit vor allem in den ersten Jahren gegen den gesellschaftlichen Mainstream durchgesetzt hat. Unterstützt wurde das Personenkomitee dabei von Institutionen der Zivilgesellschaft (Verbände der Opfer des Nationalsozialismus, Religionsgemeinschaft u. a.), von politischen Aktivist_innen, Kulturschaffenden, Journalist_nnen und Politiker_nnen, anfangs vor allem der Grünen, später auch von SPÖ und ÖVP. Insbesondere im Rahmen einer „Wortspendenkampagne“ für die Ausstellung „Was damals Recht war …“ – Soldaten und Zivilisten der Wehrmacht und später ein Deserteursdenkmal in Wien gelang es dem Personenkomitee, eine Koalition zu schmieden, die von Kardinal Christoph Schönborn über den ehemaligen Adjutanten des Bundespräsidenten General a. D. Hubertus Trauttenberg bis hin zum ehemaligen steirischen KPÖ-Chef Ernest Kaltenegger reichte. Namhafte Kulturschaffende wie Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek oder der Schauspieler Josef Hader komplettierten diese Allianz.

Nicht zuletzt aufgrund der Zusammenarbeit verschiedener gesellschaftlicher Akteur_innen ist der ursprüngliche Forderungskatalog des Personenkomitees aus dem Jahre 2002 heute umfassend umgesetzt. Die Umsetzung lässt sich am besten entlang der wichtigsten politischen Beschlüsse des Parlaments und anderer politischer Körperschaften nachzeichnen: die wissenschaftliche Aufarbeitung der Schicksale der österreichischen Opfer der NS-Militärgerichtsbarkeit, die sozialrechtliche Gleichstellung der Verfolgten der NS-Militärgerichte durch das Anerkennungsgesetz 2005, die endgültige Rehabilitierung durch den Beschluss des Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetzes 2009 und die Errichtung des Denkmals für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Wiener Ballhausplatz im Jahr 2014.

Sowohl die Gesetze als auch das Denkmal sind maßgeblich der Beharrlichkeit des Personenkomitees und insbesondere seines Ehrenobmannes, des ehemaligen Wehrmachtsdeserteurs Richard Wadani, zu verdanken.

Das Personenkomitee hat sich stets darum bemüht, wissenschaftliche Forschung mit parlamentarischer Arbeit zu koppeln und den Ergebnissen beider Tätigkeitsfelder massenmediale Präsenz zu verleihen. Diese Kombination ist zweifellos einer der Schlüssel für den Erfolg des Personenkomitees im Sinne der Demokratie und des Parlamentarismus in Österreich. Zahlreiche parlamentarische Anfragen und Anträge aus fünf Legislaturperioden, unzählige Zeitungsartikel, Radio- und Fernsehbeiträge, eine beträchtliche Anzahl von wissenschaftlichen Publikationen, eine mittlerweile an vier Standorten in Österreich präsentierte Ausstellung sowie Denkmäler in Wien und Bregenz zeugen von den Bemühungen um die Rehabilitierung der Opfer der NS-Militärjustiz. Erleichtert wurde diese Arbeit auch dadurch, dass zwei Mitglieder des Personenkomitees (ab 1998 Hannes Metzler, ab 2007 auch Thomas Geldmacher) als Referenten im Grünen Parlamentsklub tätig waren und es immer wieder Politiker_innen (nicht nur der Grünen) gab, die dem Thema gegenüber aufgeschlossen waren (seitens der Grünen etwa Andreas Wabl, Terezija Stoisits, Karl Öllinger, Stefan Schennach, Eva Glawischnig, Alexander Van der Bellen, Harald Walser, Albert Steinhauser und Wolfgang Zinggl, seitens der SPÖ Heinz Fischer, Barbara Prammer, Albrecht Konecny und Hannes Jarolim, seitens der ÖVP Andreas Khol und Fritz Neugebauer).

Die Akteur_innen des Personenkomitees (heute vor allem: die Politikwissenschaftler Thomas Geldmacher, Hannes Metzler, Mathias Lichtenwagner und Peter Pirker, der Historiker Magnus Koch, die Historikerin Lisa Rettl, die Kulturwissenschaftlerin Juliane Alton sowie Richard Wadani) haben ein jahrzehntelang ignoriertes Kapitel österreichischer Vergangenheitspolitik sichtbar gemacht, die anschließenden Diskussionen darüber maßgeblich geprägt und der Rehabilitierung der Opfer der NS-Militärjustiz immer wieder entscheidende Impulse gegeben. In der Folge hat sich zum einen das Bild des Deserteurs in der österreichischen Gesellschaft gewandelt; Österreichs politische Parteien haben ihre ursprünglich überwiegend ablehnenden Positionen zu den Wehrmachtsdeserteuren zum Teil drastisch geändert. Zum anderen hat insbesondere die historische Auseinandersetzung den Blick erweitert und ins Bewusstsein gerufen, dass der bisherige Verfolgtenbegriff weiter gefasst werden muss: von der Desertion hin zu verschiedensten Deliktformen, Handlungsmotiven und biografischen Hintergründen, von einer rein österreichischen Sicht hin zu einer europäischen Perspektive, die die Verfolgten in den von der Wehrmacht besetzten Länder mit einbezieht.

Seit der Eröffnung des Denkmals am Ballhausplatz sind die Opfer der NS-Militärjustiz auch symbolisch in der Mitte der österreichischen Gesellschaft angekommen. Die kontinuierliche Arbeit des Personenkomitees ist ein Beleg dafür, dass Demokratisierungs- und Aufklärungsbemühungen von Akteur_innen der Zivilgesellschaft politische Wirkung entfalten können. Rehabilitierung funktioniert nur, wenn sie öffentlich geschieht.

Die Geschichte des Personenkomitees

Es begann im Wintersemester 1998/99: Vier Studierende – Maria Fritsche (Geschichte), Hannes Metzler (Politikwissenschaft), Thomas Walter (Rechtswissenschaft) und Nina Horowitz (Politikwissenschaft) – interessierten sich im Rahmen des Seminars „Die Wehrmacht als Politikum. Ideologie – Struktur – Tätigkeit und Wirkungsgeschichte in Österreich“ für Geschichte und Gegenwart der österreichischen Wehrmachtsdeserteure. Sie schlugen das Thema ihrem Seminarleiter, dem Politikwissenschaftler Walter Manoschek, einem der Kuratoren der sogenannten ersten Wehrmachtsausstellung, für eine gemeinsame Seminararbeit vor.

Nach ersten Besuchen der Studierenden in den Archiven und Sichtung der Literatur stellte sich bald heraus, dass sich die historische Forschung in Österreich mit den Wehrmachtsdeserteuren noch kaum beschäftigt hatte. Der Jus-Student Thomas Walter etwa befasste sich mit der Frage, ob die Urteile der NS-Militärjustiz 1998 noch rechtskräftig und die verurteilten Deserteure oder „Wehrkraftzersetzer“ daher vorbestraft seien, und wandte sich daher in einem Brief an den damaligen Justizminister Nikolaus Michalek. Zur selben Zeit formulierte Hannes Metzler, zu diesem Zeitpunkt Mitarbeiter des Nationalratsabgeordneten der Grünen Andreas Wabl, eine ähnlich lautende parlamentarische Anfrage an den Justizminister. Aus den im Anschluss an diese Anfrage und deren Beantwortung im Frühjahr 1999 geführten parlamentarischen und öffentlichen Debatten resultierte im Juli des Jahres eine Entschließung des Nationalrates, in der dieser das Wissenschaftsministerium aufforderte, die Geschichte der österreichischen Opfer der NS-Militärgerichtsbarkeit erforschen zu lassen, um daraufhin die Aufhebung der Urteile von Amts wegen durchzuführen.

Aufgrund der Vorarbeiten der Jahre 1998/1999 erhielt eine Gruppe junger Wissenschaftler_innen um Walter Manoschek (David Forster, Maria Fritsche, Thomas Geldmacher, Hannes Metzler und Thomas Walter) den Zuschlag für ein Forschungsprojekt, das sich in den Jahren 2001–2003 den österreichischen Opfern der NS-Militärgerichtsbarkeit widmete. Diese Gruppe gründete das Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“, das sich am 11. Oktober 2002 konstituierte, dem 80. Geburtstag des ehemaligen Wehrmachtsdeserteurs und kritischen Begleiters des Forschungsprojektes Richard Wadani. Unter dem Titel „Späte Gerechtigkeit“ wurden in einem Forderungskatalog folgende Ziele formuliert:

1.) Die Aufhebung aller Urteile der Wehrmachtsjustiz und vergleichbarer Sondergerichte durch eine Entscheidung des Nationalrates

2.) Die Anerkennung von Haftzeiten in Konzentrationslagern und Gefängnissen als Ersatzzeiten für die gesetzliche Pensionsversicherung

3.) Die Anerkennung von Opfern der NS-Militärjustiz als Opfer des Nationalsozialismus und die Aufnahme dieser Personengruppe in das Versorgungs- und Entschädigungsrecht

4.) Die ideelle und finanzielle Förderung der historischen und politischen Aufarbeitung der NS-Militärjustiz durch die Republik Österreich

Richard Wadani, Sprecher des Personenkomitees, fügte diesen vier Punkten handschriftlich eine fünfte, zu diesem Zeitpunkt völlig unrealistische Forderung hinzu:

5.) Die Errichtung eines Denkmals für die Opfer der NS-Militärjustiz (Original hier)

Am 1. November 2002 führte das Personenkomitee seine erste von bisher 14 Gedenkveranstaltungen für die Opfer der NS-Militärjustiz beim Gedenkstein im Donaupark auf dem Gelände des ehemaligen Militärschießplatzes Kagran durch. In den Jahren 1940–1945 wurden dort hunderte Widerstandskämpfer und verurteilte Wehrmachtsangehörige erschossen.

Im Juni 2003 präsentierten Walter Manoschek und seine Mitarbeiter_innen im Rahmen des Symposiums „Österreichische Opfer der NS-Militärgerichtsbarkeit. Rehabilitation und Entschädigung“ die Ergebnisse ihres Forschungsprojektes im Abgeordneten-Sprechzimmer des Parlaments. Sowohl der seinerzeitige Erste Nationalratspräsident Andreas Khol als auch der Zweite Nationalratspräsident Heinz Fischer leiteten aus den publizierten Resultaten konkrete Handlungsoptionen für den Nationalrat ab. Dennoch dauerte es weitere zwei Jahre bis zum Beschluss des Anerkennungsgesetzes 2005, mit dem die Opfer der NS-Militärjustiz als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt und deren sozialrechtliche Schlechterstellung beseitigt wurden. Dafür waren zwei Entwicklungen hauptverantwortlich. Zum einen forderte der mittlerweile zum Bundespräsidenten gewählte Heinz Fischer Ende 2004 und ein weiteres Mal im Jänner 2005 im Rahmen der Tagung „Widerstand in Österreich“ im Parlament einen „unmissverständlichen Akt des Gesetzgebers“, um die Urteile gegen die Opfer der NS-Militärjustiz aufzuheben. Er brachte auf diese Weise die moralische Autorität seines Amtes ins Spiel. Zum anderen entspann sich im April 2005 im Zuge der Behandlung einer Dringlichen Anfrage von Grünen und SPÖ im Bundesrat an die damalige Justizministerin Karin Miklautsch eine heftige Diskussion. In deren Verlauf gab der designierte Bundesratspräsident Siegfried Kampl (BZÖ, vormals FPÖ) zu Protokoll, Deserteure seien „zum Teil Kameradenmörder“ gewesen. Er beklagte zudem die „brutale Naziverfolgung“ nach 1945. Nicht zuletzt aufgrund des großen medialen Echos, das diese Äußerungen auslösten, ließ die Regierung um Bundeskanzler Wolfgang Schüssel das erwähnte Gesetz ausarbeiten, das noch vor der Sommerpause 2005 im Nationalrat beschlossen wurde.

Aus Sicht des Personenkomitees war das Anerkennungsgesetz, allen sozialrechtlichen Fortschritten zum Trotz, unbefriedigend, weil es die Frage der Rehabilitierung durch die Wiederverlautbarung zweier gesetzlicher Bestimmungen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit (Aufhebungs- und Einstellungsgesetz 1945 und Befreiungsamnestie 1946) nicht abschließend klärte. Das Personenkomitee ließ es daher nicht dabei bewenden und plante die nächsten Schritte, um die endgültige Rehabilitierung voranzubringen.

Zu diesem Zweck gab sich das Personenkomitee 2008 formale Strukturen, gründete den Verein „Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ und suchte beim Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, beim Zukunftsfonds der Republik Österreich, bei der Stadt Wien und verschiedenen Bundesministerien um finanzielle Förderung an. Ziel war es, die 2007 in Berlin erstmals gezeigte, von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas entwickelte Wanderausstellung “‘Was damals Recht war …’ – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht” in einer für österreichische Zwecke adaptierten Form in Wien zu präsentieren. Die erforderlichen umfangreichen inhaltlichen Änderungen am Ausstellungskonzept leisteten ausschließlich die Mitglieder des Personenkomitees, das außerdem ein umfangreiches Begleitprogramm konzipierte, gemeinsam mit dem Verein Gedenkdienst die pädagogische Begleitung der Besucher_innen in die Hand nahm sowie sich um Öffentlichkeitsarbeit und politisches Lobbying kümmerte.

Die Eröffnung dieser Ausstellung im Leopoldstädter Theater Nestroyhof Hamakom fand nicht zufällig am 1. September 2009 statt, dem 70. Jahrestag des Überfalls des Deutschen Reichs auf Polen. Als Hauptrednerin fungierte die damalige Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die in ihrer Festansprache die rasche umfassende gesetzliche Rehabilitierung der Opfer der NS-Militärjustiz ankündigte. Der damalige Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer konnte der Eröffnung aufgrund eines Auslandstermins zwar nicht beiwohnen, ließ sich aber am Nachmittag des 1. September, also noch vor der offiziellen Eröffnung, durch die Ausstellung führen und zeigte sich sehr an der Materie interessiert. Zugleich übernahm er gemeinsam mit Barbara Prammer, Verteidigungsminister Norbert Darabos sowie Bundespräsident Heinz Fischer den Ehrenschutz für die Ausstellung. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer veranstaltete in Kooperation mit dem Personenkomitee am 18. September 2009 im Palais Epstein die Zeitzeug_innen-Veranstaltung „Störenfriede der Erinnerung“ mit Friedrich Cerha, Helga Emperger, Peter Kuchar, Hugo Pepper und Richard Wadani.

Die Ausstellung und die (auch international) umfangreiche mediale Berichterstattung brachten den Durchbruch: Am 7. Oktober 2009 präsentierten Justizministerin Claudia Bandion-Ortner sowie Hannes Jarolim, Heribert Donnerbauer und Albert Steinhauser, die Justizsprecher von SPÖ, ÖVP und Grünen, im Rahmen einer Pressekonferenz im Parlament einen Gesetzesvorschlag, der sich im Großen und Ganzen an einem Entwurf des Linzer Strafrechtsprofessors und langjährigen Unterstützers des Personenkomitees Reinhard Moos orientierte, den dieser Jahre zuvor im Auftrag der Grünen und des Personenkomitees verfasst hatte. Genau zwei Wochen später, am 21. Oktober 2009, wurde das Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz 2009 im Nationalrat mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und Grünen beschlossen. Zehn Jahre nach dem erstmaligen Auftauchen des Themas auf der politischen Agenda, nach zähen und aufgrund der politischen Konstellationen manchmal für Jahre festgefahrenen Verhandlungen wurde der parlamentarische Prozess zu Ende gebracht.

Nach den Wiener Gemeinderatswahlen im Jahr 2010 bemühte sich das Personenkomitee erfolgreich darum, im Koalitionsübereinkommen von SPÖ und Grünen einen Passus zu verankern, der die Realisierung eines „Mahnmals für Deserteure“ vorsah. Nach intensiv geführten Diskussionen, die sich insbesondere an der Frage des Standortes entzündeten, gab die Stadt Wien schließlich der Forderung des Personenkomitees nach und entschied, das Denkmal an einen zentralen Ort im Herzen der Republik, nämlich am Ballhausplatz, zu errichten. Der Berliner Künstler Olaf Nicolai entschied den geladenen Wettbewerb, der von KÖR Kunst im öffentlichen Raum GmbH durchgeführt wurde, und in dessen Jury auch zwei Mitglieder des Personenkomitees sowie – als beratende Stimme – Richard Wadani saßen, am 27. Juni 2013 für sich. Mehr als 69 Jahre nach Kriegsende, am 24. Oktober 2014, übergab Bundespräsident Heinz Fischer das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz im Rahmen eines Festaktes am Ballhausplatz der Öffentlichkeit.

Seither ist der Ballhausplatz ein Ort – und nicht länger bloß die leere Fläche zwischen Heldenplatz, Löwelstraße und Schauflergasse in der Wiener Innenstadt. (…)

Einige Mitglieder des Personenkomitees vor dem Deserteursdenkmal am Ballhausplatz

Einige Mitglieder des Personenkomitees vor dem Deserteursdenkmal am Ballhausplatz, Wien 2016.

Trostkaserne

Trostkaserne – Sammelpunkt für Todeskandidaten

In Wien wurden von der Wehrmachtsjustiz fünf Gefängnisse betrieben: Die Zentrale (WUG X) befand sich in Wien-Favoriten, nahe der Trostkaserne. Diese heute Starhemberg-Kaserne genannte Kaserne diente der nationalsozialistischen Militärjustiz als Haftort für Todeskandidaten. Es war Teil eines Unrechtsregimes das Deserteure, Selbstverstümmler, Saboteure, Wehrdienstverweigerer, usw. verfolgte.

Geschichte vor 1938
Die Kaserne wurde 1911/12 errichtet, zuerst Erzherzog-Franz-Ferdinand-Infanterie-Kaserne benannt, nach Ausrufung der Republik 1918 sodann Trostkaserne. Die Anlage wurde mehrmals erweitert und modernisiert, Adresse blieb aber immer Gußriegelstraße 45 bzw. Troststraße 105.

Übernahme durch die Wehrmacht
Nach dem „Anschluss“ 1938 übernahm die Wehrmacht alle Bundesheer-Kasernen, so auch die Trostkaserne. Die Kaserne diente zuerst dem Heer, ab 1940 der Luftwaffe, zwischen 1942 und 1944 wurden in Favoriten FlAK-Abteilungen massiv ausgebaut.

Verwendung für die Wehrmachtsjustiz
Zwischen 1940 und 1945 wurden aus den fünf auf die Stadt verteilten Wehrmachtsuntersuchungsgefängnissen, vor allem aus dem nur 1250 Meter entfernten „Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis X“ in der Hardtmuthgasse, zum Tode verurteilte Soldaten in die Trostkaserne gebracht. Sie sollten hier ihre letzte Nacht vor der Hinrichtung am Schießplatz Kagran verbringen sollen. Es handelte sich dabei einerseits um eine logistische Notwendigkeit um den Abtransport der Hinzurichtenden samt der Soldaten, die die Erschießung vornahmen, zu bewerkstelligen. Andererseits handelte es sich dabei um einen militärischen Usus um die „Ausstoßung aus dem Heer“ zu vollziehen.

Bericht
Der Wehrmachtsgeistlichen Franz Loidl war einer der wenigen Zeugen dieser Vorgänge. Er berichtet nach 1945:

„Daraufhin wurde der Soldat von zwei Begleitern abgeführt, in eine abgetragene Militärhose samt Rock gesteckt und zur Armensünderzelle geleitet. Man nannte dies ‚Ausstoßung aus dem Heer‘. Die düstere Zelle hatte kein Fenster, nur eine Klomuschel, einen wackeligen Tisch und zwei einfache Sessel als Einrichtung. Ein paarmal gab es ein dürftiges Henkermahl auf einem Blechteller, auch das hörte später auf. Nur Zigaretten verblieben. (…) Zur Wache vor der offenen Tür gesellten sich immer wieder abwechselnd Soldaten/Kameraden, die den Armen durch Gespräche, Witze etc. abzulenken suchten, auch sich mit ihm zu unterhalten anfingen.“

„Ein ärmlicher Tisch, zwei Sessel und ein Eisenbett waren mit dem WC die einzige Einrichtung des fensterlosen, schmalen Raumes. Vor der dauernd offengelassenen Tür (wegen der Beobachtung, damit sich der Verurteilte nicht etwas zufüge) postierte sich die Wache.“

„Da die ganze Nacht über geraucht wurde und der Qualm keinen Abzug hatte, brannten mir ein paar Tage lang die Augen oder schmerzten mich, wie man besser sagt. Seither weiß ich, wie ähnlich nach einer Operation eine Nacht dahinschleicht und wie eine Ewigkeit nicht zu vergehen scheint. Dieses Warten die Nacht über bis zum Morgen des letzten Tages sei die eigentliche Todesstrafe und Abbüßung, da jeder Todeskandidat die unabwendbare sofortige Vollstreckung als Erlösung empfinden, ja sogar wünschen würde, wie mir vom Kommandanten erzählt wurde. (…) Die schweren Stiefeltritte, das laute Rufen und das Zuschlagen der Eisentüren [ließen] kaum ein Stündchen Ruhe zu. Auch ließ es mir keine Ruhe, wollte ich ja den Armen nicht allein und sich selbst überlassen. Man hatte mir nicht nur einmal bedeutet, daß ein auf das Sterben Wartender das Alleinsein und Gefühl der Verlassenheit sehr hart und beängstigend empfinde.“

„Allzu langsam krochen die frühen Morgenstunden etwa ab zwei oder drei Uhr hin, zumal es nun auch im so grau und öd wirkenden Hause ruhig geworden war. Da die Erschießung mit Tagesanbruch vollzogen werden mußte – etwa zwischen 6:15 – 7:15 Uhr, je nach Jahreszeit –, wurde es bald nach 5 Uhr früh lebendig im Haus. Schlösser-Rasseln, Auf- und Zuschlagen der schweren Gitter, schwere Stiefeltritte ließen die Nähe des Aufbruchs und der Abfahrt ahnen. Ein Unteroffizier vom Dienst mit Helfern erschien, legte die Hände des Todeskandidaten in Ketten (Schließen), dann auch die Füße (um die Knöchel), aber gelockert, so daß er mit Hilfe der Begleiter trippeln konnte. Es ging über die Treppe hinab in den öden Hof, wo schon der Autokar, der vergitterte, dem Polizeiauto „Grüner Heinrich“ gleichende LKW wartete. Eine Wachmannschaft stieg nach. (…) Hie und da ein Blick durch die Fensterlucke ließ erkennen, daß sich der kleine Konvoi über die Triesterstraße, den Margaretner- und Wiednergürtel, die Prinz-Eugen-Straße, den Schwarzenbergplatz und Ring, vorbei an der Urania, dem Tegetthofdenkmal und über die Reichsbrücke auf holpriger Straße bewegte.“

Heutige Starhemberg-Kaserne des Österreichischen Bundesheeres, frühere Trostkaserne (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons by-sa 3.0 de)

Befreiung 1945 und Nutzung heute
Die Kaserne war als Teil der FlAK-Großkampfbatterie „Wienerberg“ stark in die Kämpfe gegen die Rote Armee eingebunden die ab dem 5.April 1945 versuchte Wien von der Wehrmacht und SS zu befreien. Erst am Abend des 6. Aprils war Wien-Favoriten bis zum Gürtel befreit. Bis 1955 benutzte die Rote Armee die Trostkaserne, danach übernahm sie das Bundesheer. 1967 erfolgte die Umbenennung in Starhemberg-Kaserne, die heute als Fernmeldetruppenschule dient.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2015

Auch heuer – und trotz der Ersten Gedenkfeier beim Deserteursdenkmal am Ballhausplatz – fand am 26.Oktober 2015 wieder eine Gedenkfeier in Kagran beim ehemaligen Schießplatz statt. Im Folgenden die Einladung, die Fotos reichen wir nach.

Nie wieder Gleichschritt!
14. Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz
Das Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« lädt herzlich zur 14. Gedenkveranstaltung »Nie wieder Gleichschritt!« an der ehemaligen Hinrichtungsstätte auf dem Gelände des Militärschießplatzes Kagran ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtsoldaten im Kugelhagel von Exekutionskommandos. Wir treffen uns zum Gedenken an alle ungehorsamen Soldaten und ZivilistInnen, die von Wehrmacht und SS ermordet wurden.

Zeit: 26. Oktober 2015, 10 Uhr 30 Uhr
Ort: Gedenkstein im Donaupark
Es spricht
Richard Wadani – Ehrenobmann des Personenkomitees „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“

Das Video der Gedenkfeier 2015 ist dem Youtube-Profil der AUGE/UG entnommen, wer sichs direkt dort ansehen möchte: Link zum Youtube-Video.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2014

Für Sonntag, den 26.Oktober 2014 lud das “Personenkomitee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’” zur Gedenkfeier nach Kagran. Sowohl Einladung als auch die Feier standen unter dem Eindruck des zwei Tage zuvor eröffneten Deserteursdenkmals am Ballhausplatz. Aus der Einladung:

Auch wenn es kaum möglich schien: Die Republik hat sich verändert. Am 24. Oktober 2014 wird der Bundespräsident am Ballhausplatz feierlich das Denkmal für die Wehrmachtsdeserteure und alle anderen Verfolgten der
NS-Militärjustiz eröffnen. Dies wird der vorläufige Endpunkt einer Entwicklung sein, die einige wenige, der Kälte trotzende Unentwegte im Herbst 2002 im Donaupark angestoßen haben. Damals fand beim Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen Militärschießplatzes Kagran die erste Kranzniederlegung für die Opfer der Wehrmachtsjustiz statt. Wir haben einen langen Weg zurückgelegt.

Die Gedenkkultur mag – und das ist ja auch ein Grund zur Freude – ins politische Zentrum gerückt sein, aber das ist kein Grund für uns, die Peripherie zu vergessen. Wir versammeln uns daher auch heuer wieder am 26. Oktober 2014 um 10.30 Uhr beim Gedenkstein im Donaupark an der Arbeiterstrandbadstraße, um der ungehorsamen Soldaten und ZivilistInnen zu gedenken, die zwischen 1938 und 1945 von Wehrmacht und SS ermordet wurden.

Es sprechen:
Viktoria Spielmann, Vorsitzende der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft

Richard Wadani, Wehrmachtsdeserteur und Ehrenobmann des Personenkomitees „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“

Den Text der Rede von Viktoria Spielmann ist hier zu finden (Link ÖH-Homepage).

Alle Fotos zur Verfügung gestellt vom Archiv des Vereins “Personenkomitee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’”

Österreichische Gedenkinitiativen

ÖSTERREICHISCHE GEDENKINITIATIVEN 

Diverse versteckte oder temporäre Deserteursdenkmäler in Österreich

Diverse versteckte oder temporäre Deserteursdenkmäler in Österreich

Erst seit dem 24.10.2014 gibt es in Österreich einen Ort, an dem in angemessener und kollektiver Form die Leiden und Handlungen derjenigen Männer und Frauen erinnert und gewürdigt wird, die von der NS-Militärjustiz verurteilt wurden. Vor 2014 – und damit 69 Jahre der Zweiten Republik – waren die verschiedene Denkmalsinitiativen Einzelpersonen gewidmet, nur temporär und auf meist abgelegenen Orten platziert.

Die meisten der vorgestellten Denkmalsinitiativen sind bis heute einzelnen Akteuren gewidmet, beziehen sich also nicht auf das Gruppenschicksal der Verfolgten; einige Denkmäler erwähnen nicht einmal, dass es sich bei den genannten Personen um Opfer deutscher Militärgerichte ging; andere Initiativen konnten nicht erfolgreich zu Ende geführt werden oder waren von vornherein nur als temporäre Aktionen geplant.

Vergessene Opfer

Die mit Abstand größte Zahl an Denkmälern, die heute in Österreich an den Zweiten Weltkrieg erinnern, sind Kriegerdenkmale. Dieses »Heldengedenken« schließt die Erinnerung an die Opfer der NS-Militärjustiz noch immer aus. Denkmalsinitiativen scheitern bis heute immer wieder an Institutionen und Akteuren, die Österreich nach 1938 als Opfer nationalsozialistischer Politik sehen und gleichzeitig den besonderen Charakter des Zweiten Weltkriegs als Angriffs- und Vernichtungskrieg verleugnen. Viel zu wenig ist über lokale Initiativen zur öffentlichen Rehabilitierung der Deserteure bekannt; deshalb kann diese Aufzählung auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Diese Seite ist work-in-progress. Sollten Sie weitere Gedenkorte oder -initiativen kennen die sich Deserteuren, Kriegsdienstverweigerern, »Wehrkraftzersetzern«, »Selbstverstümmlern« oder Hoch- und Landesverrätern im weitesten Sinne widmen, freuen wir uns sehr über Informationen! Kontakt-Seite

 

Denkmal in Bregenz / Foto: Vorarlberger Nachrichten/Stiplovsek

Denkmal in Bregenz / Foto: Vorarlberger Nachrichten (Stiplovsek)

Bregenz I (Vorarlberg)
Seit November 2010 erinnert eine Stele des Künstlers Georg Vith an den katholischen Kriegsdienstverweigerer Ernst Volkmann. Am 23. September 2007 brachte die Stadt Bregenz auf Initiative des Vorarlberger Historikers Meinrad Pichler eine Gedenkplatte für den Kriegsdienstverweigerer Ernst Volkmann an die Außenmauer der Bregenzer Galluskirche an. Erstmals gedachte Vorarlberg eines Opfers der NS-Militärjustiz. Gut drei Jahre später, am 14. November 2010, wurde diese Plakette ersetzt durch eine Stele, die dem religiösen Verweiger ein ehrendes Gedenken bereitet. Sie dokumentiert Informationen zur Biografie des 1941 in Brandenburg hingerichteten Katholiken. Für den Schöpfer der Stele, den Vorarlberger Künstler Georg Vith, ist die aus dem Alltag stammende Formensprache des Werkes besonders geeignet, Denkanstöße zu bieten. Bis heute wird Ernst Volkmann übrigens auf dem benachbarten Kriegerdenkmal unter den Gefallenen des Kriegesjahres 1941 aufgeführt.

Mehr Infos zur Stele ist auf der Seite der Johann-August-Malin-Gesellschaft zu finden. Aktuelle Informationen zu dem in Bregenz geplanten Deserteursdenkmal sind einer Anfrage und Anfragebeantwortung zu entnehmen.

 

Bregenz II (Vorarlberg)
Am 14. November 2015 wurde am Sparkassenplatz das Bregenzer Widerstandsmahnmal feierlich eröffnet. Hauptrednerin der Veranstaltung war die Philosophin und Holocaust-Überlebende Ágnes Heller.

Bereits 2011 hatten die Bregenzer Grünen und die Johann-August-Malin-Gesellschaft die Errichtung eines Denkmals gefordert – allerdings sollte es den Vorarlberger Wehrmachtsdeserteuren und Wehrdienstverweigerern allein gewidmet sein. Eine vom Bregenzer Bürgermeister eingesetzte Arbeitsgruppe legte allerdings fest, das Denkmal solle an “jene Vorarlbergerinnen/Vorarlberger erinnern, die dem nationalsozialistischen Unrechtsregime den Gehorsam verweigert oder aufgekündigt haben: im Besonderen an Wehrdienstverweigerer und Deserteure, an Widerstandskämpferinnen/ Widerstandskämpfer und an Bürgerinnen/Bürger, die gegenüber Verfolgten und Misshandelten trotz Verbots Menschlichkeit geübt haben”. Ein offener Wettbewerb wurde ausgeschrieben, den die kärntner-slowenische Künstlerin Nataša Sienčnik für sich entschied.

Bregenz II SchemaIhr Denkmal besteht aus einer Reihe von Fallblattanzeigen, die die Namen und wichtigsten Stichworte zu den Verfolgten zeigen (siehe Grafik). Abfahrtstafeln an Bahnöhfen oder Flughäfen gleich, bleiben die Information nur für einen kurzen Augenblick zu sehen. Das Geräusch des Weiterblätterns wird durch einen Lautsprecher verstärkt, was die Aufmerksamkeit der PassantInnen zusätzlich weckt. Der Text verweist auf die ProtagonistInnen des Widerstandes,  veranschaulicht die Vielzahl an Möglichkeiten, sich zu widersezten und zeigt die Konsequenzen auf, die damit einhergingen.

Mehr Infos zum Denkmal: Eintrag zum Denkmal auf erinnern.at mit einigen weiteren Links / Umfangreiches Begleitprogramm mit vielfältigen Aspekten der Verfolgung und der Nachgeschichte / Eine Denkmal-Homepage mit grundlegenden Informationen und pädagogische Materialien zum Themenkomplex sind in Vorbereitung

 

Denkmal in Dornbirn / Foto: Werner Bundschuh/ Johann-August-Malin-Gesellschaft

Denkmal in Dornbirn / Foto: Werner Bundschuh (Johann-August-Malin-Gesellschaft)

Dornbirn (Vorarlberg)
1993 enthüllten SPÖ, ÖVP und Grüne einen Gedenkstein, der sich den »Opfern der NS-Gewaltherrschaft« widmet und auf dem sich auch der Name des »Wehrkraftzersetzers« Rudolf Bodemann befindet.
Die Bregenzer Johann-August-Malin-Gesellschaft stieß, unterstützt von überlebenden Deserteuren der Wehrmacht, Ende der 1980er Jahre in Dornbirn Diskussionen über ein Denkmal für Opfer des Nationalsozialismus an. Diese Pläne stießen, wie fast überall in Österreich, auf erbitterten Widerstand vor allem bei traditionspflegenden Kameradschaftsbünden und der FPÖ.
Die Auseinandersetzungen in Dornbirn dauerten bis 1993. Dabei ging es zum einen um die Frage der namentlichen Erwähnung von NS-Opfern, zum anderen aber auch darum, welche Opfergruppen auf einem Gedenkstein überhaupt Erwähnung finden sollten: Insbesondere Homosexuelle sowie verurteilte Deserteure und »Wehrkraftzersetzer« waren zunächst auch für die ÖVP nicht tragbar. Zudem sah ein Antrag der Mehrheitsfraktion der Konservativen zunächst ein pauschales Gedenken »für die Ermordeten, die Kriegsgefallenen, die Verwundeten aus Dornbirn und die Toten aus ganz Europa« vor – oder auch ein »Kriegerdenkmal«, das zwischen Deserteuren und gefallenen regulären Soldaten nicht unterscheiden sollte. Nach zähen Auseinandersetzungen und der Einsetzung einer Historikerkommission  beschloss eine Mehrheit von ÖVP, SPÖ und der »Bürgerliste« (Grüne) schließlich einen Gedenkstein, auf dem sich unter anderen auch der Name des wegen »Wehrkraftzersetzung« zum Tode verurteilten Rudolf  Bodemann befindet.

Die Inschrift  lautet: »Friede-Menschenwürde-Toleranz/ Zur Erinnerung an alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dornbirn, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft wurden, die in Konzentrationslagern und Gefängnissen gelitten haben, die ausgegrenzt und verfolgt wurden. Den wehrlosen Opfern der Euthanasie und den Ermordeten von Widerstand und Verfolgung. [Es folgen Namen von Opfern].« Bis heute führt übrigens das »Online-Projekt Gefallenendenkmäler« im Netz Rudolf Bodemann als gewöhnliches Kriegsopfer.

 

    Grabdenkmal am Friedhof von Bad Eisenkappel / Železna Kapla (2001) / Foto: Lisa Rettl

Grabdenkmal am Friedhof von Bad Eisenkappel / Železna Kapla (2001) / Foto: Lisa Rettl

Eisenkappel/Železna Kapla (Kärnten/Koroška)
Auf dem Friedhof des Südkärntner Dorfes befindet sich ein Grabdenkmal für den Deserteur und Partisanen Franc Pasterk.
Der Friedhof der kleinen Marktgemeinde Bad Eisenkappel/Železna Kapla nahe der slowenischen Grenze verweist bis heute auf einen heimatlichen Kriegsschauplatz: Rund 120 Partisanen und Partisaninnen, die in dieser Gegend zwischen 1942 und 1945 im bewaffneten Widerstand gegen das NS-Regime den Tod fanden, sind hier beerdigt. Auf dem Friedhof befindet sich auch das Grab des kärntner-slowenischen Deserteurs und Partisanenkommandanten Franc Pasterk-Lenart. Das quaderförmige Grabdenkmal aus Marmor, das der Kärntner Partisanenverband hier errichtete, verbindet personenzentriertes und allgemeines Gedenken an die kärntner-slowenischen Opfer und Partisanen. Auf letzteres verweist die übergeordnete slowenischsprachige Inschrift: »MOSTOVI RASTO IZ VSEH ČLOVEŠKIH SRC SE PNO IN V VSA SRCA« (Brücken wachsen aus allen Menschenherzen und verbinden sie miteinander), kombiniert mit der namentlichen Nennung von in Konzentrationslagern ermordeten EisenkapplerInnen und gefallenen PartisanInnen.

Gedenktafel für die Brüder Jurij und Franc Pasterk in Lobnig/Lobnik, 2001 / Foto: Lisa Rettl

Gedenktafel für die Brüder Jurij und Franc Pasterk in Lobnig/Lobnik, 2001 / Foto: Lisa Rettl

Franc Pasterk wurde auf dem Grabdenkmal eine eigene Inschrift gewidmet: »SLAVA NARODNEMUHERHOJU FRANCU PASTERK-LENARTU IN TOVARIŠEM« (Ehre dem Volkshelden Franc-Pasterk-Lenart und den Kameraden), verbunden mit einem bronzenem Porträt-Relief am Fuß der Marmorstele. Seit der Überstellung seines Leichnams von seinem Todesort Mežica (Slowenien) nach Bad Eisenkappel im Jahr 1949 wurden hier vom Kärntner Partisanenverband Gedenkfeiern organisiert. Die besondere Stellung Franc Pasterks im Gedächtnis der Kärntner SlowenInnen wird anhand einer weiteren Gedenktafel deutlich, die der Partisanenverband 1959 am Geburtshaus im nahe gelegenen Lobnig – Ziel alljährlicher gut besuchter Gedenkwanderungen – installierte: »Das ist das Geburtshaus des Nationalhelden Franc Pasterk-Lenarts, geb. 12. März 1912, gefallen als Kommandant des 1. Kärntner Bataillons am 6. April 1943, und Jurij Pasterks, des Besitzers dieses Hauses, geb. am 12. April 1903, enthauptet in Wien am 29. April 1943. Ehre den Kämpfern für die Freiheit«, steht auf der slowenischsprachigen Gedenktafel zu lesen.

Die Brüder Pasterk nehmen im Gedächtnis der Kärntner SlowenInnen als zentrale »Begründer« des Kärntner Partisanenkampfes bis heute eine herausragende Stelle ein, wohingegen dem Großteil der deutschsprachigen Mehrheit die kärntner-slowenischen WiderstandskämpferInnen vorrangig als »Verräter« gelten und ihre Gedenkstätten als Ausdruck einer territorialen »Slowenisierung Kärntens« gelesen werden.

 

Altes Denkmal in Goldegg im Pongau (Salzburg) / Foto: Archiv Michael Mooslechner

Altes Denkmal in Goldegg im Pongau (Salzburg) / Foto: Archiv Michael Mooslechner

Goldegg im Pongau (Salzburg)
Ein Gedenkstein zwischen Hochleitner-Hof und Böndlsee im Salzburger Pongau erinnert an Simon und Alois Hochleitner; ein Hinweis auf die Fahnenflucht der Brüder und ihre Ermordung durch die SS fehlt allerdings. 2005 schrieb der Linzer Komponist Thomas Doss eine »Symphonie der Hoffnung im Gedenken an die Deserteure von Goldegg.
Die Mutter der beiden Deserteure Simon und Alois Hochleitner ließ kurz nach Kriegsende auf Weg von ihrem Hof zum Böndlsee ein Holzkreuz mit folgender Inschrift aufstellen: »Unvergesslich meine Söhne Simon und Alois Hochleitner, welche hier am 2. Juli 1944 meuchlings erschossen wurden«. Einige Jahrzehnte später ließ die Familie das Kreuz durch einen Gedenkstein ersetzen, auf dem der Hinweis auf die Ermordung der Brüder fehlte. Außerdem bemühte sich die Familie Hochleitner um eine Aufnahme von Simon und Alois Hochleitner in die Liste der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges am örtlichen Friedhof. Offensichtlich hatte die Familie schon bald nach Kriegsende die feindliche Stimmung gegenüber den NS-Opfern zu spüren bekommen. Ein Denkmal akustischer Art komponierte der Linzer Musiker Thomas Doss im Gedenkjahr 2005 auf Initiative des damaligen Bezirksobmanns der Pongauer Blasmusik, Hans Mayr. Der Komponist nahm die Verfolgung und Ermordung von Deserteuren und ihrer Familien in Goldegg zum Anlass die sogenannte »Symphonie der Hoffnung« schreiben. Das Werk wurde durch Trachtenmusikkapellen aus Goldegg und Taxenbach mit mehr als 120 Musikerinnen und Musikern einstudiert und vor über 3.000 Menschen an verschiedenen Orten der Region aufgeführt.

Im Jahre 2013 ergriff Brigitte Höfert, Tochter eines der ermordeten Deserteure (Karl Rupitsch) die Initiative: Sie trat an den renommierten Bildhauer Anton Thuswaldner aus Kaprun heran und bat ihn um einen Entwurf für ein Erinnerungszeichen. Der in der Folge angerfertigte Gedenkstein sollte zunächst im Hof des Schlosses Goldegg, also dem historisch-symbolischen Zentrum des Ortes, verlegt werden. Mit der Gemeinde konnte jedoch keine Einigung erzielt werden und so wurde der Stein schließlich an anderer Stelle gesetzt. Am 8. August 2013 konnte der Stein auf dem Gelände des Regenerationszentrums in Goldegg eingeweiht werden.

Mehr Infos auf der Homepage “Die Goldegger Wehrmachtsdeserteure” (v.a. zu den zahlreichen – auch konfliktreichen – Entwicklungen) / Eröffnungsrede von ao.Univ.-Prof. Dr. Walter Manoschek zur Enthüllung Gedenktafel an die Wehrmachtsdeserteure, Verweigerer und Selbstverstümmeler in Goldegg/Weng am 8. August 2014

 

Gedenkkreuz am Grazer Stadtrand / Foto: Hans Fraeulin, Georg Fuchs

Gedenkkreuz am Grazer Stadtrand / Foto: Hans Fraeulin, Georg Fuchs

Graz (Steiermark)
1988 wurde auf der Ries am Stadtrand von Graz ein Gedenkkreuz für »7 junge Soldaten« eingeweiht, die »wegen Widerstandes hingerichtet« wurden.
Bereits Anfang der 1950er Jahre wurde auf der Ries am Stadtrand von Graz ein Gedenkkreuz errichtet, das an sieben junge Soldaten erinnerte, die sich Anfang April 1945 unerlaubt von ihrer Truppe entfernt hatten und deshalb von einem Militärstandgericht in Graz zum Tode verurteilt wurden. Der Standort wurde gewählt, weil die Behörden die Leichen der Soldaten aus Abschreckungsgründen an der Riesstraße zur Schau gestellt hatten. Unbekannte Personen entfernten dieses Denkmal aber bereits kurze Zeit später. Erst im Gedenkjahr 1988 enthüllten Stadt Graz und Pfarre St. Leonhard ein neues, steinernes Gedenkreuz auf der Ries. Eine Texttafel trägt die Aufschrift:

»Hier wurden / am 4. April 1945 / 7 junge Soldaten / wegen Widerstandes / hingerichtet«

– von der Desertion ist also keine Rede. Seit 1995 organisiert der Musiker und Theaterkünstler Hans Fräulin jeweils am 4. April Gedenkfeiern an diesem Ort.

 

Denkmal in Greifenburg. Foto: A. H. Pirker

Denkmal in Greifenburg. Foto: A. H. Pirker

Greifenburg (Kärnten/Koroška)
Im Oberen Drautal eröffneten die Vereine kuland und aegide im Oktober 2012 nach einem mehrjährigen Forschungs- und Diskussionprozess für 40 lokale NS-Opfer das “Denkmal für die Verfolgten des Nationalsozialismus im Oberen Drautal”. Auf der Erläuterungstafel des Denkmales in Greifenburg wird die Verfolgung von Wehrmachtsdeserteuren explizit thematisiert. Mehr als ein Viertel der Erinnerten wurde von den Nationalsozialisten wegen Fahnenflucht, Befehlsverweigerung, Kriegsdienstverweigerung, Wehrkraftzersetzung und Unterstützung von Deserteuren getötet, etwa der Wehrmachtsdeserteur Stefan Hassler aus Dellach im Drautal oder der Kriegsdienstverweigerer Hermann Fertin aus Oberdrauburg.

Mehr Informationen hier: Homepage “Aus dem Gedächtnis – in die Erinnerung.”

 

Hartberg (Steiermark)

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Quelle: Generationendialog-Steiermark.at

Im steirischen Hartberg wird ein Denkmal für die Gefallenen einer Widerstandsgruppe um Gustav Pfeiler der Öffentlichkeit übergeben, der neben Wehrmachtsdeserteuren auch Männer des Volkssturms angehörten. Rund 40 Personen hatten bei Kriegsende gegen zunehmend stärker werdende SS-Verbände gekämpft. 13 Personen wurden am
4. Mai 1945 in Hartberg von einem Standgericht zum Tode verurteilt und anschließend ermordet. Weitere UnterstützerInnen der Widerstandsgruppe tötete die SS um den 7. Mai herum, nachdem sie sich vor der anrückenden Roten Armee zurückzog.

 

Temporäre Denkmäler in Krems (NÖ) / Foto: Robert Streibel

Temporäre Denkmäler in Krems (NÖ) / Foto: Robert Streibel

Krems (Niederösterreich)
Der Historiker Robert Streibel stellte im Oktober 2009 im Stadtzentrum insgesamt sechs Informationstafeln auf, die an Kremser Deserteure erinnerten.

Binnen 24 Stunden ließ die Stadtverwaltung diese Tafeln entfernen.
Der Historiker Robert Streibel machte im Oktober 2009 auf das fehlende Gedenken an die Deserteure, »Wehrkraftzersetzer« und andere Opfer der NS-Militärjustiz aufmerksam. Zur Erinnerung an fünf namentlich bekannte Kremser Fahnenflüchtige rief er eine »Deserteurs-Meile« aus und stellte auf dem zentral gelegenen Südtirolerplatz, auf dem 1945 drei Deserteure gehängt worden waren, sowie beim Denkmal für den Wehrmachtsgeneral Karl Eibl sechs Tafeln auf. Am Südtirolerplatz waren bei Kriegsende drei Deserteure gehängt worden. Streibel schrieb:

»Ganz selbstverständlich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Erinnerung an die Gefallenen begonnen und gepflegt. Nicht nur einfache Soldaten der Deutschen Wehrmacht, sondern auch Generäle werden ganz selbstverständlich geehrt. Dies ist ein Teil unserer Geschichte. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit soll nun auch der Deserteure und Wehrdienstverweigerer gedacht werden. Nach mehr als 60 Jahren eine Selbstverständlichkeit. Ein Initiativkomitee lädt Sie zu dieser Aktion Zivilcourage ein. Wer könnte etwas dagegen haben? Selbstverständlich niemand.«

Die Stadt Krems entfernte am nächsten Tag die Installation und berief sich darauf, dass Streibel die erforderlichen Genehmigungen nicht eingeholt habe. Dennoch brachte Streibel mit seiner Initiative eine Diskussion in Gang, die die Kommunalpolitik unter Druck setzte. Bis heute harrt das Denkmal seiner Verwirklichung.

 

Gedenktafel in der Gedenkstätte Mauthausen / Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Gedenktafel in der Gedenkstätte Mauthausen / Foto: KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Mauthausen (Oberösterreich)
Im Mai 1997 wurde eine Tafel enthüllt, die »den pazifistischen Widerständen in der Wehrmacht gegen Verbrechen und Krieg, Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern, in Erinnerung an zehntausende Opfer der NS-Militärjustiz« gewidmet ist.

In Mauthausen wurde am 17. Mai 1997 eine Tafel enthüllt, die an rund 15.000 hingerichtete Deserteure und Kriegsdienstverweigerer der Wehrmacht erinnert. Initiator der Gedenkveranstaltung war das Europäische Büro für Kriegsdienstverweigerung (EBCO). Bereits am Tag zuvor hatte EBCO in Kooperation mit der Friedenswerkstatt Linz und unter Mitwirkung von Amnesty International, Pax Christi, der Evangelischen Kirche Deutschlands, des Oberösterreichsichen KZ-Verbandes, des Oberösterreichischen Studentenwerkes, Mitgliedern des Europäischen Parlamentes, des Deutschen Bundestages und anderen in Linz eine internationale Zusammenkunft von Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren des Zweiten Weltkrieges und den Armeen des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien veranstaltet. Auf die Gedenktafel ist folgender Text eingraviert: »Den pazifistischen Widerständen in der Wehrmacht gegen Verbrechen und Krieg. Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern, in Erinnerung an zehntausende Opfer der NS-Militärjustiz.«

 

Salzburg
Denkmalsinitiativen der ungewöhnlichen Art hat der deutsche Aktionskünstler Wolfram Kastner in den Jahren 1996/1997 in Salzburg vorangetrieben. Kastner und eine Reihe anderer Künstler und Friedensaktivisten verbanden ihre Initiativen für ein Deserteursdenkmal in Salzburg stets mit Protestinitiativen gegen Aufmärsche der »SS-Kameradschaft IV« in Salzburg. Im Jahre 1996 wehrte sich die Stadt gegen den Versuch der der Bürgerliste, ein Totengedenken zu Ehren der 1944 von der SS ermordeten Salzburger Deserteure durchzusetzen. Spontane Aktionen zu deren Ehrung im November 1996 unterband die Bundespolizei, es folgten Strafverfügungen und Straferkenntnisse für die Teilnehmenden. Ein Jahr später meldete Kastner eine »unsichtbare Versammlung« und die »Errichtung eines unsichtbaren Denkmals für die ermordeten Deserteure« an. Beides wurde aus formalen Gründen verboten, Einsprüche gegen die betreffenden Bescheide wurden von österreichischen Höchstgerichten (VwGH und VfGH) abgelehnt. Nach einer Kranzniederlegung wiederum gemeinsam mit Vertretern der Bürgerliste ermittelte die Polizei abermals wegen »Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und rücksichtsloser Störung«.

 

Bsptext

Denkmal für Stolzlechner / Foto: Personenkomitee

Schlaiten (Osttirol)
Auf dem Friedhof des Osttiroler Dorfes befindet sich eine Erinnerungstafel an den in Wien-Kagran erschossenen Deserteur Franz Stolzlechner. Die Umstände seines Todes werden allerdings nicht erwähnt. Der 19-jährige Landwirt Franz Stolzlechner war im Sommer 1943 nach einem Heimaturlaub nicht zu seiner Einheit zurückgekehrt und versteckte sich in den folgenden Monaten gemeinsam mit zwei Kameraden in der Umgebung seines Heimatortes. Im Jänner 1944 wurde Stolzlechner verhaftet und im Juli 1944 auf dem Militärschießplatz Wien-Kagran hingerichtet. Nach Kriegsende ließ Stolzlechners Familie auf dem Friedhof von Schlaiten eine Erinnerungstafel anbringen, aus dem allerdings die näheren Umstände des Todes des Deserteurs nicht hervorgehen.

 

 

Denkmal für Franz Jägerstätter in St. Radegund / Foto: Wikipedia

Denkmal für Franz Jägerstätter in St. Radegund / Foto: Wikipedia

St. Radegund (Oberösterreich)
Der katholische Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter, der 1943 in Brandenburg bei Berlin hingerichtet wurde, ist vielleicht das bekannteste Opfer der NS-Militärjustiz überhaupt. 2007, im Jahre des 100. Geburtstages von Franz Jägerstätter, weihte die Gemeinde St. Radegund ein Denkmal für den bekanntesten Sohn des Ortes ein. Der aus Holz geschnitzte Obelisk trägt die Inschrift »Besser die Hände als der Wille gefesselt. Franz Jägerstätter«. Das Denkmal steht auf einem alten Schulgebäude, das heute Sitz des Künstlerhauses »Farbwerk« ist, auf dessen Initiative die Holzskulptur auch entstanden ist. Inner- und außerhalb von Jägerstätters Geburtsort gibt es seit den 1960er Jahren Jahren eine Reihe von Gedenkinitiativen, so auch in Deutschland. Um nur einige der vielen Ehrungen und Denkzeichen zu nennen: Seit 1995 befindet sich dauerhaft eine Gedenktafel vor dem Gebäude des ehemaligen Reichskriegsgerichts in Berlin, das Jägerstätter wegen »Wehrkraftzersetzung« zum Tode verurteilt hatte; seit 1993 ehrte ihn die österreichische Post durch Herausgabe einer Sondermarke; im 14. Wiener Stadtbezirk wurde ebenfalls 1993 dem Pazifisten eine Straße gewidmet; 2006 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig vor dem Jägerstätter-Haus in St. Radegund einen Stolperstein; die Stadt Braunau am Inn benannte im Jahre 2008 einen Park nach Franz Jägerstätter; am Vorabend seines 103. Geburtstages, am 20.Mai 2010, wurde das Studierendenheim der Katholischen Hochschulgemeinde Linz in »Wohnheim für Studierende Franz Jägerstätter« umbenannt; am dem 26. Oktober 2007 sprach Papst Benedikt XVI. Franz Jägerstätter selig. Gleichwohl fanden und finden sich in der katholischen Kirche Österreichs immer wieder Vertreter einer Linie, die soldatischen Gehorsam auch im Kontext des Vernichtungskrieges einfordern. Die ungewöhnliche Aufmerksamkeit und die große Zahl an Ehrungen ist sicher vor allem darauf zurückzuführen, das Jägerstätter als religiöser Verweigerer insbesondere für den Wertehimmel des bürgerlich-konservativen Lagers wesentlich eher tragbar war und ist als etwa kommunistische Verweigerer oder etwa so genannte Selbstverstümmeler, bei denen christlich-religiöse Motive eine untergeordnete Rolle spielten.

 

Hallein (Salzburg)
Seit Mitte 2015 erinnert ein “Stolperstein” an den Wehrmachtsdeserteur Ernst Hallinger. Der am 26. April 1907 geborene Tischler und Funktionär der KPÖ diente in der Luftwaffe. Während eines Heimaturlaubs im Frühjahr 1944 beschloss er nicht mehr einrücken zu wollen. Im Frühjahr 1944 gelang es ihm sich mit Hilfe seiner Familie in Haslach (bei Glasenbach, Salzburg) zu verstecken, wobei ihn seine Familie versorgte. Die SS spürte ihn auf, das Gericht der Division Nr. 418 in Salzburg verurteilte ihn zum Tode. Zwei Tage vor seiner für den 25.Oktober 1944 anberaumten Hinrichtung wurde er ins Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Wien-Favoriten (WUG X) überstellt und sodann in Kagran hingerichtet. (Quelle (Wiki)/Quelle (DÖW))

 

Denkmal in Villach/Beljak / Foto: Verein kärnöl

Denkmal in Villach/Beljak / Foto: Verein kärnöl

Villach/Beljak (Kärnten/Koroška)
Der Verein Erinnern Villach erinnert auf dem 1999 eröffneten Denkmal der Namen im Stadtzentrum an eine Reihe von Wehrmachtsdeserteuren und UnterstützerInnen, die von der NS-Justiz hingerichtet wurden, etwa die Angehörigen der Partisanengruppe von Treffen Erich Ranacher und Heinrich Brunner sowie ihre Helferinnen Maria Peskoller, Rosa Eberhard und Margarethe Jessernig. Mehr Informationen hier: Verein Erinnern Villach.

 

 

 

Wien
Bereits um das Jahr 1990 hatte die Künstlerin Friedrun Huemer als Mitglied einer Bezirksgruppe der Grünen in Wien ein mobiles Denkmal für die Deserteure geschaffen. Das Mobile Denkmal war an verschiedenen Orten in Wien zu sehen. Aus der Initiative konnte allerdings kein dauerhaftes Denkmal hervorgehen.

Am 26. Oktober 1998 wurde in Wien von der Arbeitsgemeinschaft für Wehrdienstverweigerung und Gewaltfreiheit/Deserteurs- und Flüchtlingsberatung und anderen Initiativen ein temporäres Deserteursdenkmal aus Pappmaché der Künstlerin Tanja Windbüchler enthüllt. Anlass war die Heeresleistungsschau am gegenüberliegenden Heldenplatz, Aufstellungsort der Maria-Theresien-Platz zwischen Natur- und Kunsthistorischem Museum.

Aktion am 26.10.1998 am Maria-Theresien-Platz, Plastik: Deserteur der Jugoslawienkriege (von Tanja Windbüchler) Foto: Irene Messinger

Aktion am 26.10.1998 am Maria-Theresien-Platz, Plastik: Deserteur der Jugoslawienkriege (von Tanja Windbüchler)
Foto: Irene Messinger

 

Temporäres Denkmal für Deserteure am Heldenplatz / Foto: AK Denkmalpflege

Temporäres Denkmal für Deserteure am Heldenplatz / Foto: AK Denkmalpflege

Wien: Heldenplatz
Im September 2009 enthüllte der »AK Denkmalpflege« ein temporäres Deserteursdenkmal auf dem Heldenplatz. Das Denkmal bestand aus zwei roten eckigen Klammern und einer erläuterenden Tafel. Die Tafel am Fuße des Denkmals trug die Aufschrift:

Dieses Denkmal steht für
[k]eine Auseinandersetzung
[k]eine Rehabilitierung
[k]ein Gedenken
für die Opfer der NS-Militärjustiz.
Bewaffneter Widerstand, Zersetzung, Entziehung, Unerlaubte Entfernung, Desertion/Fahnenflucht, Landes-, Hoch-, Kriegsverrat, Sabotage, Meuterei, u.A.
Dank und Anerkennung dem antifaschistischen Widerstand.

Auf dem Wiener Heldenplatz hatte Adolf Hitler im Frühjahr 1938 seine Rede anlässlich des »Anschlusses« gehalten, und hier wird in der nahen Krypta nach wie vor den österreichischen “Helden” der beiden Weltkriege gedacht. Das Denkmal musste binnen einer Stunde den Aufbauarbeiten für das Erntedankfest der ÖVP Wien weichen. 2013 wurde es in gleicher Konfiguration ein weiteres Mal temporär aufgestellt, diesmal am Standort Ballhausplatz – vor den jeweiligen Amtssitzen von Bundespräsident und Bundeskanzler.

 

Kranzniederlegung beim Denkmal in Kagran (Wien) / Foto: »Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«

Kranzniederlegung beim Denkmal in Kagran (Wien) / Foto: »Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«

Wien: Kagran
Seit 1984 erinnert ein Gedenkstein im Donaupark daran, dass hier zwischen 1938 und 1945 »zahlreiche österreichische Freiheitskämpfer aus den Reihen der Wehrmacht erschossen« wurden.
Seit 2002 veranstaltet das Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« um den 26. Oktober im Donaupark, auf dem Gelände des ehemaligen Militärschießplatzes Kagran, Gedenkfeiern für die hier hingerichteten Opfer der NS-Militärjustiz. Zwischen 1940 und 1945 wurden hier mindestens 129 Menschen erschossen. 1964 wurde der Militärschießplatz geschleift, der genaue Standort der Hinrichtungsstätte ist umstritten. Er befand sich entweder auf dem Gebiet des heutigen ‘Sparefroh-Spielplatzes’ oder im hinteren Bereich des Sportcenters (Kratochwjlestraße 3/Leonard-Bernstein-Straße). Die Inschrift des bereits am 5. November 1984 Stadt von der Stadt Wien und dem Ministerium für Landesverteidigung gesetzten Gedenksteins lautet: »In den Jahren der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft 1938–1945 wurden in unmittelbarer Nähe zahlreiche österreichische Freiheitskämpfer aus den Reihen der Wehrmacht erschossen. Unter den Opfern, die hier hingerichtet wurden, waren auch Angehörige der Wiener Feuerwehr. Niemals vergessen!« Neben dem Gedenkstein erinnert die Floridsdorfer Kugelfanggasse an die ehemalige Hinrichtungsstätte.

 

Denkmal am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40)

Denkmal am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40)

 

Wien: Zentralfriedhof
»In Memoriam – Im Bereich der Gruppe 40 sind mehr als Tausend Frauen und Männer beerdigt, die in der Zeit 1938-1945 von einer unmenschlichen NS-Justiz zum Tode verurteilt und im Wiener Landesgericht oder auf dem Schießplatz Kagran hingerichtet wurden – Sie bleiben unvergessen.«
So lautet der Text auf einem Gedenkstein auf dem Wiener Zentralfriedhof, der am 21. April 2005 vom Bürgermeister der Stadt Wien enthüllt wurde. Initiator war die Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs. Unter den genannten Opfern befinden sich auch weit über 100 Oper der NS-Militärjustiz, ohne dass diese allerdings explizit Erwähnung finden.

 

Wien: Mariahilferstraße

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Temporäres Erinnerungszeichen in der Stiftskirche

Unbekannte AktivistInnen brachten am 3. März 1986 in der Siftskirche in der Mariahilfer Str. 2, im 7. Wiener Gemeindebezirk eine Gedenktafel für „Opfer und Deserteure vergangener und kommender Kriege“ an. Das Erinnerungszeichen, das vermutlich kurz nach der Aktion wieder entfernt wurde, war bei der Gedenktafel für den Generaloberst der Wehrmacht Alexander Löhr im Innenraum der Kirche befestigt. Löhr war während des Zweiten Weltkrieges als Befehlshaber vor allem auf dem Balkan für zahlreiche Kriegsverbrechen mit verantwortlich und wurde dafür nach 1945 in Belgrad zum Tode verurteilt und hingerichtet.

 

 

 

Zwei weitere Gedenkorte für die Verfolgten der Wehrmachtgerichte sind in den Jahren 2015 in Wien Wien Favoriten (am ehemaligen Standort des Wehrmachtuntersuchungsgefängnis X) sowie 2014 in Wien Neubau entstanden. Beide Tafeltexte verweisen ihrerseits auf das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Ballhausplatz. Ebensolche Tafeln müssten für die restlichen der unter Verfolgungsorte aufgeführten Gebäuden und Plätzen der Wehrmachtjustiz in Wien ebenfalls noch angebracht werden.

 

Prominente Unterstützung für das Denkmal in Wien

Eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Durchsetzung des schließlich am Ballhausplatz realisierte Denkmalprojekt war die Wortspendenkampagne vom Frühjahr 2011. Sie hatte ihr Vorbild im Ehrenschutzkomitee der Wanderausstellung “Was damals Recht war – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht”, die am 1. September 2009 im Wiener Theater Nestroyhof Hamakom eröffnet wurde.

 

Literaturhinweise

Juliane Alton; Thomas Geldmacher; Magnus Koch; Hannes Metzler (Hg.): „Verliehen für die Flucht von den Fahnen“. Das Wiener Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz, Wien 2016.

Werner Bundschuh: Noch fehlen „Deserteursdenkmäler“… In: KULTUR 8 (2007), S. 46-49.

Werner Bundschuh, »Die Namen der Deserteure kommen mir nicht auf das Denkmal!«. In: Geldmacher, Thomas u.a. (Hg.): »Da machen wir nicht mehr mit«. Österreichische Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, Wien 2010, S. S. 76-84.

Mathias Lichtenwagner: Leerstellen. Zur Topografie der Wehrmachtjustiz in Wien vor und nach 1945, Wien 2012.

Mathias Lichtenwagner: Belasteter Beton. Formen der Erinnerung an die NS-Militärjustiz in Wien. In: Alton, Juliane; Geldmacher, Thomas; Koch, Magnus; Metzler, Hannes (Hg.): „Verliehen für die Flucht von den Fahnen“. Das Wiener Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz, Wien 2016, S. 104-125.

Peter Pirker: Vom Kopf auf die Füße. Das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz in der Erinnerungslandschaft Wien. In: Alton, Juliane; Geldmacher, Thomas; Koch, Magnus; Metzler, Hannes (Hg.): „Verliehen für die Flucht von den Fahnen“. Das Wiener Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz, Wien 2016, S. 126-159.

 

 

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2013

Am 26.10.2013 fand am ehemaligen Schießplatz in Kagran bei der Gedenktafel für die dort hingereichteten Soldaten und Zivilisten eine Gedenkveranstaltung statt. Im Folgenden der Einladungtext des Personenkomittee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’ und einige Fotos und auch ein Video von der Veranstaltung.

Nie wieder Gleichschritt!
12. Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz
Zeit: 26. Oktober 2013, 11 Uhr
Ort: Gedenkstein im Donaupark

Das Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« lädt herzlich zur 12. Gedenkveranstaltung »Nie wieder Gleichschritt!« an der ehemaligen Hinrichtungsstätte auf dem Gelände des Militärschießplatzes Kagran ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtsoldaten im Kugelhagel von Exekutionskommandos. Wir treffen uns zum Gedenken an alle ungehorsamen Soldaten und ZivilistInnen, die von Wehrmacht und SS ermordet wurden.

Programm

  • Begrüßung: Terezija Stoisits, Ehrenmitglied des Personenkomitees »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«
  • David Ellensohn, Klubobmann des Grünen Gemeinderatsklubs, “Warum ein Deserteursdenkmal in Österreich 69 Jahre braucht”
  • Mathias Lichtenwagner, Politkwissenschaftler, “Vernetztes Gedenken: Das Deserteursdenkmal am Ballhausplatz und die Orte der Verfolgung in Wien”

Das Video der Gedenkfeier 2013 ist dem Youtube-Profil der AUGE/UG entnommen, wer sichs direkt dort ansehen möchte: Link zum Youtube-Video.

 

Rechte an den Bildern beim Archiv des Personenkomitees. Video von youtube bzw. AUGE/UG (Danke!), folglich Rechte auch dort.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2012

Am Freitag den 26.10.2012 fand am ehemaligen Schießplatz Kagran bei der Gedenktafel für die dort hingereichteten Soldaten und Zivilisten eine Gedenkveranstaltung statt. Der Veranstaltung gingen etliche und wochenlange nicht-öffentliche Diskussionen voraus:

Im Sommer und Herbst 2012 stand der Standort für das Deserteursdenkmal noch nicht fest, zur Diskussion standen diverse Standorte, das “Personenkomitee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’” hat öffentlich seine Präferenz für den Ballhausplatz kundgetan - siehe Presseberichte 2012. Um diesen Anspruch zu unterstreichen war für das Jahr 2012 auch geplant an diesem Ort die sonst in Kagran stattfindende Gedenkveranstaltung am Ballhausplatz abzuhalten. Das “Personenkomitee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’” meldete für den 26.10.(2012) eine Veranstaltung an, welche am 20.9.2012 der Versammlungsbehörde kundgetan wurde. Am 10.10.2012 erreichte die Anmelder_innen und das Personenkomitee die Mitteilung, dass die Versammlung nicht stattfinden könne, da just an Stelle des zukünftigen Deserteursdenkmals das Österreichische Bundesheer seine Transportfahrzeuge abstellen müsse – Untersagung zur Ansicht. Die Versammlungsbehörde berief sich bei der Ablehnung auf einen Bescheid der MA46 vom 25.09.2012 zugunsten des Militärkommandos Wien. Die Veranstaltung musste also erneut in die Peripherie ausweichen.

Im Folgenden der Einladungtext des Personenkomittee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’, ausnahmsweise gleich zwei Videos und einige Fotos von der Veranstaltung.

„Es ist sehr erfreulich, dass sich die Stadt zu dieser Entscheidung durchgerungen hat.“ (Richard Wadani zur Standortentscheidung der Stadt Wien für das künftige Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Ballhausplatz)

Nie wieder Gleichschritt!
11. Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz
Das Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« lädt herzlich zur 11. Gedenkveranstaltung »Nie wieder Gleichschritt!« an der ehemaligen Hinrichtungsstätte auf dem Gelände des Militärschießplatzes Kagran ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtsoldaten im Kugelhagel von Exekutionskommandos. Wir treffen uns zum Gedenken an alle ungehorsamen Soldaten und ZivilistInnen, die von Wehrmacht und SS ermordet wurden.

Zeit: 26. Oktober 2012, 11 Uhr
Ort: Gedenkstein im Donaupark

Programm

Begrüßung durch Richard Wadani, Wehrmachtsdeserteur und Ehrenobmann des Personenkomitees »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«

Harald Walser, Abgeordneter zum Nationalrat / Die Grünen, Zu den Auseinandersetzungen um die Rehabilitierung und das Wiener Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz

Mercedes Echerer, Schauspielerin, Szenische Lesung von Gerichtsurteilen gegen Deserteure und andere Verfolgte der NS-Militärjustiz (1939-1945) [verhindert, Anm.]

Das Original der Einladung als PDF: Einladung 2012.

Tatsächlich war Mercedes Echerer verhindert. Statt ihr hat Carmen Renate Köper, Schauspieler, Filmemacherin und Autorin in Wien, spontan die szenische Lesung übernommen.

 

Erstes Video der Gedenkfeier 2012, entnommen dem Youtube-Profil von Peter Eschberg, wer sichs direkt dort ansehen möchte: Link zum Youtube-Video.

Zweites Video der Gedenkfeier 2012, entnommen dem Youtube-Profil der AUGE/UG, wer sichs direkt dort ansehen möchte: Link zum Youtube-Video.

Und als wären die vielen Fotos und Videos nicht genug, gibt es sogar noch zwei Ton-Mitschnitte, wie so oft von Radio Orange 94.0 mitgeschnitten. Das könnt ihr direkt bei ihnen anhören – Bericht “Gedenken an Opfer der NS-Militärjustiz am 26. Oktober 2012 – zum letzten Mal im Wiener Donaupark” (CBA) (Hinweis: es gibt dort zwei Dateien: einen kommentierten 5-Minuten Zusammenschnitt und einen ungeschnittenen Gesamtmitschnitt!) – oder aber direkt hier:

“5-Minuten-Beitrag für ZIP-FM-Lokalausgabe inkl. Interview mit Richard Wadani” (von CBA/Radio_Orange)

“Unbearbeiteter Mitschnitt der Gedenkveranstaltung am 26.10.2012 im Wiener Donaupark” (von CBA/Radio_Orange)

 

Alle Fotos zur Verfügung gestellt von Alexander Wallner. Videos aufgenommen von Peter Eschberg und AUGE/UG. Mitschnitte von Gerhard Kettler von Radio Orange 94.0. Danke euch allen.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2011

Am 26.10.2011 fand am ehemaligen Schießplatz in Schießplatz in Kagran bei der Gedenktafel für die dort hingereichteten Soldaten und Zivilisten eine Gedenkveranstaltung statt. Im Folgenden der Einladungtext des Personenkomittee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’, ein Video, einen Radio-Orange-Bericht samt Rede-Mitschnitt und Interview und einige Fotos von der Veranstaltung.

»Ich stelle mich an die Seite der Toten und der wenigen, die noch leben, die meiste Zeit ihres Lebens jedoch als Feiglinge, Drückeberger, Kameradenschweine und Schlimmeres bezeichnet worden sind. Das haben sie sich gefallen lassen müssen. Als hätte die Wirklichkeit einer Unrechts-Macht die Wirklichkeit der Nachkriegszeit bestimmt, sogar bis ins 21. Jahrhundert hinein.« (Elfriede Jelinek)

Nie wieder Gleichschritt!
10. Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz

Das Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« lädt herzlich zur 10. Gedenkveranstaltung »Nie wieder Gleichschritt!« an der ehemaligen Hinrichtungsstätte auf dem Gelände des Militärschießplatzes Kagran ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtsoldaten im Kugelhagel von Exekutionskommandos. Wir treffen uns zum Gedenken an alle ungehorsamen Soldaten und ZivilistInnen, die von Wehrmacht und SS ermordet wurden.

Ort: Gedenkstein im Donaupark, Wien 22
Zeitpunkt: Nationalfeiertag, Mittwoch, 26. Oktober 2011, 11.00 Uhr

Es sprechen:
Thomas Geldmacher, Obmann des Personenkomitees »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«
Magnus Koch, Historiker
Andreas Mailath-Pokorny, amtsführender Stadtrat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien
Richard Wadani, Wehrmachtsdeserteur und Ehrenobmann des Personenkomitees »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«
Anschließend: Kranzniederlegung vor dem Gedenkstein

»Der Held / bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache / ist in die Feuerzone gerückt. / Die Uniform des Tages ist die Geduld, / die Auszeichnung der armselige Stern / der Hoffnung über dem Herzen. // Er wird verliehen / für die Flucht von den Fahnen, / für die Tapferkeit vor dem Freund, / für den Verrat unwürdiger Geheimnisse / und die Nichtbeachtung / jeglichen Befehls.« (Ingeborg Bachmann)

Das Original der Einladung als PDF: Einladung Feier 2011.

Radio-Beitrag “Nie wieder Gleichschritt! Gedenken an Opfer der NS-Militärjustiz. Forderung nach Deserteursdenkmal dringlicher denn je.” (von CBA/Radio_ORANGE_94.0, auch direkt dort anhörbar)

Video-Beitrag:

Das Video der Gedenkfeier 2011 ist dem Youtube-Profil der AUGE/UG entnommen, wer sichs direkt dort ansehen möchte: Link zum Youtube-Video.

 

Alle Fotos zur Verfügung gestellt von Alexander Wallner. Videos aufgenommen von der AUGE/UG, Einladungtext übernommen von AK Denkmalpflege. Mitschnitt von Gerhard Kettler von Radio Orange 94.0. Danke euch allen.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2010

Am Dienstag den 26.10.2010 fand am ehemaligen Schießplatz Kagran bei der Gedenktafel für die dort hingereichteten Soldaten und Zivilisten eine Gedenkveranstaltung statt. Im Folgenden der Einladungtext des Personenkomittee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’ und einige Fotos von der Veranstaltung.

Und wieder nähert sich der Nationalfeiertag. Wie auch schon in den letzten Jahren werden wir auch heuer nicht dem Bundesheer am Heldenplatz bei seiner »Leistungsschau« applaudieren, sondern stattdessen auf dem Gelände des ehemaligen Militärschießplatzes Kagran der Deserteure, der Kriegsdienstverweigerer, der Wehrkraftzersetzer gedenken; jener Menschen also, die sich weigerten, den Vernichtungskrieg der Wehrmacht mitzumachen, und dafür von der Zweiten Republik jahrzehntelang verachtet wurden.

Wir haben im vergangenen Jahr einiges erreicht. Die Ausstellung »Was damals Recht war« wurde mit großem Erfolg in Wien (01.09. bis 12.10.2009) und Klagenfurt (09.09. bis 10.10.2010) gezeigt, im September 2010 erschien darüber hinaus der österreichspezifische Dokumentationsband zur Ausstellung, »Da machen wir nicht mehr mit!«. Vor allem aber ist am 01.12.2009 nach 10-jährigem Kampf das Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz in Kraft getreten, mit dem nunmehr alle Opfer der NS-Militärjustiz, aber auch der Erbgesundheitsgerichte und des Volksgerichtshofs pauschal und umfassend rehabilitiert sind.

Neben dem Gedenken und dem Niederlegen eines Kranzes wollen wir uns also auch ein wenig der Freude über das Erreichte widmen und die nächsten Schritte planen.
Treffpunkt: 26. Oktober, 11 Uhr, beim Gedenkstein im Donaupark (U1-Station Alte Donau, dann die Arbeiterstrandbadstraße rund 300 Meter nach Norden)

Es sprechen:
Richard Wadani, Wehrmachtsdeserteur und Ehrenobmann des Vereins »Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«
David Ellensohn, Stadtrat der Grünen und langjähriger Unterstützer des Personenkomitees


Video der Gedenkfeier 2010, entnommen dem Youtube-Profil der AUGE/UG, wer sichs direkt dort ansehen möchte: Link zum Youtube-Video.

Alle Fotos zur Verfügung gestellt von Alexander Wallner. Video aufgenommen von der AUGE/UG. Danke euch allen.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2009

Auch 2009, am 26.10. und damit dem Nationalfeiertag, fand in Kagran beim bis dahin einzigen Denkmal für Deserteure und andere Opfer der NS-Militärjustiz, eine Gedenkfeier statt. Obwohl es sich um ein Jahr mit viel medialer Aufmerksamkeit gehandelt hat – es wurde am 1.September 2009 die Ausstellung “Was damals Recht war…” in Wien eröffnet und am Heldenplatz für wenige Stunden ein temporäres Deserteursdenkmal errichtet – konnten wir bisher keine Redetexte oder Fotos von der Feier finden – digitales Zeitalter hin oder her… Wie fast immer hat aber Radio Orange 94.0 die Feier mitgeschnitten und youtube hält ein Video bereit, beides unten.

Thomas Geldmacher geht in einem kurzen Zwischenbeitrag auch auf den Tod von Herbert Exenberger ein, der wenige Tage vor der Feier gestorben ist. Exenberger wird als Unterstützer des Personenkomitee, Forscher, Vermittler und Historiker gewürdigt (ab Minute 10:00 im Audio-Mitschnitt unten).

Gedenkfeier für die Opfer der NS-Militärjustiz am Militärschießplatz Wien-Kagran

Sonntag, 11. 10. 2009 / Ort: Gedenkstein im Donaupark, an der Arbeiterstrandbadstraße Höhe Parkplatz Strandbad Alte Donau, 1220 Wien / Beginn: 11.00 Uhr

Es sprechen
Dr. Peter Huemer, Journalist und Historiker, sowie
Rodaina El Batnigi, Sprecherin der Bundesjugendvertretung, und
Richard Wadani, Ehrenobmann des Vereins Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«, Wehrmachtsdeserteur

An der ehemaligen Hinrichtungsstätte Militärschießplatz Kagran starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilter Wehrmachtsoldaten im Kugelhagel von Erschießungskommandos.

 

Video der Gedenkfeier 2009, entnommen dem Youtube-Profil von artvan / artvantube, wer sichs direkt dort ansehen möchte: Link zum Youtube-Video.

Redebeitrag und Mitschnitt “Gedenkkundgebung für die Opfer der NS-Miitärjustiz am 11.10.2009″, direkt anzuhören über das Archiv von Radio_ORANGE_94.0 (CBA), oder direkt bei uns:

Mitschnitt von Gerhard Kettler von Radio Orange 94.0. Video von youtube bzw. artvan / artvantube. Dank dir und euch!

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2008

Aus der Einladung des Personenkomitees für die Kagran-Gedenkfeier für das Jahr 2008 (gefunden hier):

Wo sind die Deserteure? Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz 2008

Jährliche Gedenkveranstaltung am 26. Oktober um 10.30 Uhr beim Gedenkstein im Donaupark

Wo sind die Eltern, sind die Freunde, die Brüder und Schwestern
Dieser erschossenen Deserteure, deren Leichen man
Auf die Schwelle des Friedens häufte?
Die Ermordeten selbst können nicht mehr sprechen,
Sie fielen dem Tötungsrausch zum Opfer, den das Gesetz befahl,
Den auszuführen Henker genug bereitstanden.
Die Henker leben noch, sie überleben immer
 Wo aber sind die Deserteure, die ihr Leben retten konnten?

Das Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ lädt herzlich zur Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz an der ehemaligen Hinrichtungsstätte „Militärschießplatz Kagran“ ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht oder Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtssoldaten im Kugelhagel von Erschießungskommandos. Ihnen zum Gedenken versammeln sich an dieser Stelle seit Jahren die letzten überlebenden Wehrmachtsdeserteure mit ihren Verwandten, FreundInnen und SympathisanthInnen.

Datum und Uhrzeit: Sonntag, 26. Oktober, 10.30 Uhr

Ort: Gedenkstein im Donaupark, Wien 22

Anfahrt: mit der U1 bis Alte Donau, Ausgang Arbeiterstrandbadstraße, rechts halten, etwa 400 Meter Richtung Nordwesten, dann in den Donaupark einbiegen. Der Gedenkstein befindet sich auf dem parallel zur Arbeiterstrandbadstraße verlaufenden Parkweg

Wir würden uns sehr freuen, wenn auch Ihnen eine Teilnahme möglich wäre!
Für allfällige Rückfragen steht Ihnen Thomas Geldmacher unter thomas.geldmacher @ univi.ac.at (Für Mails die Leerzeichen vor und nach dem @ entfernen!) zur Verfügung.

Und wo sind die Deserteure,
Die sich in den zerstörten Städten verbargen,
in Dörfern und Wäldern, wartend auf die Alliierten,
Die für sie damals wirkliche Befreier waren?
Haben sie Angst vor den gründlich ihnen eingeimpften Phrasen,
die Fahneneid, Vaterland, Kameradschaft heißen?

(Heinrich Böll, 1953)

Danke an die Flüchtlings- und Deserteursberatung fürs konservieren der Einladung.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2007

Am 26.10.2007 fand am ehemaligen Schießplatz in Schießplatz in Kagran bei der Gedenktafel für die dort hingereichteten Soldaten und Zivilisten eine Gedenkveranstaltung statt. Im Folgenden der Einladungtext des Personenkomittee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’ ein Video und einige Fotos von der Veranstaltung.

Das Personenkomitee “Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz” lädt herzlich zur Gedenkveranstaltung “Nie wieder Gleichschritt” an der ehemaligen Hinrichtungsstätte Militärschießplatz Kagran ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtsoldaten im Kugelhagel von Erschießungskommandos. Die letzten überlebenden Opfer der NS-Militärjustiz treffen sich zum Gedenken an jene ungehorsamen Soldaten und Zivilisten, die von Wehrmacht und SS ermordet wurden.

Ablauf der Veranstaltung:
- Begrüßung durch Richard Wadani (Wehrmachtsdeserteur und Sprecher des Personenkomitees)
- Rede von Univ.-Prof. Dr. Walter Manoschek (Institut für Staatswissen-schaft der Universität Wien)
- Im Rahmen der Veranstaltung präsentieren Jugendliche ein Transparent mit den Namen der bis dato bekannten 129 am Schießplatz Kagran hingerichteten Personen.
- Kranzniederlegung beim Gedenkstein

Wann: Freitag, 26.10.2007, 11.00 Uhr
Wo: Gedenkstein im Donaupark, Wien 22

Anfahrt: mit der U1 bis Alte Donau, Ausgang Arbeiterstrandbadstraße, rechts halten, etwa 400 Meter Richtung Nordwesten, dann in den Donaupark einbiegen.

Der Gedenkstein befindet sich auf dem parallel zur Arbeiterstrandbadstraße verlaufenden Parkweg.

Video_Wadani_2007

Interview mit Richard Wadani im Anschluss an die Feier 2007. Video auf der Seite von kanalB.at oder direkt bei uns.

 

Alle Fotos zur Verfügung gestellt von Alexander Wallner. Video von kanalB.at übernommen unter Creative Commons Lizenz CC BY-NC-SA 2.0 DE. Infos zur Feier 2007 von der Homepage der Deserteurs- und Flüchtlingsbetreuung. Danke euch allen.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2006

Am Freitag den 27.10.2006 fand am ehemaligen Schießplatz Kagran bei der Gedenktafel für die dort hingereichteten Soldaten und Zivilisten eine Gedenkveranstaltung statt. Im Folgenden der Einladungtext des Personenkomittee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’ und einige Fotos von der Veranstaltung.

WO SIND DIE DESERTEURE?
WO SIND DIE ELTERN, SIND DIE FREUNDE, DIE BRÜDER UND SCHWESTERN DIESER ERSCHOSSENEN DESERTEURE, DEREN LEICHEN MAN AUF DIE SCHWELLE DES FRIEDENS HÄUFTE?
DIE ERMORDETEN SELBST KÖNNEN NICHT MEHR SPRECHEN, SIE FIELEN DEM TÖTUNGSRAUSCH ZUM OPFER, DEN DAS GESETZ BEFAHL, DEN AUSZUFÜHREN HENKER GENUG BEREITSTANDEN. DIE HENKER LEBEN NOCH, SIE ÜBERLEBEN IMMER  –  WO ABER SIND DIE DESERTEURE, DIE IHR LEBEN RETTEN KONNTEN?

Das Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ lädt Sie herzlich zur Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz an der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte „Militärschießplatz Kagran“ ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht oder Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtssoldaten im Kugelhagel von Erschießungskommandos. Hier treffen sich nun die letzten überlebenden Wehrmachtsdeserteure zu einer Kranzniederlegung für jene Soldaten, die vom NS-Terrorregime ermordet wurden.

Freitag, 27.10.2006, 11.00 Uhr
Gedenkstein im Donaupark, Wien 22

Ablauf der Veranstaltung:

- Begrüßung durch Richard Wadani (Wehrmachtsdeserteur und Sprecher des Personenkomittees)
- Kurze Ansprache von Terezija Stoisits
- Kranzniederlegung.

Wir würden uns sehr über Ihr Kommen freuen.

UND WO SIND DIE DESERTEURE, DIE SICH IN DEN ZERSTÖRTEN STÄDTEN VERBARGEN, IN DÖRFERN UND WÄLDERN, WARTEND AUF DIE ALLIIERTEN, DIE FÜR SIE DAMALS WIRKLICHE BEFREIER WAREN?
HABEN SIE ANGST VOR DEN GRÜNDLICH IHNEN EINGEIMPFTEN PHRASEN, DIE FAHNENEID, VATERLAND, KAMERADSCHAFT HEIßEN?”
HEINRICH BÖLL, 1953

Alle Fotos zur Verfügung gestellt von Alexander Wallner. Infos zur Feier 2006 von der Homepage der Deserteurs- und Flüchtlingsbetreuung. Danke euch allen.

 

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2005

Auch 2005 wurde in den Donaupark Kagran zum unscheinbaren Denkmal für die dort hingerichteten geladen. Aus der – auf noracism.net archivierten – Einladung:

GEDENKKUNDGEBUNG FÜR WEHRMACHTSDESERTEURE
Samstag 29.10., 10Uhr30, Donaupark

 

GEDENKKUNDGEBUNG FÜR WEHRMACHTSDESERTEURE – beim Gedenkstein bei der ehemaligen Hinrichtungsstätte
- Wegbeschreibung: U1-Station “Alte Donau” – dann
auf der Arbeiterstrandbadstr. ca. 300 Meter
Richtung Westen (=Donauturm) bis zum östlichen
Eingang “Donaupark” – Falls jemensch trotzdem
nicht hinfindet, bitte anrufen: 0650 9451650.
Soll keine Insiderveranstaltung ehemaliger
Deserteure werden, bitte zahlreich kommen!

Liebe Grüße an alle Speakerscornermenschen von
Richard Wadani! (Deserteur und Referent beim
Speakerscorner am 29.9.)
HINTERGRUND: Nach ca. 40 000 Verfahren wurden
unter der Naziherrschaft an ca. 15 000
Wehrmachtsdeserteuren Todesurteile vollstreckt
und viele andere wurden in “Straf”lagern,
Konzentrationslagern, “Bewährungs”verbänden u.ä.
zu Tode gequält. Angesichts dieser historisch
einmaligen skrupellosen Vorgangsweise gegen
Deserteure sind auch jene Deserteure, die keine
Widerstandskämpfer waren, jedenfalls als Opfer
des NS-Unrechtssystems zu betrachten. Die
Wehrmacht zu verlassen erforderte vermutlich
mindestens so viel Mut, wie in ihr gehorsam (mit
oder ohne innerer Zustimmung) den Dienst zum
Nutzen eines Terrorregimes zu leisten, und trug
jedenfalls zur Verkürzung des Kriegs und damit
der NS-Mordherrschaft bei. Dennoch war die
schwarzorangeblaue Regierung auch im
vielbefeierten “Gedankenjahr 2005″ nicht zu einer
zufriedenstellenden Rehabilitierung von
Wehrmachtsdeserteuren bereit.

Danke noracism.net fürs Archivieren.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2004

Zum dritten Mal fand am 30.10.2004 am Hinrichtungsgelände in Kagran eine Gedenkveranstaltung statt. Aus der Einladung, die damals über den Mail-Verteiler von noracism.net versendet wurde und ebenda noch immer abrufbar ist (für geneigte Forscher_innen ist vielleicht die ergänzende Liste von fünf Forderungen unter obigem Link interessant), außerdem vier Fotos von der Feier:

Einladung Gedenkveranstaltung
Das Personenkomitee “Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz” lädt Sie herzlich zur dritten Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz an der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte “Militärschießplatz Kagran” ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht oder Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilter Wehrmachtssoldaten im Kugelhagel von Erschießungskommandos. Zum dritten Mal in der Geschichte der 2. Republik treffen sich überlebende Wehrmachtsdeserteure zu einer Kranzniederlegung für jene Soldaten, die vom NS-Terrorregime ermordet wurden.
Zeit und Ort:
Datum und Uhrzeit: Samstag, 30.10.2004, 11.00 Uhr
Ort: Gedenkstein im Donaupark; am östlichen Eingang,
Abrbeiterstrandbadstraße, Wien 22 (Erreichbarkeit Öffis: U1 bis zur Stadion Alte Donau. Von dort sind es etwa 200 Meter zu Fuß. Zunächst ca. 100 Meter die Arbeiterstrandbadstraße entlang, dann links in den Donaupark und dann den ersten Weg rechts etwa 100 Meter bis zum Gedenkstein.)
Ablauf der Veranstaltung:
- Begrüßung durch Richard Wadani (Wehrmachtsdeserteur, Sprecher des Personenkomitees)
- Kurze Ansprachen von Opfern der NS-Militärjustiz
- Kranzniederlegung.
Redner:
- Ing. Peter Dovjak (Widerstandskämpfer, Verband der Kärntner Partisanen)
- Richard Wadani zum aktuellen Stand der Rehabilitierungsdebatte

 

Danke noracism.net für das Konservieren der Textes.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2003

Zum zweiten Mal lud das “Personenkomitee ‘Gerechigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’” für den 30.10.2003 nach Kagran – zur Gedenktafel am Rande des Donauparks, die der dort hingerichteten Personen gedenkt. Es folgt die damals über einen Mail-Verteiler (noracism.net) verschickte (und ebendort noch immer dokumentierte) Einladung sowie vier Fotos:

Einladung

Das Personenkomitee “Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz” lädt Sie herzlich zur zweiten Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz an der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte “Militärschießplatz Kagran” ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnenflucht oder Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtssoldaten im Kugelhagel von Erschießungskommandos.

Zum zweiten Mal in der Geschichte der 2. Republik treffen sich überlebende Wehrmachtsdeserteure zu einer Kranzniederlegung für jene Soldaten, die vom NS-Terrorregime ermordet wurden.

Zeit und Ort:

- Datum und Uhrzeit: Donnerstag, 30.10.2003, 11.00 Uhr
- Ort: Gedenkstein im Donaupark, Wien 22 (siehe beiliegende Karte!)

Ablauf der Veranstaltung:

- Kurze Ansprachen von Opfern der NS-Militärjustiz
- Lesung
- Kranzniederlegung.

Redner:

- Michael Gutenbrunner (Schriftsteller und Verfasser von “…”)
- Prof. Hugo Pepper (Wehrmachtsdeserteur und Widerstandskämpfer)

Danke noracism.net für das Konservieren der Textes und dem Personenkomitee für die Fotos.

Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Kagran 2002

2002 lud das “Personenkomitee ‘Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz’” überhaupt zum ersten Mal nach Kagran zu einer Gedenkfeier. Ein paar wenige Fotos und die Einladung - von hier:

Einladung

Das Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ lädt Sie herzlich zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz an der ehemaligen NS-Hinrichtungsstätte „Militärschießplatz Kagran“ ein. Dort starben zwischen 1938 und 1945 Hunderte wegen Fahnen­flucht oder Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilte Wehrmachtssoldaten im Kugelhagel von Erschießungskommandos. Erstmals in der Geschichte der 2. Republik treffen sich überlebende Wehrmachtsdeserteure zu einer Kranzniederlegung für jene Soldaten, die vom NS-Terrorregime ermordet wurden.

Zeit und Ort:

Datum und Uhrzeit: Donnerstag, 31.10.2002, 11.00 Uhr
Ort: Gedenkstein im Donaupark, Wien 22

Ablauf der Veranstaltung:

Kurze Ansprache von Opfern der NS-Militärjustiz
Kranzniederlegung

Redner:
Prof. Hugo Pepper (Wehrmachtsdeserteur und Widerstandskämpfer)
Leopold Engleitner (Wehrmachtsdeserteur und KZ-Überlebender)
Prof. Herbert Exenberger (Historiker, DÖW) (…)

Die Initiative wird bis jetzt u.a. von folgenden Personen unterstützt:

Kaplan Emil Bonetti (Wehrmachtsdeserteur), Leopold Engleitner (Wehrmachtsdeserteur, Wehrdienstverweigerer, Zeuge Jehovas), Karl Keri (Wehrmachtsdeserteur), Prof. Hugo Pepper (Wehrmachtsdeserteur, Widerstandskämpfer), Richard Wadani (Wehrmachtsdeserteur), August Weiss (Wehrmachtsdeserteur);

Heidi Ambrosch, Dr. Gabriele Anderl, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Botz, David Ellensohn, Dr. Marianne Enigl, Herbert Exenberger, Mag. David Forster, Maga Maria Fritsche, Mag. Thomas Geldmacher, Maga Evi Genetti, Mag. Reinhard Hannesschläger, Dr. Klaus Heidegger, Irene Hönlinger, Dr. Friedrun Huemer, Maga Verena Krausneker, Peter Kreisky, Hanns Kunitzberger und Catherine Kunitzberger-Emanuely, Ludwig Laher, Silvio Lehmann, Dr. Andreas Maislinger, Ao.Univ.-Prof. Dr. Walter Manoschek, Univ.-Doz. Dr. Siegfried Mattl, Hannes Metzler, Dr. Hanno Millesi, Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer, Renate Partei, Univ.-Ass. Dr. Bertrand Perz, Bernhard Rammerstorfer, Alexander Schürmann, Mag. Angelika Schuster, Johannes Mario Simmel, Tristan Sindelgruber, Dr. Peter Steyrer, Abg. z. NR Maga Terezija Stoisits, Abg.z.NR a.D. Prof. Alfred Ströer, Univ.-Prof. Dr. Karl Stuhlpfarrer, Univ.-Prof. Dr. Emmerich Tálos, Andreas Wabl, Sieglinde Wadani, Thomas Walter, Univ.-Prof. Dr. Ruth Wodak, Dr. Leon Zelman.

Danke an Bernhard Rammerstorfer für den archivierten Einladungstext und dem Personenkomitee für die Fotos.